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Essstörungen
Fang doch einfach wieder normal zu Essen an! – Hilfe bei Bulimie und Anorexie

  • Foto: Bild von Thought Catalog auf Unsplash
  • hochgeladen von Tanja Binder

Gerade bei Essstörungen ist es wichtig diese früh zu erkennen, da es sich um schwere Erkrankungen handelt, welche zur Chronifizierung neigen. Bulimie und Anorexie beginnen häufig im Jugendalter. Betroffen sind Mädchen und Frauen ungleichermaßen häufiger, als Jungen und Männer. Die soziale Umwelt ist oft überfordert mit der Erkrankung und reagiert aus der Sicht der Betroffenen mit wenig Empathie. Doch Essstörungen sind ein Ausdruck tief liegender seelischer Probleme. Helfen kann nur eine frühzeitige Behandlung.

Im Gespräch mit Elisabeth Fölser, BSc, Psychotherapeutin in Linz, erfahren wir mehr über die Begleitung von Erwachsenen mit Essstörungen.

Tanja Binder: Fr. Fölser, bitte sagen Sie uns, was sind Essstörungen?

Elisabeth Fölser: Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Anorexie (Magersucht), Bulimie (Ess-Brech-Sucht), Binge-Eating-Störung (Essattacken ohne gewichtsregulierende Gegenmaßnahmen) und Adipositas (Fettleibigkeit), wobei die Übergänge zwischen den einzelnen Krankheitsformen fließend sein können und unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.

Zentrales Merkmal aller Essstörungen ist die Beschäftigung der Betroffenen mit dem Thema Essen und Gewicht. Bei der Anorexie und der Bulimie versuchen die Betroffenen etwa durch Essen und Erbrechen, Hungern, Medikamenteneinnahme oder vermehrter Bewegung auf ihr Essverhalten und ihr Gewicht Einfluss zu nehmen. Ob es sich hier um eine Anorexie oder eine Bulimie handelt entscheidet das Körpergewicht. Bei einem BMI (Body Mass Index) von unter 17,5 Prozent spricht man von einer Anorexie. Liegt der Body Mass Index über 17,5 Prozent handelt es sich um eine Bulimie.

Bei der Anorexie kann auch eine restriktive Form der Erkrankung auftreten. Die Betroffenen leiden hier nicht unter Essanfällen und versuchen nicht durch gegensteuernde Maßnahmen, wie etwa durch Einnahme von Abführmitteln, ihr Gewicht zu regulieren. Bei dieser Form der Anorexie versuchen die Betroffenen ihr Körpergewicht durch eine sehr verminderte Nahrungsaufnahme zu steuern.

Tanja Binder: Woran erkenne ich, dass eine Person unter einer Anorexie oder einer Bulimie leidet?

Elisabeth Fölser: Einschränkung der Kalorinzufuhr, Essanfälle und gegensteuerndes Verhalten sind bei diesen Formen der Essstörungen zentral. Hinweise auf die Erkrankung zeigen sich demzufolge auf der Verhaltensebene und im äußeren Erscheinungsbild, etwa durch starken Gewichtsverlust oder Gewichtszunahme.

Auf Verhaltensebene gibt es Hinweise auf eine Essstörung, etwa durch das Betreiben von übermäßigem Sport, verwenden von Abführmitteln, Erbrechen oder das Vermeiden von gemeinsamen Mahlzeiten. Auch spezielle Essgewohnheiten, etwa sehr verlangsamtes Essen oder sehr hastiges Essen oder stark ritualisiertes Essverhalten können auf eine Essstörung hindeuten. Ebenso kann einseitiges Essverhalten, etwa das Essen von großen Mengen sehr kalorienreduzierter Nahrungsmittel oder das Essen von kleinen Mengen kalorienreduzierter Nahrungsmittel verbunden mit dem Weglassen von fettreichen und kohlenhydratreichen Nahrungsmittel, Diäten oder Einschränkung der Nahrungsmittelgruppen aufgrund vermuteter Nahrungsunverträglichkeiten Ausdruck der Erkrankungen sein. Genauso können sich die Erkrankungen in der übermäßigen Zufuhr von Nahrungsmittel oder dem übermäßig viel Trinken von kalorienarmen Getränkenzeigen zeigen.

