Linza G'schichten
Die Boten ohne Herren

Auch schwere Lasten können problemlos, umweltfreundlich und günstig mit dem Rad transportiert werden.
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  • Auch schwere Lasten können problemlos, umweltfreundlich und günstig mit dem Rad transportiert werden.
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Vor einem Jahr haben sich Linzer Radboten zusammengeschlossen und eine eigene Firma gegründet.

LINZ. "Wir fahren alle gerne Rad und das wollten wir auch zum Beruf machen", sagt Gerd Huber beim StadtRundschau-Besuch in der Tempo-Zentrale. Der kleine Stützpunkt versprüht einen Charme irgendwo zwischen Start-up und Bastler-Werkstatt: Eher spartanisch eingerichtet, mit einer Reihe von Spinden, die schwer nach körperlicher Arbeit aussehen. Von hier schwärmen die Radboten aus und liefern Kleines und Großes, Wichtiges, Zerbrechliches und meist Eiliges in alle Ecken von Linz und sogar bis Ansfelden oder Traun. Wind und Wetter spielen dabei keine Rolle. Auch die noch immer dürftige Radinfrastruktur in Linz kann die sieben Tempo-Mitarbeiter nicht abschrecken. Sie alle teilen die Leidenschaft fürs Radfahren.

Kollegial im Kollektiv

Geteilt werden auch die Einkünfte – je nach Arbeitsstunden. Chef gibt es keinen, denn vor einem Jahr haben sich die Radboten zu einer Offenen Gesellschaft (OG) zusammengeschlossen. Davor waren sie als freie Dienstnehmer für ein anderes Unternehmen unterwegs. Heute sind sie Teilhaber von Tempo. "Jetzt können wir die Firma selbst gestalten und Entscheidungen gemeinsam treffen", sagt Huber. Alle zwei Wochen gibt es ein Plenum, wo jeder dasselbe Mitspracherecht hat. Mehr noch: Es herrscht Konsensprinzip, das bedeutet, alle müssen mit einer Entscheidung einverstanden sein. "Das ist zwar anstrengend, hat aber bis jetzt immer funktioniert."

Professioneller Betrieb

Mit jugendlicher Spinnerei hat das aber nichts zu tun. Den Jungunternehmern geht es darum, eine professionelle Firma aufzubauen, weg vom Studenten-Image, das Fahrradbotendiensten fälschlicherweise immer noch anhaftet. "Wir wollen ein Geschäftsmodell entwickeln und hatten den Eindruck, dass das mit dem früheren Chef nicht gegangen wäre", sagt Huber. "Um wirklich davon leben zu können, müsste man allerdings vier, fünf Tage voll durchfahren." Das mache derzeit nur einer von ihnen, "ein richtiger Sportler".

"Ich werde nicht reich"

Für die anderen ist der Botendienst ein Teilzeitjob, neben dem Studium oder einem Zweitjob. Huber etwa arbeitet auch in der Fahrradwerkstatt “Zum rostigen Esel”, die ebenfalls als Kollektiv organisiert ist. "Mir geht es supergut. Ich werde nicht reich werden, kann aber mein Leben bestreiten", sagt er. Zwei Tage arbeitet er im "Esel", drei Tage bei Tempo – oder umgekehrt. Irgendwer ist immer in Bereitschaft. Ruft ein Kunde an, sind die Radboten in weniger als einer Stunde da, meist deutlich kürzer. Viele sind Stammkunden, Druckereien, Buchhandlungen, Kanzleien oder Steuerberater. Sogar Gewebe- oder Blutproben gelangen per Rad an ihr Ziel.

Keine Angst vor Drohnen

Der Vorteil liegt auf der Hand: Fahrräder sind unkomplizierter, günstiger und natürlich umweltfreundlicher – ideal für die Stadt. Transportiert wird meist mit rennradähnlichen Gefährten, denn schließlich ist hier Zeit wirklich Geld. Mit einem Elektro-Lastenrad sind aber auch schwere Ladungen kein Problem. Dass sie irgendwann einmal durch Drohnen ersetzt werden, glaubt Huber nicht. "Eine Ansprechperson ist für viele wichtig."

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