Die etwas andere Welt am Rande der Straße

Eine enorme Artenvielfalt und vor allem ein hoher Anteil gefährdeter Arten befinden sich entlang von Forststraßen.
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  • Eine enorme Artenvielfalt und vor allem ein hoher Anteil gefährdeter Arten befinden sich entlang von Forststraßen.
  • Foto: ÖKOTEAM/Brunner
  • hochgeladen von Roland Schweiger

Kennen Sie den "Weißbindiger Bergwald-Mohrenfalter"? Oder die "Blauflügelige Ödlandschrecke"? Vielleicht nicht, aber diese Tiere sind Ihnen näher, als Sie dachten. Neben "Zauneidechse" oder "Grasfrosch" stehen die eben genannten Tiere auf der Roten Liste für gefährdete Arten. Sie finden aber gerade dort, wo man es vielleicht am wenigsten vermutet, neuen Lebensraum.
Das zeigen nämlich die Ergebnisse eines einzigartigen Naturraum-Management-Projekts der Österreichischen Bundesforste. Erstmals wurden Fauna und Flora an den Begleitstreifen und Böschungen von bereits länger bestehenden Forststraßen im Wirtschaftswald wissenschaftlich untersucht.

Ein verstecktes Ökosystem

„Zu unserer Überraschung entdeckten wir entlang der Waldstraßen ein perfekt eingespieltes Ökosystem, das bis jetzt noch kaum erforscht war“, berichtet Rudolf Freidhager, ÖBf-Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz. Drei Jahre lang waren die Bundesforste-Experten gemeinsam mit Zoologen, Botanikern und Biostatistikern unterwegs. 172 verschiedene Tierarten, von denen 48 auf der Roten Liste stehen, sowie 70 teils regional gefährdete bzw. geschützte Pflanzenarten wurden dokumentiert. In insgesamt fünf Regionen in ganz Österreich wurden 126 Forststraßen-Abschnitte auf einer Länge von jeweils 100 Metern untersucht. Ausgewählt wurden diese Regionen unter anderem anhand unterschiedlicher Höhenlagen, um ein möglichst breites Artenportfolio zu erfassen. Darunter auch im Wienerwald, in den Fischbacher Alpen, im Günser Gebirge im Burgenland und auch im Salzkammergut sowie im Salzburger Lungau.

Der "Fransen-Enzian"

Reptilien, Amphibien, Tagfalter, Heuschrecken, Libellen, Weberknechte, Schnecken, Schalen- und Auerwild, geschützte Pflanzen und invasive Neophyten (sich schnell ausbreitende, nicht heimische Pflanzen) standen im Fokus der Untersuchungen. Die größte Artenvielfalt zeigte sich entlang der Strecken im Salzkammergut. Im Lungau sticht der Nachweis der streng geschützten "Flecken-Fingerwurz", einer Orchideenart, besonders ins Auge, in der Steiermark freut man sich über den seltenen "Fransen-Enzian".
Warum dies so ist, lässt sich so erklären: Entlang von Forststraßen herrschen Bedingungen, die in bewirtschafteten Wäldern eher selten geworden sind. Sonneneinstrahlung und lichter Bewuchs mit Sträuchern oder Gräsern begünstigt vor allem licht- und wärmeliebende Schmetterlinge und Heuschrecken. Trotz zahlreicher Freizeitaktivitäten entlang von Forststraßen, wie Wandern, Reiten oder Mountainbiken auf freigegebenen Strecken, sind besonders hier interessante Lebensräume für zahlreiche Arten entstanden. Gefördert wurde das Projekt aus Mitteln von EU, Bund und Ländern im Rahmen der „Ländlichen Entwicklung“. Die Bundesforste haben dazu auch die Broschüre „Aktiv für biologische Vielfalt an Forststraßen“ veröffentlicht. Sie enthält zahlreiche Informationen zu Artenvielfalt und gibt Praxistipps zum achtsamen Umgang mit der Natur entlang der Forststraßen.


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