Bräuche im Salzkammergut
Buch über Österreichs "zehntes Bundesland"

Das neue Werk von Sandra Galatz ist am 31. März erschienen. Im Buch beschreibt sie Traditionen und Bräuche im Salzkammergut.
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  • Das neue Werk von Sandra Galatz ist am 31. März erschienen. Im Buch beschreibt sie Traditionen und Bräuche im Salzkammergut.
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"Bräuche im Salzkammergut" lautet der Titel des neuen Buches von Sandra Galatz. Bei uns stellt sie ihr Werk vor.

Die gebürtige Gmundnerin Sandra Galatz studierte Französisch, Geografie, Wirtschaftskunde sowie Alpenländische Volksmusik und promovierte im Fach Volkskunde/Europäische Ethnologie. Ihre erste Publikation "Volksmusik im Salzkammergut – Der Pfeifertag" veröffentlichte sie mit 19 Jahren. Wir haben mir ihr über das neueste Werk "Bräuche im Salzkammergut – Gelebte Tradition im Jahreskreis" gesprochen.

Stellen Sie bitte Ihr neues Buch kurz vor.
In meinem neuen Buch ist erstmals die bunte Brauch-Vielfalt des gesamten Salzkammerguts von Gmunden bis Bad Mitterndorf zu finden. Meine Erstleser meinten, es ist ein stimmiger Begleiter durch unseren Jahreskreis. Bräuche bereichern unser Leben und begleiten uns durchs Jahr. Vor allem erfüllen sie auch eine wichtige soziale Funktion in unserem Zusammenleben und sie bereiten Freude und das ist das Schöne daran! All das habe ich versucht in meinem Buch zu vermitteln. Dazu gibt’s auch viele Bilder, Infokästen, Rezepte und ausgewählte Liedtexte!

Was macht Ihrer Meinung nach das Salzkammergut einzigartig?

Das Salzkammergut ist für mich ein sehr eigenwilliges, aber stimmiges Mosaik. Gmunden etwa fühlt sich völlig anders an als Bad Ischl und Bad Goisern, aber auch die Ausseerlandgemeinden haben einen ganz unterschiedlichen Charakter. Doch all diese Orte verbindet ihre Geschichte rund ums Salz und so verschmelzen sie doch wieder zu einer homogenen Region.

Warum gibt es in dieser Region Österreichs diese Vielzahl an Bräuchen?
Das Wesen von uns Salzkammergütlern spiegelt sich in unseren Bräuchen und Ritualen wider. Es ist sicherlich auf die Geschichte der Region zurückzuführen, dass hier so eine außergewöhnlich bunte Vielfalt an Bräuchen entstanden ist, sei es aus Notwendigkeit, aus purer Freude oder durch religiöse Vorgaben besonders in der Zeit der Gegenreformation. Viele Bräuche haben ihre Wurzeln in dieser für das Salzkammergut doch sehr einschneidenden Epoche – man denke nur an die prunkvollen Seeprozessionen, an den Liebstattsonntag, die vielen Karwochenbräuche oder unsere raumfüllenden Weihnachtskrippen.

Warum halten sich alte Bräuche gerade im Salzkammergut so lange und kommen nicht aus der Mode?
Im Moment fühle ich einen Zeitgeist, der auf die Rückbesinnung auf alles Ländliche, Ursprüngliche und Regionale ausgerichtet ist. Und da gehören Bräuche und Traditionen dazu. Natürlich werden sie auch touristisch vermarktet – eigentlich schon seit dem Einsetzen der Sommerfrische im 19. Jahrhundert – denn schon da merkte man, dass man mit unseren Kulturgütern etwas Einzigartiges hat in der Region, das auch die Gäste schätzen. Der Tourismus spielt also dabei sicherlich eine große Rolle, aber zugleich ist es auch die Notwendigkeit des Schönen, die uns Bräuche leben lässt. Es sind ja auch die stilleren und weniger bekannten Bräuche, neuere Bräuche und solche, die wieder zum Leben erweckt oder an den Zeitgeist angepasst wurden, die unser Leben bereichern.

Welche Werte wollen Sie mit diesem Buch vermitteln?

Diejenigen, die selbst in einem Verein aktiv sind – sei es im Kirchenchor, im Trachtenverein, oder beispielsweise in einer Theatergruppe, oder all jene, die selbst Bräuche ausüben wie beim Ausseer Fasching, auf einer Schießstätte, beim Aufstellen ihrer Weihnachtskrippen, beim Bau einer Glöcklerkappe oder als Mitwirkende beim Mitterndorfer Nikolospiel: Sie alle wissen, was ich meine, wenn ich von jenem Gefühl der Freude spreche, das dabei entsteht. Und allen anderen möchte ich mit diesem Durchbegleiten durch den Jahreslauf einen Einblick geben, was es alles an gelebtem Schönen gibt bei uns im Salzkammergut.

Welche Tradition im Ausseerland gefällt Ihnen persönlich am besten?
Ich bin gebürtige Gmundnerin – aber dadurch, dass ich auch Musikantin bin, gibt’s viele freundschaftliche Verbindungen ins Ausseerland. Das ist mein großes Glück, dass ich so auch das Wesen der Ausseer kennenlernen durfte und auch die Jahresbräuche drüber dem Pötschen. Eine Tradition herauszupicken, die mir am besten gefällt, das geht nicht. Ich finde alles, was volkskulturell im Jahr passiert, unglaublich spannend und es ist wunderschön zu beobachten, mit welcher Freude und Hingabe die Menschen etwa als Berigl unterwegs sind, ihr Flinserlkostüm tragen, Sonnwendbüscherl binden, Narzissenfiguren bauen, am Pfeifertag in aller Herrgottsfrüh musizieren, sich beim Grundlseer Sänger- und Musikantentreffen einfinden, die Kinder in Gößl Ruamfeldln gehen, oder der Graßteifü schwer behängt mit den Miglon unterwegs ist. Beeindruckend war für mich aber auf alle Fälle, dass ich schon beim Nähen eines Flinserlgewandes dabei sein durfte und im Rahmen von ORF-Dreharbeiten auch ein Interview mit dem Oberflinserl führen durfte!

Wie lange haben Sie für die Recherchen gebraucht bzw. wie lange hat es vom ersten Gedanken bis zur Veröffentlichung des Buches gedauert?
Der Gedanke begleitet mich seit gut drei Jahren. Damals war ich gerade am Fertigstellen meiner Volkskunde-Dissertation und im Anschluss daran habe ich mich an die Recherchen für „Bräuche im Salzkammergut“ gemacht.

Sie sind im Salzkammergut aufgewachsen. Könnten Sie sich ein Leben fernab der Heimat vorstellen?
Ich bin selbst mit dem bewussten Erleben des Jahreskreises aufgewachsen und sehr dankbar dafür. Und ich bin dankbar, dass ich ins Salzkammergut hineingeboren wurde. Zugleich bin ich aber auch begeisterte Weltreisende und liebe es auch als Geografin, immer wieder die unterschiedlichen Kontinente zu bereisen, Menschen und Kulturen in fernen Ländern kennenzulernen, ihre Sprachen zu hören. Aber ich brauche auch immer wieder meine Basis und das ist einfach zuhause im Salzkammergut.

Das neue Werk von Sandra Galatz ist am 31. März erschienen. Im Buch beschreibt sie Traditionen und Bräuche im Salzkammergut.
Das Buch ist im Verlag Anton Pustet erschienen und behandelt auf 208 Seiten die Bräuche im Salzkammergut.


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