14.02.2018, 11:39 Uhr

Endemiten-Forschung im Nationalpark Gesäuse

Forscherin Sandra Aurenhammer bei der Arbeit in der Odelsteinhöhle in Johnsbach. (Foto: Christian Komposch, Ökoteam)

Vor zwölf Jahren wurde im Nationalpark Gesäuse eine neue Tierart entdeckt: Astrids Steinfliege (Leuctra astridae). „Der Name „Astrids Steinfliege“ für eine von mir erstmals beschriebene Art, ist für mich die Verknüpfung meiner beiden Leidenschaften.

Zum einen ist Astrid der Name meiner Frau. Sie liebt die Berge und die Quellen, an welchen diese Tiere leben. Zum anderen sind die Stein- und Köcherfliegen meine große Leidenschaft,“ erläutert Wolfram Graf von der Universität für Bodenkultur in Wien. Es handelt sich um einen besonderen Fund, denn diese Art ist bis heute nur aus dem Gesäuse bekannt. Die nächstverwandten Arten finden sich in den südlichen Westalpen.

150 seltene Tierarten im Gesäuse

Arten, die ein so kleinräumiges Verbreitungsgebiet haben, nennt man Endemiten. Der Nationalpark Gesäuse ist eine „Endemiten-Schatzkiste“. Kein anderes Gebiet in Österreich beherbergt eine solche Vielfalt an endemischen Arten. Im Rahmen eines mehrjährigen geförderten Projektes konnten die Nachweise von endemischen Arten im Gebiet erhöht werden. Insgesamt zählt man derzeit 30 endemische Pflanzenarten und mehr als 150 endemische Tierarten im Nationalpark Gesäuse.

Überraschungsfund in der Odelsteinhöhle

Bei den Tierarten gelangen neben „Astrids Steinfliege“ mehrere Sensationsfunde im Gesäuse: Der Steirische Nordostalpen-Blindkäfer (Arctaphaenops angulipennis styriacus) wurde erstmals seit 80 Jahren in einer Höhle im Gesäuse wiedergefunden. Im letzten Jahr kam es erneut zu einem Überraschungsfund in einer Höhle im Gesäuse. Ein Tasterläufer, ein besonders an das Leben in der Finsternis angepasstes Spinnentier, wurde entdeckt. Es handelt sich wohl um eines der seltsamsten Tiere unserer Breiten: Der Tasterläufer (Eukoenenia spelaea) ist ein blinder Zwerg (etwa 1,5 Millimeter) mit zweigeteiltem Körper, mächtigen Zangen und laufbeinartigen Tastern. Der Nachweis in der Odelsteinhöhle in Johnsbach ist einer von nur vier gesicherten Nachweisen dieser Art in Österreich.

Nationalpark will weiter forschen

Die meisten endemischen Arten im Gesäuse sind besonders an das Leben unter widrigen Bedingungen angepasst. Sie haben sich diese Fähigkeit in der letzten Eiszeit angeeignet und sind jetzt meist in den Gipfelbereichen oder eben in Höhlen anzutreffen. „Dort sind sie im Nationalpark auch gut geschützt, allein die lebensbedrohliche Klimaerwärmung macht auch vor einer Schutzgebietsgrenze nicht Halt. Der Nationalpark Gesäuse wird sich auch in den nächsten Jahren seinen Endemiten widmen und versuchen, mehr über diese verborgenen Schätze zu erfahren. Der Schlüssel, diesen gefährdeten Arten eine Überlebenschance zu geben, ist die Erforschung ihrer Verbreitung und Lebensraumansprüche,“ zeigt sich Daniel Kreiner, Forschungsleiter im Nationalpark Gesäuse, begeistert.
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