18.10.2016, 09:07 Uhr

Lilienfeld: Arbeiterkammer und ÖGB fordern bessere Bezahlung für Frauen

Kämpferisch: Elisabeth Preus und Burkhard Eberl.

Unterbezahlt: Seit dem 9. Oktober arbeiten Frauen in Niederösterreich 84 Tage "gratis".

BEZIRK LILIENFELD. 22,9 Prozent beträgt der durchschnittliche Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern in Niederösterreich bei Vollzeitarbeit. Das bedeutet, dass ein Mann schon am 9. Oktober so viel verdient hat, wie eine Frau in einem ganzen Jahr.

Problem Kinderbetreuung
Für die Hainfelderin Elisabeth Preus, Landessekretärin der ÖGB NÖ Frauen, spielen dabei vor allem zwei Faktoren eine Rolle. Der hohe Anteil an Teilzeitbeschäftigung und die oftmals, vor allem in ländlichen Gebieten, wie Lilienfeld, fehlenden ganztägigen Kinderbetreuungsplätze. „Das eine bedingt das andere. Ohne ganztägige Kinderbetreuung kann man nicht Vollzeit arbeiten“, erklärt Elisabeth Preus im Gespräch mit den Bezirksblättern in Lilienfeld. Wichtig wäre daher, dass die Anzahl der Krippenplätze ausgebaut wird und dass der Besuch eines ganztägigen Kindergartens kostenfrei wird. „Wir werden uns nicht entmutigen lassen, weil sich die Lohnlücke in den vergangenen Jahren nur minimal gesenkt hat. Auf Gesetzes-, Kollektivvertrags- und Betriebsebene werden wir auch weiterhin für Einkommensgerechtigkeit kämpfen", betont Preus. Aus anderen Ländern kenne man die Rezepte, die zu mehr Gerechtigkeit führen. Beruf und Familie müssen leichter vereinbar werden. „Frauenarbeit und die Stärken von Frauen müssen finanziell besser anerkannt werden“, so die Hainfelderin. Dazu brauche es eine bessere Bezahlung in Branchen, in denen viele Frauen tätig sind.

Ungerechte Entlohnung
In das gleiche Horn stößt auch Lilienfelds Arbeiterkammerchef Burkhard Eberl. "In vielen Betrieben bekommen die Männer eine Zulage für körperlich schwere Arbeit. Das ist auch völlig richtig. Andererseits bekommen Frauen in Fabriken für Tätigkeiten, in denen Fingerfertigkeit gefordert ist, keine Zulagen. Das ist eine Ungerechtigkeit, die dringend geändert werden muss", so Eberl.

1.700 Euro Mindestlohn
Eine wichtige Forderung bleibt für beide die Einführung eines kollektivvertraglichen Mindestlohns in Höhe von 1.700 Euro brutto. Gerade in der heutigen Zeit mit rasch steigenden Mieten und Lebenshaltungskosten sei dies längst fällig.
Die in diesem Jahr wirksam gewordene, von der Arbeiterkammer und dem ÖGB hart erkämpfte Steuerreform, habe zwar vielen Frauen geholfen, dennoch können Steuern strukturelle Ungerechtigkeiten nicht gänzlich ausgleichen, erklärt die Hainfelderin Elisabeth Preus.
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