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09.05.2017, 09:04 Uhr

300 km Brevet Start und Ziel in St. Georgen im Attergau (310 km - 3500 Hm) der Randonneurs Autriche

49 Starter bei traumhaftem Radwetter

49 Rennradler starteten am Samstag, den 6.5.2017 um 07:00 Uhr vor dem Kirchenwirt in St. Georgen im Attergau, um den von Randonneurs Autriche organisierten 300 km Brevet zu absolvieren. Davon starteten die Burgenländerin und einzige weibliche Teilnehmerin Pia Grasich und vier weitere Teilnehmer bereits um 06:00 Uhr.
Nicht nur die hervorragenden Wetterbedingungen, sondern auch die Streckenführung durch schöne Landschaftsteile von Oberösterreich, Salzburg, Bayern, Tirol und schließlich wieder Oberösterreich, erfreute alle Teilnehmer. Es waren auch 3 Kontrollstellen vorgegeben, an denen jeder seine Brevetkarte zum Streckennachweis abstempeln musste. Es sind ja dieses Jahr wieder sehr viele Neulinge am Start, die bei den bereits absolvierten 200 und 300 km Brevets mit Startort Haid/Ansfelden Blut geleckt haben und höhere Distanzen anstreben.

Bei diesem Brevet war ich nicht nur als Organisator sondern auch als aktiver Teilnehmer in einer kleineren Gruppe unterwegs. Gleich nach meinem Startzeichen gaben viele der Starter Vollgas, als würde es hier lediglich um einen Sprint um den Häuserblock gehen. Doch die meisten von ihnen sind schon erprobte Langstreckenspezialisten und können auch auf Distanzen von 300 km und mehr ein sehr hohes Tempo durchhalten. Doch sie geben nicht nur auf der Strecke ihr Bestes, sondern wollen auch bei den Kontrollstelle keinen Zeitverlust einheimsen. Leider geht's dann an den jeweiligen Kontrollstellen bei den Schnellen sehr stressig zu. Denn keiner will den Anschluss verlieren und doch mit den Ersten in das Ziel kommen, auch wenn es um keine Podestplätze bzw Platzierungen geht.
Beispielsweise war die Erstankommende 4 Mann Gruppe mit Thomas Stindl, Christian Gammer, Lukas Kienreich und Alexander Pillinger nach 310 km bereits im Ziel, während ich mich mit Gerhard Lindner und Leo Schachinger bei km 200 gerade bei Dienten über den Sattel plagten. Natürlich sind wir nicht unbedingt langsame oder sehr viel schlechtere Radfahrer, doch "Genussradler" brauchen halt mal länger.

km 71, 1. Kontrollstelle OMV-Tankstelle Teisendorf



Die Strecke führte abseits von Hauptverkehrswegen über Weißenkirchen, Hüttenedt, Hochfeld und Schwand nach Straßwalchen. Bereits nach drei Kilometern trennte sich auf dem kurzen Anstieg nach Weißenkirchen die Spreu vom Weizen. Durch unterschiedliche Geschwindigkeiten aber auch pannenbedingt bildeten sich mehrere kleinere Gruppen. Beispielsweis hörte ich davon, dass unser "Patschn-Stephan" gleich am Anfang des Brevets drei Schläuche vernichtete und dadurch eine eigene Gruppe mit seinen Paris-Brest-Paris Weggefährten Roland und Harald Uchann, sowie Wilhelm Feichtinger und Thomas Lippert bildete.
Über Steinfeld, vorbei am Mattsee sowie Obertrumersee, dem Schlößl Anstieg und Oberndorf (für Stille Nacht singen blieb keine Zeit), gelangten wir bei km 54 über die Salzbachbrücke nach Laufen. Somit waren wir auf deutschem Hoheitsgebiet in Bayern. 17 Kilometer später war es soweit und die erste Kontrollstelle in Teisendorf tauchte auf. Der Tankstellenpächter war sehr zuvorkommend und gab mir im Vorfeld der Organisation zu verstehen, dass wir herzlich willkommen seien. Auch das Personal war bei unserer Ankunft sehr freundlich, auch wenn viele von uns nur um den Stempel für die Brevetkarte ersuchten. Wenn nun jemand meinte, hier würde Pause gemacht oder gar ausgerastet, der irrte. Nein, dazu war keine Zeit. Die Schnelleren hatten zu diesem Zeitpunkt bereits 40 Minuten Vorsprung. Natürlich begrenzte sich ihre Aufenthaltszeit auf maximal 3 Minuten.

km 146, 2. Kontrollstelle Seerestaurant Blattl Pillersee



Ich befand mich in einer 9 Mann Gruppe. Irgendwann auf der Fahrt nach Ruhpolding bemerkte ich, dass uns ja ein Teilnehmer abhanden gekommen war. Erst nach mehreren Telefonaten und einigem Zeitverlust kam es wieder zu einem Zusammenschluss. Es hatte allerdings zur Folge, dass von dieser 9 Mann Gruppe nur mehr 5 Mann gemeinsam nach einem zusätzlichen Umweg am Pillersee eintrafen und hinter uns nur mehr der Einzelkämpfer Kurt Krenhuber war. Auf dem Weg dahin passierten wir die bekannten Touristenorte Ruhpolding und Reith im Winkl, wo wir schließlich wieder nach Österreich (Tirol) kamen.
Bei unserer Ankunft beim Pillersee brachen gerade einige Teilnehmer zur Weiterfahrt auf. Natürlich war für uns "Fünf" eine beschlossene Sache im Restaurant einzukehren. Eine Rindsuppe mit einer großen Brezen, ein Leberkässemmerl sowie ein alkoholfreies Weizenbier war für die Meisten von uns die Bestellung. Wir genossen den Aufenthalt und hatten auch noch Zeit für ein Foto.

