05.12.2017, 22:38 Uhr

'Nein' zu E-Mobil in Ramsau

Bürgermeisterin Gertraud Steinacher und Vize Leopold Schweiger (re.) waren Tage zuvor noch von der E-Mobilität überzeugt. (Foto: M. Strasser)

Immer mehr Elektroautos schaffen es in den Fuhrpark der Gemeinden. Ramsau bleibt dem Benziner treu.

RAMSAU. Es sah alles nach einer klaren Entscheidung aus. Die Gemeinde Ramsau testete drei Tage lang einen E-Bus im Rahmen der Initiative "e-mobil in Niederösterreich". Das Ziel des Landes ist es, dass im Jahr 2020 insgesamt 50.000 elektrisch betriebene Fahrzeuge im Bundesland unterwegs sind. Doch die Gemeindeführung Ramsaus machte im letzten Moment einen Schwenk und entschied sich für einen Benziner. Die Opposition schäumt.

Fossil statt elektro

„Elektroautos zeichnen sich durch den leisen und klimafreundlichen Betrieb aus. Zudem sind Reichweiten von 150 bis 250 Kilometer völlig ausreichend für den täglichen Einsatz in der Gemeinde. Als Gemeinde tragen wir Verantwortung und wollen unserer Vorbildwirkung für unsere Bürger gerecht werden. Die dreitägige Testphase hat mich überzeugt, dass E-Autos mehr als nur eine Alternative sind“, so Ramsaus Vizebürgermeister Leopold Schweiger noch vor wenigen Tagen.

Überraschende Wende

In der Gemeindratssitzung vergangene Woche dann der plötzliche Schwenk. Die ÖVP beschloss mit Unterstützung der SPÖ den Ankauf eines VW Kastenwagens mit Benzinmotor anstatt Elektrotechnik. "Völlig unverständlich", poltert etwa Gemeinderat Karl Spendlhofer von der Liste "Stefan". "Mit diesem Auto sollten Fahrten erledigt werden, die bisher mit einem Traktor ausgeführt wurden, etwa Wasserzähler ablesen, Fahrten nach Hainfeld oder ins Lagerhaus nach St. Veit, selten nach St. Pölten. Also ideal für ein Elektroauto".

Dank Förderung billiger

"Zudem wäre das Elektroauto dank der Förderaktion des Landes auf nur 11.800 Euro Kaufpreis gekommen, also billiger als der Benziner, der jetzt angeschafft wird", ärgert sich Karl Spendlhofer. "Mit den fadenscheinigsten Argumenten wurde versucht, das Elektroauto mit einer Reichweite von 180 Kilometern schlecht zu reden und so zu tun, als könnte man damit nicht die Fahrten erledigen, die bis dato der Traktor schaffte. Und das in einem Ort, der sich seit Jahren als Klimabündnis-Gemeinde deklariert".

Bei Tests durchgefallen

Bürgermeisterin Gertraud Steinacher von der Volkspartei verteidigt den Entschluss: "Mehrere Mitarbeiter testeten das Elektroauto drei Tage lang sehr intensiv. Dabei kamen sie zum Ergebnis, dass es für unsere Anforderungen nicht die optimale Lösung ist. Ein Mitarbeiter fuhr nach St. Pölten und am Rückweg war der Akku schon wieder fast leer. Das zeigte uns, dass diese neue Technik für unsere Region mit vielen harten Wintertagen noch nicht ausgereift ist", erklärt die Ramsauer Ortschefin.
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