Borkenkäfer vernichtet Millionenwerte

Dieser Baumstamm ist vom Borkenkäfer „gezeichnet“.
  • Dieser Baumstamm ist vom Borkenkäfer „gezeichnet“.
  • Foto: Zniebacher
  • hochgeladen von Redaktion Liezen

Die Invasion der Borkenkäfer erreicht in der Hitze des Sommers ihren Höhepunkt. Experten warnen vor großen Verlusten.

Eine der biblischen Plagen waren die Wanderheuschrecken. Die Entwicklung der Borkenkäfer nimmt beinahe ähnliche Ausmaße an. Im Bezirk Liezen geht durch die Borkenkäferinvasion den Waldbesitzern ein zweistelliger Millionenbetrag verloren. Die Holzindustrie ist davon in zweifacher Hinsicht betroffen. Während Großbetriebe mit billigem „Käferholz“ spekulative Geschäfte machen, leiden die kleinen Familienbetriebe unter einem Mangel an gesundem Rundholz.

Der wenige Millimeter kleine Käfer bohrt sich durch die Rinde der Fichten, um sich dort zu vermehren. Die Larven fressen sich im Bast (Wasserleitungsbahn zwischen Wurzel und Krone) satt und verpuppen sich dort. Damit unterbrechen sie das lebenswichtige System der Nadelbäume und diese sterben ab. Ein Käferpaar kann pro Jahr bis zu einhunderttausend Nachkommen haben, weil die Entwicklung der Jungkäfer nur fünf bis sechs Wochen dauert.

Der Forstreferent der Landwirtschaftskammer Liezen, Georg Hörmann, beschreibt die Situation im Bezirk Liezen: „Im Jahr 2011 erwarten wir ca. fünfhunderttausend Festmeter Schadholz, ebenso wie im Vorjahr“, schildert Hörmann. Sein Appell an die Waldbesitzer: „Die Einzelwürfe durch die Gewitterstürme sollen unbedingt schnell aufgearbeitet werden, denn sie könnten Auslöser für eine neue Käferkamalität sein. Wer dieser gesetzlichen Pflicht nicht nachkommt, schädigt auch die angrenzenden Wälder, denn Borkenkäfer können bis zu 10 km weit fliegen und auch gesunde Bäume befallen“, mahnt Georg Hörmann ein.

Der Forstwirt Sepp Kaltenbrunner ortet neben Klimawandel und der hochtechnisierten Holzernte eine zusätzliche Problematik in der ständigen Ausweitung von Schutzgebieten. „Durch Unwetter und nachfolgende Borkenkäferinvasionen der vergangenen Jahre sind wir mit dem Einschlag um 8 Jahre voraus. Mein nachhaltiger Waldwirtschaftsplan wird dadurch zunichte gemacht“, erklärt Kaltenbrunner.

Fritz Moosbrugger, Sägewerksbetreiber aus Admont, meint: „Große Sägewerke kaufen die gesamte Menge anfallenden Schadholzes auf und bringen die Schnittware zu Dumpingpreisen auf den Markt. Die borkenkäferbedingte Marktsituation trägt zur Verzerrung des Qualitätsbewusstseins bei und verschiebt das Preisgefüge. Die Politik blickt hier nicht durch, weil sie mit Förderungen Großbetriebe unterstützt und die Kleinen damit umbringt“, kritisiert Moosbrugger.

Der Ökologe Dieter Weißensteiner rklärt zusätzlich: „War früher das Verbreitungsgebiet des Borkenkäfers auf eine Seehöhe unter 1.400 m beschränkt, so fördert der Klimawandel nun seine Ausbreitung in höhere Lagen. Weiters bringen hohe Temperaturen im April eine vierte Generation an Borkenkäfern. Und es rächt sich auch die Kurzsichtigkeit vieler Forstbetriebe, nur auf den „Brotbaum“ Fichte zu setzen. Monokulturen fördern geradezu die derzeitigen Probleme“, so Weißensteiner.

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