21.06.2017, 07:56 Uhr

Hepatitis - unterschätzte Gefahr

Die medizinische Sensation

Einer der sensationellsten Erfolge der Medizin im 21. Jahrhundert war die Entwicklung von neuen antiviralen Medikamenten gegen das Hepatitis C Virus. Es ist das erste Mal, dass man eine virusbedingte chronische Erkrankung ausheilen kann. Dies kommt einer Revolution gleich wie die Entdeckung des Penicillins durch Fleming vor 80 Jahren. Es werden 2-3 unterschiedlich wirksame Antivirologika (DAA) kombiniert, die nach 8- bis 12-wöchiger Gabe bei fast allen Patienten zu einer virologischen Heilung führen. Die Medikamente haben praktisch keine Nebenwirkungen.
Seit mehr als drei Jahren sind diese Medikamente für die Therapie der chronischen Hepatitis C zugelassen. Die Entwicklung hat sehr deutlich gemacht, wie die Entwicklung solcher neuen Therapien zu einer Belastung des Sozialsystems führen kann (das beschränkt sich nicht nur auf diese Medikamentengruppe!). Die erste Wirksubstanz – Sofosbuvir – wurde in den USA um US$ 1000.- pro Tablette auf den Markt gebracht (für eine erfolgreiche Therapie sind zumindest 86 Tabletten notwendig). Firmenunabhängige Ökonomen schätzen, dass dieser Preis unverhältnismäßig überhöht war. Dementsprechend ist in vielen Ländern der Welt der Zugang zu dieser Therapie nur für hochausgewählte Patientengruppen – wenn überhaupt - möglich


Ist Zustand in Österreich

Auch in Österreich war es ähnlich. Am Anfang (2013) war der Hauptverband der Versicherungsträger recht zuvorkommend und hat für Patienten mit Leberzirrhose die Therapiekosten übernommen. In der Folge wurden jedoch Hürden bürokratischer Natur aufgebaut, die den Zugang für Patienten mit weniger fortgeschrittenen Lebererkrankungen limitiert hat. Dies vor allem aus Angst vor den überbordenden Kosten, basierend auf falscher Schätzungen der Patientenzahl. Ursprünglich wurde angenommen, dass es in Österreich bis zu 180.000 Infizierte gibt. Mittlerweile wurde diese Zahl auf ca. 20.000 korrigiert. Die österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) hat sich gemeinsam mit der Hepatitishilfe Österreich (HHÖ) an die zuständigen Politiker, Versicherungsmanager und an die Öffentlichkeit gewandt, um allen Betroffenen die Therapie zu ermöglichen, leider stießen wir auf taube Ohren….
Ende 2015 hat man den Kreis der Patienten, für die die Therapiekosten übernommen wurden, auf die Fibrosegrade 2 und 3 erweitert. Das war schon ein Fortschritt, aber noch immer nicht genug, neuerliche Interventionen folgten. Der wirkliche Erfolg stellte sich erst ein, als zwei weitere Firmen ihre Hepatitismedikamente auf den Markt brachten.

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