Handbuch
Die Wohnmodelle der Zukunft

Wie werden junge Menschen in Zukunft wohnen, und wie werden ihre Häuser und Wohnungen mit Energie versorgt?
  • Wie werden junge Menschen in Zukunft wohnen, und wie werden ihre Häuser und Wohnungen mit Energie versorgt?
  • Foto: ÖkoFen
  • hochgeladen von Lisa-Maria Langhofer

OÖ. Wie werden und wollen junge Menschen in Zukunft wohnen? Diese Frage stellte sich die Oö. Zukunftsakademie und gab die Erarbeitung eines Handbuchs in Auftrag. "Modernes Leben und Wohnen" enthält 21 plakative Wohnmodelle für junge Erwachsene im ländlichen Raum, die als Anregung und Inspiration dienen sollen. Umgesetzt wurde das Handbuch von der Kunstuniversität Linz, Abteilung "Die Architektur" und in Kooperation mit der Regionalmanagement OÖ GmbH und der SPES Zukunftsakademie. Stellvertretend für die 21 Modelle sollen hier folgende drei vorgestellt werden: Junges Wohnen, Modulhäuser und Co-Housing.

Start-Förderungen und Junges Wohnen

Die erste Wohnung ist für viele etwas Besonderes. Junge Menschen zwischen 18 und 20 Jahren starten oft in eine Ausbildung oder ein Studium, wünschen sich Unabhängigkeit von den Eltern oder ziehen mit dem Partner zusammen. Gründe für den Auszug gibt es viele, und so muss die Startwohnung auch verschiedene Kriterien erfüllen: Sie soll zum einen rasch verfügbar, günstig und an die Bedürfnisse junger Menschen angepasst sein. Zum anderen sind individuelle Förderungen und attraktive Finanzierungsmöglichkeiten ein Thema.

In Schwertberg gibt es die Möglichkeit einer einer rückzahlbaren Vorfinanzierung der Wohnungskaution bis zu 3.500 Euro, und ab dem zweiten Jahr nach Wohnungsbezug eine zinsfreie Rückzahlung in vier gleichen Wohnungsraten. Die WSG bietet zudem im Rahmen eines Pilotprojektes ein Modell zur Reduzierung der Nettomiete um 50 Prozent für drei Jahre an. Die Förderung kann von 18- bis 35-Jährigen beantragt werden, wobei Familien mit Kinder vorgereiht werden.

Finanzierungsmöglichkeiten wie diese senken für junge Menschen die Hemmschwelle für die Anschaffung einer ersten eigenen Wohnung. Das Projekt "Junges Wohnen"ist seit einiger Zeit auch in Oberösterreich angelaufen, zum Beispiel in Linz oder Kleinzell. Durch attraktive Mietzins-Unterstützungen locken Städte seit langem junge Menschen an, die ländlichen Regionen wollen gleichziehen und bieten dafür etwa Beihilfen zu Semestertickets. In Oberösterreich fördert außerdem das Programm "Mietwohnungen für junge Menschen" den Neubau von Ein- und Zweiraumwohnungen.

Modulhäuser: Höchste Flexibilität

Ein Single möchte ein eigenes Haus haben, hat aber noch nicht genug Geld gespart dafür. Deshalb will er nicht an einem festen Ort bauen, sondern ein Haus haben, mit dem er örtlich flexibel bleibt. Die Lösung: Ein Modulhaus. Unter einem Modulhaus, auch Container genannt, versteht man eine flexible Wohneinheit, die aus einzelnen vorgefertigten Bauelementen besteht. Diese werden seriell und in Holzbauweise produziert, haben eine kurze Montagezeit und können an einem Ort abgebaut und an einem anderen wieder aufgebaut werden. Dadurch ensteht eine hohe Flexibilität, sowohl was den Standort als auch die Nutzungsmöglichkeiten betrifft. Die Wohnmodule können als Einzel-, Klein- und Familienwohnungen verwendet oder sogar zu mehrgeschossigen Häusern mit gemeinschaftlich genutzten Räumen zusammengestellt werden.

