09.11.2016, 03:00 Uhr

Das letzte echte Krampusspiel

Das Öblarner Krampusspiel feiert heuer sein 200-jähriges Jubiläum. (Foto: Danklmayer)

Das Öblarner Krampusspiel hat eine lange Tradition. Heuer feiert es sein 200-
jähriges Jubiläum.

Das Öblarner Krampusspiel wurde erstmals 1816 urkundlich erwähnt. Damals besuchte Erzherzog Johann das Schloss Gstatt in Öblarn. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm von Bauern das Sommer/Winterspiel vorgeführt, auch ein Auftritt des Teufels ist in seinen Tagebuchaufzeichnungen dokumentiert. Somit ist dies die älteste belegte Aufzeichnung der steirischen Nikolausspiele.

Tradition

Der Ursprung des Krampusspiels ist nicht genau festzumachen. Es wird davon augegangen, dass es auf einen heidnischen Brauch rund um die Wintersonnenwende zurückgeht. Zu dieser Zeit versuchten die Menschen die Dunkelheit durch Masken und Lärm zu vertreiben. Erst später wurden christliche Elemente, wie zum Beispiel der Heilige Nikolaus, eingebracht.
Das geschichtsträchtige Spiel feiert heuer sein 200. Jubiläum. Seit damals sind immer wieder kleine Veränderungen vorgenommen worden. "Wir wissen aus Niederschriften, dass das Spiel in früheren Zeiten wesentlich umfangreicher war. Erstaunlich ist, dass es am Ende einen Schlusstanz gegeben hat, wo die Krampusse eine Art rituellen Tanz aufgeführt haben. So sind in der Vergangenheit zum Beispiel die Figur des Engels oder des Kaplans vom Spiel abgefallen. Dazugekommen sind Tierfiguren wie der Hirsch", erzählt Obmann Gert Planitzer.

UNESCO-Kulturerbe

2014 wurde das Öblarner Krampusspiel als UNESCO-Kulturerbe anerkannt. Gewürdigt wird traditionelles Brauchtum – welches als schützenswert eingestuft wird – mit der Aufnahme in das immaterielle Kulturgut.
"Man kann sich um die Aufnahme bewerben, dazu müssen zwei unabhängige Expertengutachten beigestellt werden. Am Ende entscheidet eine Kommission über die Aufnahme", sagt Planitzer.
Im Unterschied zu anderen Krampusspielen, brauchen sich die Kinder in Öblarn vor niemandem fürchten. "Wir haben schon vor 30 Jahren die Rute als Gewaltinstrument aus dem Spiel verbannt, niemand wird ernsthaft geschlagen. Früher wurden wir dafür belächelt, heute hätten gerne viele Veranstaltungen dieses Image. Wir sind kein Event wie viele Umzüge sondern traditionelles Brauchtum, welches man in dieser Form sicher kein zweites Mal findet", so Obmann Gert Planitzer.
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