14.11.2017, 08:40 Uhr

Hier ordinieren die 1980er-Jahrgänge

Maria-Anna Thier ist als Praktische Ärztin in Schladming tätig und zählt zu den zehn jüngsten Ärzten der Steiermark. (Foto: KK)

In einer Sparte, die laut Statistik "veraltet", bringen sie frischen Wind in die Praxen: die zehn jüngsten Ärzte der Steiermark.

In Zeiten, in denen der klassische steirische Hausarzt durchschnittlich 52,7 Jahre alt ist, sorgen sie für "frisches Blut": Jene jungen Mediziner, die sich quasi direkt nach der abgeschlossenen Ausbildung in das Abenteuer "Arztpraxis" stürzen.
Laut der jüngsten Landesstatistik zählen die Ärzte neben den Notaren und den Ziviltechnikern zu den stärksten überalteten Berufsgruppen. Lediglich acht Prozent der niedergelassenen Ärzte sind unter 40 Jahren. Die Gründe, warum keine jungen Kollegen nachkommen sind vielfältig, wie Alexander Moussa aus eigener Erfahrung weiß: "Die Arbeitsbelastung ist meist recht hoch und die Familie leidet unter den häufig nicht planbaren Tagesabläufen. Wochenend-, Feiertags- und Nachtdienste sind zu leisten und bei Verhinderung bzw. Krankheit steht der Betrieb still", so der 35-jährige Allgemeinmediziner, der seit 2012 eine Ordination in Hartberg hat.



Tragende Säule

"80 Millionen Patientenkontakte werden jährlich von Allgemeinmedizinern abgewickelt", berichtet Moussa, der gleichzeitig auch Obmann der Sektion Allgemeinmedizin sowie Kassenärztlicher Referent der Ärztekammer Steiermark ist. "Damit sind wir eine tragende Säule der medizinischen Versorgung in Österreich." Dass dieser maßgeblichen Stütze auch viele Steine in den Weg gelegt werden – Kassenbürokratie, Limitationen – ist bekannt. Dennoch lassen sich besonders Engagierte nicht davon abschrecken. Eine von ihnen ist die Allgemeinmedizinerin Maria-Anna Thier, die die WOCHE als jüngste Ärztin des Bezirks Liezen zum Gespräch gebeten hat.

Anders als geplant

Die 34-Jährige führt seit 1. Jänner 2015 eine Praxis in Schladming. Der Weg dorthin war aber alles andere als geplant: "Nach meinem Turnus in Schwarzach hatte ich dort die Aussicht auf eine Assistenzstelle im Kinderbereich – etwas, das ich immer machen wollte. Nachdem aber kein Platz frei und ich drei Monate lang in Evidenz gehalten wurde, habe ich beschlossen, die Vertretung meiner Mutter zu übernehmen, die zu diesem Zeitpunkt als Landärztin tätig war. Als ich dann doch eine Zusage aus Schwarzach bekommen habe, war es eine Bauchentscheidung – gegen die Assistenzstelle."

Schwieriger Start

Wie Moussa erklärt auch Thier, dass es keinesfalls ein einfacher Weg in die Selbstständigkeit war: Auch als Ärztetochter – ihre Mutter war als Landärztin tätig, ihr Vater als Internist – "übernimmt" man eine Praxis nicht einfach so: undurchsichtige Reihungsverfahren und lange Wartezeiten seien normal. Umso erfreulicher, dass es schließlich geklappt hat. "Natürlich hatte ich großen Respekt davor. Krankenhaus und Praxis, das sind zwei vollkommen unterschiedliche Systeme. Im Studium kommst du damit nicht in Berührung, ich hatte keine Ahnung davon."

Angst vor der Selbstständigkeit

Dass viele junge Ärzte den Weg in die Selbstständigkeit scheuen, kann Thier deshalb verstehen: "Du bist alleine, hast nur limitierte Diagnostikmöglichkeiten und keine Ahnung von der Bürokratie. Hinzu kommt die Familienplanung, die sich besonders für Frauen als schwierig erweist – keine Karenz, kein Mutterschutz."
Besonders wichtig wäre es deshalb, so Thier, dass man angehenden Medizinern bessere Einblicke in dieses Berufsbild ermöglicht. "Mittlerweile hat sich einiges getan, aber viele wissen einfach nicht, was es bedeutet, eine eigene Praxis zu führen. In der Obersteiermark gibt es deshalb das 'Landarztprojekt', dass es angehenden Ärzten ermöglicht, einen Monat lang bei einem Allgemeinmediziner zu formulieren und dadurch Einblicke zu gewinnen."

Besondere Beziehung

Wie Maria-Anna Thier diesen schwierigen Schritt gemeistert hat? "Ich habe es damals einfach probiert, mittlerweile könnte ich es mir nicht mehr anders vorstellen: Die Patienten-Arzt-Beziehung ist eine ganz andere als im Krankenhaus, du kennst die Hintergründe, das Familiensystem und das Patientenspektrum reicht vom Säugling bis zum 100-Jährigen. Klar, es gehört noch einiges verbessert – zum Beispiel der Leistungskatalog und Ärzten sollte es möglich sein, andere Ärzte anzustellen – aber ich möchte nicht mehr zurück."
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