km 244, 3. Kontrollstelle Shell-Tankstelle in Kuchl



Jetzt nach der Stärkung stand uns der schwierigste Teil des Brevets bevor. Doch zuerst ging es noch ein bischen moderat über Hochfilzen, Leogang, Saalfelden und Maria Alm dahin. Der Filzensattel (1.290 Hm) und der Dientner Sattel (1.370 Hm) waren folglich die Räuber unserer Kräfte. Bergauf setzten sich Johannes Marchtrenker und Markus Minihold von uns ab und sie wurden erst im Ziel wieder gesehen. Allerdings kamen sie nach uns an, weil ihnen die vorgegebene Strecke zu kurz war, machten sie auf der Schlussetappe irrtümlicherweise noch einen Abstecher zum Attersee.

Nach dem Dientner Sattel ging es dann über Mühlbach am Hochkönig hurtig hinab nach Bischofshofen. Da trafen wir auf Bernhard Em, der folglich mit uns weiter fuhr. Bis zur Kontrollstelle in Kuchl und der Labung im Tankstellshop verlief alles reibunslos. Beim Wegfahren kam gerade der Burgenländer Rudi Hörmann des Weges. Er sah nicht mehr so frisch aus, wollte jedoch zuerst eine Pause machen und sein eigenes Tempo für die letzte Etappe fahren.

km 310 Ziel St. Georgen im Attergau


In Hallein bogen wir in das Wiesthal ein und schön langsam verschwand die Sonne im Osten und wir schalteten unsere Lichter ein. Über Eisenwang und Thallgau kamen wir folglich nach Mondsee. Jetzt war es nicht mehr weit, der letzte "Schmierer" in Oberwang war auch schon Nebensache. Gerhard Linder, der uns die meiste Zeit zog, forderte mich auf die Ehre zu übernehmen und die kleine, feine Gruppe in den Ort St. Georgen und zum Kirchenwirt zu führen. Doch wir kamen unbeachtet, aber freudig an und Strapazen der Tour waren sofort vergessen. 21.50 Uhr schlug die Uhr vor dem Eingang des Kirchenwirtes. Wir benötigten 14 Stunden und 50 Minuten für diesen Brevet und nur mehr 4 Teilnehmer waren hinter uns. Aber wen juckt die Zeit, die ist ja völlig nebensächlich, hat man doch nach den internationalen Brevetregeln 20 Stunden für einen 300er zur Verfügung. Brevetmuttes Edith machte von uns wie schon vorher von allen Ankommenden ein Finisherfoto.
Somit zählten auch wir uns zu den 47 Siegern dieses Brevets. Den nicht nur der Österreicher Lukas Pöstlberger war an diesem Wochenende Sieger bei der ersten Giro-Etappe, sondern auch 47 Österreicher aus verschiedenen Bundesländern waren Sieger, indem sie den 300 km Brevet mit Start- und Zielort Georgen im Attergau erfolgreich finishten.

Ja, wir haben so einiges erlebt bei diesem Brevet. Doch es würde zu ausführlich werden, wenn ich hier alles wiedergeben möchte. Nur schnell noch eine kurzes Erlebnis. Bergauf den Filzensattel und den Dientensattel fahrend, hatte ich immer wieder einen Radfahrer mit Mountainbike abwechseln vor und hinter mir. Als er mich aber einmal bergauf sein Radl schneller schiebend als ich radelnd überholte, wurde es mir zu bunt. Ich biss ob meiner Knieschmerzen die Zähne zusammen, stieg wieder aufs Rennrad und überholte ihn abermals. Im Vorbeifahren sagte ich zu ihm spaßhalber:"Wenn Du mich noch einmal dein Radl schiebend überholst, kriegst a Watschn!" Geraume Zeit musste auch ich mal mein Rennrad schieben. Dabei fuhr der Mountainbiker an mir vorbei. Dabei sagte er lachend:" Aber fahrend darf ich dich schon ohne Watschn überholen?"

Irgendwann war das Wechselspiel des gegenseitigen Überholens vorüber. Denn spätestens bergab nach Mühlbach war das Rennrad doch das schnellere Fortbewegungsmittel.

2 Teilnehmer mussten den Brevet leider abbrechen. Doch immerhin 47 Finisher ist sehr beachtlich. Herzliche Gratulation den Finishern.
Am 13. Mai 2017 wird die Brevetserie mit dem 400 km Brevet Start- und Zielort Haid/Ansfelden fortgesetzt. Bereits 48 Teilnehmer sind gemeldet.

Links zum Streckenverlauf:
http://www.gpsies.com/map.do?fileId=suwqlrbepeqage...
Homephttps://www.facebook.com/Josef.Jeff.H/videos/10210...

Homepage Ferdinand Jung - www.randonneurs-austria.at
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