180 neue Medizin-Studierende für Linz

Anatomische Kenntnisse werden an der JKU mit modernsten Methoden vermittelt, etwa am virtuellen Seziertisch "Anatomage".
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  • Anatomische Kenntnisse werden an der JKU mit modernsten Methoden vermittelt, etwa am virtuellen Seziertisch "Anatomage".
  • Foto: Credit Anatomage Inc./Universität Heidelberg
  • hochgeladen von Nina Meißl

Mit einem Plus von 81,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr bei den Bewerbern war der Andrang zum Medizinstudium in Linz heuer enorm. 1.269 Interessenten traten dann tatsächlich zur Prüfung an. 180 von ihnen werden ab Herbst das Studium an der JKU beginnen können. Bisher wurden nur 120 Plätze angeboten. "Das Auswahlverfahren war heuer noch kompetitiver als in den Vorjahren. Zwar gab es mehr Studienplätze, aber dafür auch ungleich viel mehr Bewerber", sagt JKU-Vizerektor Andreas Janko.

Großteil aus OÖ

Die Mehrzahl der Studierenden (44,4 Prozent) stammt aus Oberösterreich. "Die Oberösterreicher waren bei den Testergebnissen im Spitzenfeld. Die Erst- und die Drittplatzierte stammen aus unserem Bundesland", freut sich Janko. Der höchste Anteil an Auslandsstudierenden entfällt wie üblich auf Deutschland (25,6 Prozent). Jeweils ein Studierender stammt aus Afghanistan und Mexiko, einen türkischen Pass haben zwei Frauen und ein Mann. Bis auf eine Ausnahme haben jedoch alle ein österreichisches Maturazeugnis. Schon zur Prüfung waren mehr Frauen als Männer angetreten. Das schlägt sich auch bei den Studierenden nieder. Von den 180 Studienanfängern sind 96 weiblich und 84 männlich.

Neue Grundlagen-Ausbildung in Linz

Zusätzlich zur Aufstockung der Studienplätze gibt es heuer eine weitere Neuerung im JKU-Studium Humanmedizin. Zum ersten Mal werden ab Herbst 60 Studierende ihre Ausbildung komplett an der Johannes Kepler Universität in Linz absolvieren können. Der Rest verbringt die ersten vier Semester an der Partneruniversität in Graz. Diese Aufteilung soll auch im Vollausbau, wenn jährlich 300 Studierende neu dazukommen, erhalten bleiben. "In Graz gibt es freie Kapazitäten in der grundlagenmedizinischen Ausbildung. Es war eine Bedingung für das Medizinstudium in Linz, dass diese Kapazitäten nicht brach liegen dürfen", erklärt JKU-Rektor Meinhard Lukas. Die Freude darüber, dass nun trotzdem eine medizinische Grundausbildung in Linz möglich ist, ist daher groß.

"Linzer Weg" im Medizinstudium

Dafür hat man sich an der Johannes Kepler Uni viel vorgenommen: "Wir wollen Vorreiter in Österreich sein", so Lukas. Der innovative Studienplan wurde in enger Abstimmung mit internationalen Experten, etwa von der Berliner Charité und der Ruhr-Universität Bochum, entwickelt. "In der medizinischen Didaktik ist Deutschland ganz weit vorne, und wir wollten uns bei der Neugründung nur an den besten orientieren. Zudem ist vor allem im Universitätswesen eine internationale Ausrichtung besonders wichtig", sagt der JKU-Rektor. Kennzeichnend für den "neuen Linzer Weg" seien etwa der starke Praxisbezug, die frühe Vermittlung von ärztlichen Fähigkeiten, die Einbindung von Allgemeinmedizinern von Anfang an und der Schwerpunkt auf die Altersforschung. Zudem rückt das Linzer Studium verstärkt Organsysteme und Themenkomplexe in den Blick. Menschen und ihre Erkrankungen werden nicht rein als Pathologie und Dysfunktion der Organe gesehen, sondern ganzheitlich, als Ergebnis biopsychosozialer Einflüsse.

Innovativer Anatomie-Unterricht

Völlig neu aufgesetzt wird auch der Anatomie-Unterricht. Der klassische Präparierkurs, in dem die Studierenden durch das eigenhändige Präparieren von Leichen die Details des menschlichen Körpers kennenlernen, findet in Graz statt. Der weitere Anatomieunterricht in Linz nutzt modernste technische Möglichkeiten. "Das Alleinstellungsmerkmal der JKU ist, dass wir hervorragend in der Informatik und Bildgebung sind. Ein Schwerpunkt auf virtuelle Anatomie war daher naheliegend", sagt Lukas. Die Studierenden werden etwa mit hochmodernen virtuellen Seziertischen arbeiten, die an der Universität Stanford entwickelt wurden. Mit einem Touch Screen im Maßstab 1:1 in der Form eines Operationstisches wird Anatomie zum interaktiven Erlebnis. Aufgebaut werden soll auch eine virtuelle Anatomie Linzer Prägung. Umgesetzt wird das Projekt mit Franz Fellner, Leiter des Zentralen Radiologischen Instituts am Kepler Universitätsklinikum, und dem Ars Electronica Center. Die Technik, die dabei zum Einsatz kommt, war für den diesjährigen Deutschen Zukunftspreis nominiert. Die innovativen fotorealistischen 3D-Abbildungen erlauben es, Schicht für Schicht den ganzen Körper darzustellen.

Anatomische Kenntnisse werden an der JKU mit modernsten Methoden vermittelt, etwa am virtuellen Seziertisch "Anatomage".
Vizerektor Andreas Janko, Rektor Meinhard Lukas und Vizerektorin Andrea Olschewski (v. l.) präsentierten die Details zum neuen grundlagenmedizinischen Studium in Linz.

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