BRG Fadingerstraße
Debatte um Hitler-Graffiti – jüdische Gemeinde fordert Entfernung

Das Schulfoto zeigt links unten angeblich den Philosophen Ludwig Wittgenstein und rechts oben den jungen Adolf Hitler als Schüler des Fadingergymnasiums.
  • Das Schulfoto zeigt links unten angeblich den Philosophen Ludwig Wittgenstein und rechts oben den jungen Adolf Hitler als Schüler des Fadingergymnasiums.
  • Foto: BRS/Diabl
  • hochgeladen von Christian Diabl

Darf man ein modifiziertes Hitler-Foto direkt gegenüber der Linzer Synagoge auf eine Wand sprühen? Nein, sagt die jüdische Gemeinde und fordert die Entfernung des Kunstwerks. Aus der Diskussion darüber könnte aber mehr entstehen.  

LINZ. Ein großflächiges Graffiti auf einer Wand des Linzer Fadinger-Gymnasiums sorgt für Diskussionen. Es zeigt einen Ausschnitt jenes Schulfotos, auf dem unter anderen die Schüler Adolf Hitler und Ludwig Wittgenstein zu sehen sind. Ob es sich dabei wirklich um den berühmten Philosophen handelt, ist jedoch umstritten. Bis auf den vermeintlichen Wittgenstein sind alle anderen Gesichter von Emojis überdeckt, im Falle von Hitler ist es ein grinsender Teufel. Ausgedacht und umgesetzt hat das Graffiti der Linzer Künstler Erich Willner, besser bekannt als "Shed". Es ist in Kooperation mit der Tabakfabrik und der Schule entstanden.* 


Jüdische Gemeinde fordert Entfernung

Was der Künstler nicht bedacht hat: Genau gegenüber ist die Linzer Synagoge und dort war man alles andere als erfreut, als man das Graffiti am Abend vor dem jüdischen Neujahrsfest entdeckt hat. Der Grund: Wenn man aus der Synagoge kommt, grinst einem das Teufelchen über dem Hitler-Foto direkt ins Gesicht. Als "sehr unüberlegt" bezeichnet deshalb die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz, Charlotte Herman, das Werk. Zwar könne man über Kunst streiten, die Wahl des Ortes sei aber "total danebengegangen". Böse Absicht will Herman zwar nicht unterstellen, trotzdem fordert sie die Entfernung des Graffitis noch vor Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag am 27. September.


„Wollte Diskussion anstoßen“

Der Künstler selbst findet es schade, dass sich die jüdische Gemeinde gestört fühlt und will jetzt das Gespräch mit Herman suchen. Die Wand wurde deshalb ausgewählt, weil es ja von der Straße aus sichtbar sein sollte. Er wollte ein Bewusstsein dafür schaffen, wer da in die Schule gegangen ist und eine Diskussion unter den Schülern und Lehrern anstoßen. „Wir müssen uns mit der Geschichte unseres Landes auseinandersetzen“, sagt auch die Direktorin des BRG Fadingerstraße, Sylvia Bäck. Dieses Mural könne ein Anstoß dafür sein. Sie könne sich aber auch vorstellen, dass im Zuge dieser Auseinandersetzung etwas daran verändert wird. Jedenfalls sei das Graffiti von der Bildungsdirektion und dem Eigentümer, der Bundesimmobiliengesellschaft, genehmigt worden.


Chance für tiefergehende Auseinandersetzung

„In die Freiheit der Kunst mische ich mich nicht ein“, sagt Tabakfabrik-Direktor Chris Müller. Zwar sei das Motiv nicht sein Favorit gewesen, aber es ziele auf Kinder und ihre Sprach- und Bildwelt ab. Die wichtigste Frage sei, wie man jetzt damit umgehe. Müller sieht die Chance für eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und ihrer Darstellung. „Wenn man jetzt ernsthaft darüber redet, dann ist nichts verloren“, so Müller. Ein Ergebnis könne auch sein, dass man etwas ergänzen muss. Ursprünglich sei geplant gewesen, das Motiv gemeinsam mit den Schülern und dem Künstler zu erarbeiten, aber das habe die Corona-Krise verhindert.

*In einer früheren Version des Artikels wurde das Mural als Teil der Ausstellung Graffitis&Bananas bezeichnet. Das war ein Missverständnis und wurde ausgebessert.

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