Story der Woche
"Es schmerzt jeder Kirchenaustritt"

Pfarrer Rupert Granegger in "seiner" Pfarrkirche, die sich in einer ehemaligen Tuchfabrik in Auwiesen befindet.
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  • Pfarrer Rupert Granegger in "seiner" Pfarrkirche, die sich in einer ehemaligen Tuchfabrik in Auwiesen befindet.
  • Foto: BRS/Diabl
  • hochgeladen von Christian Diabl

Die katholische Kirche schrumpft – auch in Linz. Wir wollten wissen, warum so viele austreten.

LINZ. Exakt 2.051 Linzer sind im letzten Jahr aus der katholischen Kirche ausgetreten, 2018 waren es "nur" 1.729 Personen. Aber warum eigentlich? Das hat die StadtRundschau die mehr als 22.000 Mitglieder der Facebook-Gruppe "Interessantes Linz" gefragt. Natürlich ist das nicht repräsentativ – einen Eindruck von der Gefühlslage der Menschen bekommt man aber schon. Und die Reaktionen zeigen ganz klar: Das Thema polarisiert. Viele haben den Umgang der Kirche mit Missbrauchsfällen als Austrittsgrund genannt, andere die mangelnde Reformbereitschaft. Eine Linzerin spricht von "mittelalterlichen Anschauungen", eine andere von einem "scheinheiligen Verein".


Hauptgrund Kirchenbeitrag

Auch persönliche Erfahrungen spielen eine Rolle. So ist ein junger Linzer ausgetreten, weil sein Religionslehrer die Heirat seiner Mutter mit einer Frau als "von Gott nicht vorgesehen" kritisiert hat. Die meisten geben aber den Kirchenbeitrag als Grund für den Austritt an. Diese Erfahrung macht auch Rupert Granegger, Pfarrer in Auwiesen. Gerade bei jungen Menschen ist oft der erste Erlagschein der unmittelbare Auslöser. Ähnlich sieht das auch Ursula Jahn-Howorka, Pfarrassistentin in der Stadtpfarre Urfahr. Viele junge Erwachsene hätten den Eindruck, die Kirche in ihrem Leben nicht zu brauchen. "Da fehlt dann nicht viel für einen formalen Bruch", so Jahn-Howorka.


Serviceorientierte Gläubige

Manche nehmen die Services der Kirche noch in Anspruch und treten kurz danach aus. "Es gibt Menschen, mit denen ich eine wunderschöne Hochzeit gefeiert habe und einen Monat später bekomme ich die Austrittserklärung", erzählt Granegger. Andere treten extra für die Taufe ihres Kindes kurzfristig wieder ein.


Keine Geduld mehr

In letzter Zeit verliert die Kirche zudem Gläubige, die lange auf Reformen gehofft haben. Besonders die Abschaffung des Zölibats und die Rolle der Frauen sind vielen ein Anliegen und so mancher wendet sich nun enttäuscht ab. So unterschiedlich die Gründe auch sind, letztlich hängt viel mit einer zunehmenden Entfremdung zwischen der Kirche und ihren Schäfchen zusammen. Die Auswirkungen sind fatal. Auwiesen ist eine Abgangspfarre, die eigentlich nicht mehr lebensfähig ist. "Irgendwann wird der Punkt kommen, wo ein Teil verkauft werden muss und man manches nicht mehr anbieten kann", so Granegger.


Kirche modern weiterentwickeln

Die Lösung sehen sowohl er als auch Jahn-Howorka in einer modernen Weiterentwicklung der Kirche, besonders was die Teilhabe von Frauen und verheirateten Männern betrifft. Konkret wünscht sich Granegger das Priesteramt für Frauen, das der Kirche wieder mehr Glaubwürdigkeit schenken würde. Die Diözese Linz sieht er bereits auf einem guten Weg. Tritt jemand aus, bedeutet das übrigens nicht, dass die Türen verschlossen sind. "Von einigen weiß ich es, ich habe aber noch nie wem die Kommunion verweigert", sagt Granegger.

Autor:

Christian Diabl aus Linz

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