Die angeführten Hinweise sind unvollständig, Essstörungen drücken sich bei den Betroffenen oft sehr individuell aus.

Tanja Binder: Wer sind die Betroffenen?

Elisabeth Fölser: Bulimie und Anorexie treffen Mädchen und Frauen ungleich häufiger, als Jungen und Männer. Bei der Anorexie liegt das Geschlechterverhältnis bei 10:1, bei der Bulimie bei 20:1. Beide Erkrankungen beginnen im Jugendalter. Statistisch betrachtet beginnt die Anorexie meist im Alter zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr. Die Erkrankung der Bulimie tritt, laut statischen Auswertungen, erst später auf, meist erst im Alter von 17 oder 18 Jahren. Grundsätzlich ist die Bulimie eine Erkrankung, welche häufiger vorkommt, als die Anorexie.

Wenn Menschen unter einer Essstörung leiden, wirkt sich das in der Regel auf ihre sozialen Beziehungen aus, da sie versuchen ihre Erkrankung zu verbergen. Aus den Schilderungen von Patient*innen weiß ich, dass es Ihnen oft jahrelang gelungen ist, ihre Erkrankung vor Partner*innen, Familienangehörigen und Freunden zu verbergen. Depressionen, Einsamkeit, Scham und das meistern von schwierigen sozialen Situationen kommen bei diesen Erkrankungen in der Regel erschwerend hinzu.

Tanja Binder: Was sind die Ziele einer Therapie?

Elisabeth Fölser: Neben der Normalisierung des Essverhaltens und des Gewichtes ist es für die Betroffenen von Bedeutung, eine positive und nährende Beziehung zu sich und zum eigenen Körper aufzubauen, mit dem Ziel, dass der eigene Körper nicht weiterhin Austragungsort für Konflikte und Spannungen bleibt. Weitere zentrale Themen in der psychotherapeutischen Begleitung von Menschen mit Essstörungen sind das Beziehungserleben, die Selbstwahrnehmung, der Umgang mit Gefühlen und das Bedürfnis nach Selbstbestimmung.

Tanja Binder: Wo können Betroffene und Angehörige Rat und Hilfe suchen?

Elisabeth Fölser: Für die Betroffenen hat die Essstörung in der Regel eine hohe Bedeutung, da die Erkrankung unter anderem identitätsstiftend wirkt, den Selbstwert stärkt, ein Gefühl von Autonomie bewirkt oder hilft, die eigenen Emotionen zu regulieren. Die Betroffenen haben oft Angst, von für sie negativen Gefühlen überschwemmt zu werden. Daher stehen die Betroffenen einer Veränderung meist ambivalent gegenüber bzw. wirkt sich diese emotionale Verknüpfung meist negativ auf die Einsicht, an einer ernst zu nehmenden Erkrankung zu leiden, aus.

Nur durch die Aufmerksamkeit und Unterstützung der Betroffenen durch Familie, Freunde, Lehrer, usw. kann die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt werden. Das verbessert die Heilungschancen.

Tanja Binder: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Anlaufstelle für Menschen mit Essstörungen:
Das Multidisziplinäre Versorgungszentrum für Menschen mit Essstörungen und deren Angehörige (MVZ) am Kepler Universitätsklinikum in Linz bietet ambulante Behandlung für Betroffene und deren Angehörige an. Die Vernetzung mit niedergelassenen Psychotherapeut*innen und Professionist*innen, mit dem Schwerpunkt Essstörungen, ist Teil des Behandlungskonzeptes.

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