Behindertenhilfe aus Oberösterreich in Bolivien

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KRIP lautet der etwas seltsame Name eines Vereins zur Unterstützung von Indianerschulen und anderen Projekten auf dem amerikanischen Kontinent. Dahinter verbergen sich die prominenten Initialen der Hörschinger Schriftstellerin Käthe Recheis und deren Schulfreundin Irmgard Prestel. Nach dem Tod von Käthe Recheis 2015 lebt Idee und Initiative im Verein weiter. Obmann ist der Hörschinger Andreas Scherney. Seine Partnerin Elisabeth Wittmann hat im Oktober das Behindertenzentrum FASSIV in San Ignacio de Velasco im bolivianischen Tiefland besucht, und hat sich von der hochwertigen Arbeit, die dort geleistet wird, persönlich überzeugen können.

Irmgard Prestel ging 1956 im Alter von  30 Jahren als Lehrerin nach Bolivien, ohne Sprachkenntnisse und sonstige Vorbereitung, aber mit viel Idealismus und Tatkraft. In San Ignacio gründete sie die erste Mädchenmittelschule, eine Berufsschule für Hauswirtschaft einen Kindergarten sowie ein Kinderheim und das Amt für Kinder- und Jugendfürsorge . Für behinderte Kinder gab es damals keine Möglichkeit eine Schule zu besuchen oder sonst gefördert zu werden. Viele Kinder wurden versteckt und eingesperrt, da die Eltern keine Zeit hatten sich um sie zu kümmern. Das führte schließlich 1989 zur Gründung von FASSIV – Fundación de Ayuda Social de San Ignacio de Velasco = Stiftung für Sozialhilfe der Provinz Velasco. Ein Schul- und Ausbildungszentrum für beeinträchtige Kinder und Jugendliche der ärmsten Bevölkerung, hauptsächlich Chiquito-Indianer. Das Zentrum beinhaltet eine Sonderschule, Physiotherapie sowie die Möglichkeit einer Ausbildung in einer geschützen Werkstätte. Lernschwachen Kindern, die eine normale Schule besuchen können, wird in FASSIV Nachhilfeunterreicht erteilt. Auch die Eltern werden intensiv in die Betreuung eingebunden.

„Es ist unglaublich, wie viel Engagement die Eltern zeigen, um ihren behinderten Kindern Möglichkeiten zur Entwicklung zu geben,“ erzählt Elisabeth Wittmann. „Väter fahren ihre Kinder mit dem Motorrad zu FASSIV, damit sie zur Schule gehen können, und Mütter lassen sich von den Physiotherapeutinnen zeigen, mit welchen Übungen sie ihr Kind zu Hause fördern können. Eine Familie ist aus dem Norden nach San Ignacio gezogen, damit der schwer behinderte Sohn FASSIV besuchen kann. „

Auch Treffen zum Erfahrungsaustausch, ähnlich Selbsthilfegruppen, werden regelmäßig in den Dörfern und Stadtteilen veranstaltet.
Darüberhinaus kümmert sich das Zentrum um Behördenwege um zB Behindertenausweise oder Sozialwohnungen zu erhalten. Die ärmsten Familien werden monatlich mit Lebensmittelpaketen unterstützt, die das Land (Departamento Santa Cruz) finanziert. Generell bemüht sich FASSIV sehr immer mehr auf eigenen Beinen zu stehen. Es gibt Feste und Veranstaltungen, bei denen die Produkte aus den Werkstätten verkauft werden, wo aber auch Eltern ihre Waren anbieten können, um das oft karge Einkommen etwas aufzubessern.
Kinder, die in der Physiotherapie betreut werden, bekommen nicht nur diese kostenlos, sondern auch die Fahrtkosten (meist mit dem Motorradtaxi) von FASSIV ersetzt. Auch der Transport zur Schule in einem Kleinbus wird von FASSIV übernommen, wenn die Eltern die Kinder nicht selbst bringen können. Vor allem sind notwendige Operationen für die Familien der Kinder nicht leistbar und könnten ohne Hilfe vom Verein KRIP nicht durchgeführt werden. „Die Finanzierung von plastischen Operationen ist ein Schwerpunkt unseres Vereins,“ erläutert Obmann Andreas Scherney. „Wir kommen für Operations- und Arztkosten auf, die sich Eltern nicht leisten können. Damit wird die Lebenssituation der behinderten Jugendlichen entscheidend verbessert.“ So wie bei der kleinen Daniela, die mit Klumpfüßen geboren wurde und kaum gehen konnte. Nach einer OP und regelmäßiger Physiotherapie kann sie schon kleine Strecken alleine und mit großer Freude bewältigen. In der Nacht trägt sie tapfer ihre Beinschienen-Schuhe.
Irmgard Prestel wurde über 30 Jahre von ihrer berühmten Schulfreundin unterstützt. Käthe Recheis hatte ein hohes soziales Gewissen und nutzte ihre Kontakte, um Spenden für die Projekte, die ihr immer auch Herzensangelegenheit waren, zu sammeln. Sie hat auch dafür gesorgt, dass diese wertvolle Sache nach ihrem Tod weitergeht.
Irmgard Prestel selbst ist im August 2015, nur drei Monate nach Käthe Recheis verstorben. Auf Ihren Wunsch übernahmen die Steyler Missionare die Leitung von FASSIV.
Am Donnerstag, 23. November findet ein Vortrag von Elisabeth Wittmann statt, bei dem sie über die Reise und das Projekt FASSIV berichtet. Beginn: 19 Uhr, Gasthaus Cagitz in 4063 Hörsching, Mühlbachstraße 91.
Wenn Sie den Verein KRIP unterstützen möchten: IBAN: AT35 3417 0000 0001 3920
www.krip.at

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