01.02.2018, 23:00 Uhr

90 Jahre Arbeitertrommelweiber in Bad Aussee

2008 feierten die Ausseer Arbeitertrommelweiber ihr 80jähriges Bestehen. (Foto: kk)

Am Faschingdienstag feiert eine Institution des lustigen Ausseer Faschings ein kleines Jubiläum und blickt auf durchaus ernste Gründungszeiten zurück.

Trommelweiber gehören im Ausseerland zum Fasching wie der Schnee zum Winter. Während sich Gäste rundum über die lauten Gestalten freuen, weiß der Ausseer, dass Trommelweib nicht gleich Trommelweib ist. Die Ausseer Arbeitertrommelweiber sind die zweitältesten. Im Gegensatz zu den schon seit 1767 durch die Stadt ziehenden "Markter Trommelweibern" gibt es die Arbeitertrommelweiber erst seit 1928. Die "Markter Trommelweiber" sind der Überlieferung nach aus dem Spott der Bürgersleute Aussees über deren Frauen entstanden. Diese haben die Männer spät nachts, gekleidet in ihren Nachtgewändern, förmlich aus den Wirtshäusern nach Hause "getrommelt". 

Arbeiter nicht erwünscht
Während die Bürger am Faschingmontag freudvoll durch Aussee zogen, blieb den Arbeitern die Mitgliedschaft jahrhundertelang verwehrt. Der Unterschied zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft zeigte sich damals auf vielen Ebenen. Die Bürger hatten Besitzungen im Stadtzentrum und waren bis zur Ablöse der Saline durch das Kaiserhaus sogar Besitzer der Salz-Sudpfannen. Die Arbeiter hingegen waren die Arbeitskräfte, die für die Salzgewinnung, die Holzeinbringung für die Befeuerung der Sudpfannen sowie die Verarbeitung der Sole verantwortlich waren und wohnten in den Ortschaften rund um das Zentrum. In den 1920er-Jahren war es auch nicht unüblich, dass es Orte in Gasthäusern oder öffentlichen Parks gab, zu denen Arbeiter keinen Zutritt hatten. Die Gründung der Ausseer Arbeitertrommelweiber spiegelte somit auch die Spannungen innerhalb der Gesellschaft wider, die später in ganz Österreich zu Ständestaat und Bürgerkrieg führten.

Die Gründung 1928
Genaue Fakten zur Gründung gibt es nicht. Überliefert ist aber die Geschichte, wonach die Markter Trommelweiber einem Mann, der zwar aus dem Bürgertum stammte, sein Geld aber als Arbeiter in der Saline verdiente, die Aufnahme verwehrten. Aus Protest und Solidarität dem Mann gegenüber haben die zwei Arbeitskollegen und Musikanen Rudolf Grill vlg. Hauser und Johann Vormayer im Jahr 1928 die Arbeitertrommelweiber ins Leben gerufen. Zur klaren Unterscheidung zu den bürgerlichen Markter Trommelweibern beschlossen die Männer, ihren Umzug am Faschingsdienstag zu bestreiten, während die Markter noch heute am Montag durch Aussee ziehen. Auch geografisch heben sich die Arbeitertrommelweiber bei ihrem Marsch ab. Sie durchstreifen nicht nur das Zentrum, sondern beginnen ihn im traditionellen Salinenviertel Unterkainisch. In punkto Kleidung gibt es ohnehin klare Unterschiede. Die Arbeitertrommelweiber treten ausschließlich in weiß gekleidet auf (die Bürger tragen bunten Schürzen), was wohl eine Reminiszenz an die Gründerväter und deren weiße Berufskleidung in der Saline ist.

Der Umzug am Faschingdienstag
Die Ausseer Arbeitertrommelweiber beginnen ihren Umzug um 8 Uhr beim Feuerwehrdepot Unterkainisch-Eselsbach und gehen dann ins Stadtzentrum, wo sie mehr oder weniger den ganzen Tag immer wieder durch die Straßen ziehen. Unterbrochen wird dieser Zug freilich durch mehr als ein Dutzend Einkehrungen in Banken, Geschäften, Gasthäusern und der Stadtgemeinde, wo der Bürgermeister feierlich den Schlüssel der Stadt übergibt, um die Trommelweiber für einen Tag regieren zu lassen. Erst nach Einbruch der Dunkelheit beenden die Arbeitertrommelweiber in den Gasthäusern ihren Umzug.

Die Aufnahme
Die Aufnahme ist eine öffentliche Veranstaltung, die sich großer Beliebtheit unter den tausenden Besuchern des Ausseer Faschings erfreut und am Faschingdienstag etwa zwischen 15 und 17 Uhr am Kurhausplatz stattfindet. Bei den Arbeitertrommelweibern werden traditionell nur Bewerber aufgenommen, die sich zuvor als „Trommelträger“ bewährt haben. Die Kandidaten müssen dabei mehrere Jahre hinweg die großen Trommeln langjähriger Mitglieder beim Umzug getragen haben. Erst dann wird über die Aufnahme abgestimmt, wobei besonderer Wert darauf gelegt wird, dass neue Mitglieder „dazu passen“ und aus Bad Aussee stammen oder in Bad Aussee leben. Berufliche, soziale oder politische Belange spielen hingegen keine Rolle bei der Auswahl. Die Zeremonie selbst besteht aus mehrere Teilen. Zur Untermauerung der notwendigen Trinkfestigkeit gilt es dabei, ein großes Glas Wein, verfeinert mit einer ausgiebigen Zugabe von Branntwein, in einem Zug zu leeren. Um auch den wechselhaften kulinarischen Genüssen der Faschingszeit Genüge zu tun, muss der Bewerber einen süßen Krapfen mit pikanter Fülle sowie einen scharfen Pfefferoni verzehren und anschließend einen Luftballon aufblasen und zum Zerplatzen bringen. Den kulinarischen Abschluss markiert das Leeren eines großen Glases kalter Milch, die das Ende des Faschings und den Übergang zur kargen „Normalzeit“ symbolisiert. Mit dem Eid auf die Fahne der Ausseer Arbeitertrommelweiber und dem „innigen Kuss“ derselben ist die Aufnahme abgeschlossen. Wer die Ausseer Arbeitertrommelweiber samt Flinserl, Pless und Fischer erleben möchte, muss am Faschingdienstag im Stadtzentrum von Bad Aussee sein. Dort kann man dem bunten Treiben ohnehin nicht entkommen.
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