25.07.2017, 19:30 Uhr

"Die Alm ist Teil meines Lebens"

Der Hirte Max Langanger wohnt in den Sommermonaten sehr bescheiden in seiner kleinen Hütte auf der Niederhüttenalm.

Im Winter Stuttgart, im Sommer als Hirte auf der Wörschacher Alm. So sieht das Jahr von Max Langanger aus.

Nicht jeden Tag kommt man mit einem Hirten ins Gespräch. Die WOCHE macht sich regelmäßig auf die Suche nach Menschen aus dem Großraum Ennstal, die eine spezielle Eigenheit oder Leidenschaft leben. In dieser Ausgabe haben wir die "müden Bürobeine" in die Hand genommen und waren den Max auf 1.683 Metern besuchen.

Wie wird man Hirte?

In den 60er Jahren war er bereits sieben Sommer hintereinander als Senner auf der Niederhüttenalm. Das war Teil seiner Aufgaben am elterlichen Bauernhof. Für den Wahl-Stuttgarter mit Wörschacher Wurzeln eine eigene Welt, die er auch heutzutage noch in seinen Jahreskreislauf integriert.

Der Almsommer

Seit neun Jahren ist der 70-jährige im Sommer durchgehend auf der Niederhüttenalm. So heißt der Almboden, wo seine "Halterhütte" steht. 350 Hektar groß ist die Fläche, die das Jungvieh, für das er sorgt, beweidet. Sieben verschiedene Bauern aus den Gemeinden Lassing, Liezen, Wörschach und Mitterberg treiben hier auf. 97 Stück sind es heuer, die Max beaufsichtigt.

Tagesablauf

Das Aufstehen kann sich der "Halter" selbst einteilen. Sein Tag beginnt zwischen halb sechs und halb acht Uhr morgens. In seiner schummrigen und liebevoll eingerichteten Hütte bereitet er sich dann ein ordentliches Frühstück zu. Das kann auch mal eine "Schottsuppe" (Schotten = Topfen) sein. "Nach dem Frühstück geh ich zum Vieh. Nicht jeden Tag, aber schon jeden zweiten. Mindestens einmal in der Woche muss ich dem Jungvieh Salz bringen. Das Vieh kennt mich. Wenn ich deutlich mache, dass sie mitgehen sollen, tun sie das auch. Oftmals sind vor allem die jungen Ochsen sehr stürmisch", sagt der Hirte. Die frechen vierbeinigen Glockenträger, die einfach aus Neugierde die gezäunte Weide wechseln, sind eine weitere Herausforderung für den Hirtenalltag. Hinzu kommen auch noch das Holzmachen, das Kochen und die Instandhaltung der Hütte.

Zeiten der Ruhe

An Regentagen unterscheidet sich die Welt hier oben massiv von jener im Tal. Wenn der Nebel und die tiefen Regenwolken sich über den Almboden legen, dann ist es Zeit für Ruhe. Max Langanger bastelt an solchen Tagen am liebsten technische Eigenkreationen
in seiner Hütte. Regenzeiten lassen sich laut Aussage des Bastlers auch sehr gut bei einem Häferl Tee und einem Buch ertragen. "Die Langeweile und die Stille muss man aushalten", sagt seine Lebensgefährtin Rosi, die aus Stuttgart gekommen ist, um zwei Wochen hier mit Max zu verbringen.

Platzwechsel

Wenn eine Weidefläche entsprechend abgegrast wurde, dann ist es Zeit, den Platz zu wechseln. Zu diesem Anlass finden sich meist einige Bauern und Treiber ein, die gemeinsam mit dem "Halter" die Umsiedelung der Herde vornehmen. Eines der wichtigsten Kriterien für die Platzwahl ist dabei eine zuverlässige Wasserstelle. Im toten Gebirge kann diese eine Herausforderung sein, da das Wasser im Karstgebiet oftmals unterirdisch fließt. Hier oben hat man damit - "Gott sei Dank" - keine Probleme.

Das Besondere

Für den naturbezogenen "Wahl-Städter" ist die Alm ein Ort, an dem man sich auf das Wesentliche beschränkt. "Wenn ich in Stuttgart durch die Straßen gehe und den Menschen dabei zuschaue, wie sie sich Sachen kaufen, die sie nicht brauchen, weiß ich sofort wieder, warum ich hier heroben bin", erklärt Max.
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Herta Goldschmied aus St. Veit | 27.07.2017 | 16:08   Melden
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