Der Lebenshilfe droht das Ende der Werkstätten

Kommt der Sparstift, muss Va Bene schließen. Das „Haus der Förderung“ wurde für zwei Millionen Euro errichtet und im April 2009 eröffnet.
  • Kommt der Sparstift, muss Va Bene schließen. Das „Haus der Förderung“ wurde für zwei Millionen Euro errichtet und im April 2009 eröffnet.
  • Foto: Lebenshilfe Ennstal
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Die Einsparungen im Sozialbereich betreffen auf prekäre Weise die Lebenshilfe im Bezirk Liezen. Die kleinen Einrichtungen wären von der Schließung betroffen.

Die Leistungsverordnung (LEVO) in der Pflege ist, geht es nach der Politik, massiven Sparmaßnahmen unterworfen. So wendeten sich kürzlich die Caritas und die Volkshilfe in einem offenen Brief an die zuständige Spitals- und Pflegelandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (ÖVP). Ein Altern in Würde, eine Pflege, die sich auf „warm, sauber und satt“ beschränkt, könne nicht im Sinn der steirischen Landespolitik sein, so Franz Küberl von der Caritas und Franz Ferner von der Volkshilfe.

Im Bezirk Liezen sind von diesen Sparmaßnahmen die Einrichtungen der Lebenshilfe Ennstal, Lebenshilfe Ausseerland und des Diakoniewerks mit der Werkstätte in Schladming betroffen. Denn die Änderungen im Behindertengesetz haben Auswirkungen auf die Leistungen auf massive Art. „Bei uns wirken sich die angekündigten Sparmaßnahmen im schlechtesten Fall um 35 bis 40 Prozent aus“, so Mag. Gerhard Heinz, Geschäftsführer der Lebenshilfe Ennstal. Gerade die regionale Versorgung der Steiermark mit Betreuungseinrichtungen der Lebenshilfe gewährt auch die Versorgung von Behinderten in ihrem persönlichen Lebensumfeld. So ist die Integration von Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen in der Region gewährleistet. Was aber durch die angekündigten Sparmaßnahmen nun bedroht ist. „Die Wohnhäuser in Admont und Rottenmann sowie die Tageswerkstätte in Rottenmann müssten geschlossen werden. Die größeren Einrichtungen in Stainach und Liezen können gehalten werden“, so Heinz. Vor allem der 24-Stunden-Betrieb ließe sich im Rahmen der vorgesehenen Sparmaßnahmen nicht mehr aufrecht erhalten. Denn es gibt Betreuungsfälle, die auf diese Art der Vollversorgung angewiesen sind. Auch könnten sich Menschen mit intellektuellen Behinderungen nur zu einem gewissen Maß in ihr Lebensumfeld integrieren.

Deswegen wird auch Va Bene in Liezen von einer Schließung betroffen sein, sollte das Sparpaket wie von der Politik vorgesehen umgesetzt werden. Gerade dieses zwei Millionen Euro-Gebäude wurde im April 2009 eröffnet und als „Quantensprung“ für die Betreuungsinfrastruktur im Bezirk gelobt. Die betreuten Menschen von Va Bene müssten jetzt im schlimmsten Fall ins Sonderkrankenhaus nach Graz übersiedeln.
Die Lebenshilfe Ausseerland sieht die Lage ähnlich prekär. „Wir sind alle ein wenig durch den Wind und verstehen nicht, wie man an den Schwächsten der Gesellschaft derart sparen kann“, hört man von einer Mitarbeiterin. Auch dort trifft die geplante Einsparung die Personalressourcen. Man hat aktuell drei zukünftige MitarbeiterInnen in Ausbildung, wobei diese ihre Ausbildungskosten selbst tragen müssen. Deren Arbeitsplatz sei jetzt alles andere als sicher.

Auch ein Wohnhaus war für die Lebenshilfe Ausseerland geplant. Dieses Projekt ist aktuell auf Eis gelegt. Die Personaleinsparung wird hier die 24-Stunden-Betreuung beeinträchtigen. Und auch hier hört man: „Nichts gegen Sparen, aber bitte nicht an den Schwächsten“. Die mobilen Dienste (Familien- und Freizeitentlastung) entlasten Familien mit behinderten Kindern deutlich. „Wer davon nicht selbst betroffen ist, kann eine solche Situation kaum nachvollziehen“, so Andrea Strimitzer, Leiterin der Tageswerkstätte in Bad Aussee. „Die Dienstpläne wären im Sparfall im Rahmen des Arbeitszeitgesetzes nicht mehr einhaltbar.“
Beim Diakoniewerk in Schladming hat man 2009 eine neue größere Wohneinrichtung beim Land beantragt. Dieses Projekt hätte bis 2012 fertiggestellt werden sollen und ist jetzt nicht mehr finanzierbar. Die Geschäftsführung des Diakoniewerks hat aber beschlossen, zumindest für 2011 den Personalstand zu erhalten. Die angekündigten Einsparungen betragen dort 25 Prozent im Einnahmenbereich, was zu empfindlichen Einschränkungen im Leistungsangebot führen kann. Die aktuelle Wohneinrichtung wäre damit auch in Schladming gefährdet.

Gerhard Heinz setzt auf Dialog statt Demonstration. Der Geschäftsführer der Lebenshilfe Ennstal stellt seinen MitarbeiterInnen am 26. April frei, an der Großdemonstration in Graz teilzunehmen. Er selbst sucht das Gespräch: „Ich bin mehr fürs Reden und werde das Gespräch mit allen politischen Proponenten suchen.“ Sensibilisierung und Information über das Leben als Behinderter und für dessen Angehörige sei notwendig. Zwischen 30 bis 40 Arbeitsplätze bei der Lebenshilfe Ennstal stünden auf dem Spiel. Und ein solches Sparprogramm hat „vernichtende Konsequenzen“ für die Klienten. „Am dritten, fünften und elften Mai gibt es weitere Gespräche mit dem Land über unsere kleinen Einrichtungen“, erläutert Heinz. Man würde außerdem den Lebenshilfe-Klienten bei den Schulbuffets in Admont, Liezen und Stainach einen Arbeitsplatz bieten, der vom Sparstift bedroht ist. Die Kooperation mit Raumberg-Gumpenstein zur Bewirtschaftung einer Versuchsfläche durch Betreute der Lebenshilfe steht auch auf der Liste der Streichungen. Heinz sieht, dass entsprechende Signale bei Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser (SPÖ) angekommen sind. Man möchte gemeinsam auf einen grünen Zweig kommen und die Fakten auf den Tisch legen. Heinz glaubt , dass das Bewusstsein für die Problematik bei der zuständigen Politik geschärft wurde und eine Lösung zum Wohle beider Seiten möglich ist.

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