Besonders geeignet sind Modulhäuser für Menschen, die mit ihrem Wohnort nicht sehr stark verwurzelt sind und daher örtlich flexibel sein möchten. In der Lebensphase zwischen 20 und 35 sind die jungen Erwachsenen häufigen, spontanen Änderungen unterworfen, weshalb sie eine Unterkunft benötigen, die eine gewisse Unverbindlichkeit bietet. Ein oberösterreichisches Beispiel ist das "Allquartier"-Projekt von den Architekten Roland Gnaiger und Marcus Brückner von der Kunstuniversität Linz.

Co-Housing, der Wohntrend aus Dänemark

Co-Housing eignet sich als Zuzugsmodell für eher strukturschwache Gegenden, für Gemeinden in der ländlichen Peripherie etwa. Die ursprüngliche Idee dieses Wohmodells stammt aus Dänemark. Darunter versteht man grundsätzlich private Wohungen oder Häuser, die durch umfangreiche Gemeinschaftseinrichtungen ergänzt werden. Besonders groß geschrieben wird hier das Beteiligungsprinzip, weshalb es häufig Familien und Menschen mit hohem ökologischen Bewusstsein anzieht.

Architektonisch sind die Wohnungen oder Häuser so angeordnet, dass die Kommunikation zwischen den Nachbarn erleichtert wird, ohne eine Interaktion zu erzwingen. Co-Housing bietet neben einem sozialen, nachhaltigen Lebensstil - wie zum Beispiel Carsharing, Einkaufsgemeinschaften, gemeinsames Garteln - noch andere Vorteile. Singles bleiben selbstständig, haben aber trotzdem ausreichend Kommunikationsmöglichkeiten mit anderen. Familien können Synergien bilden hinsichtlich Kinderbetreuung, Gartennutzung und so weiter. Für alle bietet Co-Housing ein leistbares, kommunikatives Wohnen mit gegenseitiger Unterstützung bei Bedarf.

Umgesetzt wird Co-Housing bereits in Oberwölbing in Niederösterreich, das südlich der Donau zwischen Melk und Krems liegt. In Oberösterreich erfolgte  im Herbst 2015 die Gründung des Vereins COOHEIM, der derzeit in Ottensheim nach einem geeigneten Grundstück zum generationenübergreifenden Wohnen sucht.

Den gesamten Katalog über die verschiedenen Wohnmodelle gibt es auf ooe-zukunftsakademie.at

Die Frage der Energiegewinnung

Nicht nur die Art und Weise, wie die Menschen in Zukunft wohnen werden, wird in Expertenkreisen diskutiert, sondern auch, wie der Strom in die jeweiligen Häuser oder Wohnungen kommt. Die Vision eines stromautarken Hauses, das seinen gesamten Energiebedarf selbst erzeugt, hat das Unternehmen ÖkoFen aus Niederkappel in Kooperation mit Fronius aus Pettenbach umgesetzt. Bis dahin war es nur möglich, mit einer Photovoltaikanlage etwa 30 Prozent des Eigenstrombedarfs selbst zu erzeugen. Ein zusätzlicher Stromspeicher erhöht den Anteil auf 70 Prozent. Drei Komponenten sind nötig, um die Zeitunterschiede zwischen Stromerzeugung und -verbrauch zu überbrücken, wie die ÖkoFen-Geschäftsführer Herbert und Stefan Ortner berichten: „Die intelligente Vernetzung von einer Pelletsheizung mit Stirlingmotor von ÖkoFen, einer Fotovoltaikanlage und der Speicherlösung Fronius Energy Package bietet die einzigartige Möglichkeit, 100 Prozent des Wärme- und Strombedarfs im Eigenheim selbst zu erzeugen“. Ein Einfamilienhaus in Lembach gehörte zu den ersten Gebäuden, in denen das innovative System installiert und erfolgreich getestet wurde.

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