08.11.2016, 08:14 Uhr

"Ich brauche Herausforderung"

Flora, Fauna, Familie: Forstdirektor, Andreas Holzinger, zum Tischgespräch in der WOCHE-Redaktion.

In Forstkreisen sind Sie jedem ein Begriff – möchten Sie unseren Lesern einen kleinen Streifzug durch Ihr Leben ermöglichen?
Andreas Holzinger: Sehr gerne. Ich bin ein gebürtiger und leidenschaftlicher Ausseer. Interessanterweise kommen meine beiden Eltern aus dem Holzgeschäft. Meine Mutter leitete ein Sägewerk und mein Vater war damals Förster. Ich ging in Stainach zur Schule und habe dann in Wien Bodenkultur studiert und sechs Jahre lang am Institut für Waldbau assistiert. Zurück in der Steiermark wurde ich erst in Stainach sesshaft und bald darauf Forstinspektor. Aber bleiben wir beim Privaten. Ich habe einen Sohn und eine Tochter und bin glücklich verheiratet. Meine Frau kocht sehr gut und ist ein wunderschönes Gesamtkunstwerk.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben?
Ich bin ein waschechtes, praktisches Mannsbild mit gesegnetem Appetit – Ich bin tolerant und der Meinung, dass jeder das sein soll, was er sein will. Ich bin auch nicht überall beliebt, weil ich meine Meinung gerade heraussage – das gefällt nicht jedem.

Haben Sie ein "Lieblingsplatzerl" im Ennstal?
Mein Lieblingsplatz ist sicher meine kleine Ranch in Aussee. Wenn ich nach Hause fahre, in Trautenfels bei der Kreuzung abbiege und dann Bad Aussee sehe, geht mir das Herz auf.

BA-Wunschkennzeichen – haben Sie auch eines?
Ich nicht, aber meine Frau hat eines.

Zurück zum Beruf: Wie lange waren Sie Bundesforstinspektor?
Fünf Jahre lang. Ich war recht streng – bin also auch mal angeeckt. Der Drang zum Wirtschaften hat mich aber dann vom gemütlichen Beamtentum weggezogen. Die Arbeit in der Wirtschaft ist abwechslungsreicher – besonders das Holz ist fantastisch: Werkstoff, Siedlungsschutz, Wasserschutz und vieles mehr. Ich bin ein grober Klotz, das Behördenwesen ist einfach nicht meines. Ich brauche Herausforderung.

Das heißt?
Die Steiermärkischen Landesforste sind der sechstgrößte Forstbetrieb in Österreich. Ich habe 50 Mitarbeiter – zu den Aufgaben gehören Naturschutz, Straßenbau, Jagd, der Nationalpark und vieles mehr. In der Wirtschaft verhandelt man – man sieht dem Geschäftspartner ins Auge und weiß, er ist ein Schlitzohr. Aber ich bin auch eines, sogar das bessere. Das Menschliche bedeutet mir sehr viel.

Wurde Ihre Arbeit durch den Nationalpark komplizierter?

Natürlich tauchen Hürden auf. Ich bin aber ein Optimist und versuche immer eine Lösung zu finden. Ein Beispiel: Ich habe zu viele Förster, sage aber nicht: Auf Wiederschaun', meine Herren! Wir haben einen anderen Weg gewählt und das "Xeis Edelwild" ins Leben gerufen – ein weiteres Projekt ist der Alpenlachs. Wir haben aber alle Mitarbeiter einschlägig geschult und machen zusätzlich Wald- und Jagdpädagogik. Wir haben uns geöffnet und sagen: Wir erklären Euch die Welt und bieten Naturerlebnisse.

Jagd und Nationalpark – war das den Naturschützern ein Dorn im Auge?
Als der Nationalpark gegründet wurde, sagten die Grünen: Mit der Jägerei ist es jetzt aber vorbei. Erklären Sie das mal einem Berufsjäger, der 25 Jahre lang im Wald der Landesforste mit seiner Familie lebt. Es ging also um Arbeitsplätze. Wir haben dann den Terminus verändert: Wir machen also "Wildtiermanagement" statt Jagd und haben vielen weiteren Arbeitsvorgängen einen neuen Namen gegeben. Die neuen Bezeichnungen gefielen allen sehr gut, obwohl wir im Grunde nichts gravierendes verändert haben.

Auf welche Probleme trifft man in der Forstwirtschaft?
Wenn ich jetzt höre, die Forststraßen müssen alle für Mountainbiker freigegeben werden, sehe ich das nicht ein. Mountainbike-Strecken sind in einem ganz anderen Zustand und müssen mit hohem Aufwand gewartet werden. Wir haben auch Vorfälle mit Kletterern, die sich einfach ihre Routen bohren. Der Wald ist zwar offen aber nicht öffentlich: Regeln sind zu beachten.
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