Ferien verstärken Suchtgefahren im Web

Elf Jahre sind die jüngsten Patienten in der Ambulanz pro mente OÖ, die Mehrzahl sind aber Jugendliche. Foto: Chabraszewski/Fotolia
  • Elf Jahre sind die jüngsten Patienten in der Ambulanz pro mente OÖ, die Mehrzahl sind aber Jugendliche. Foto: Chabraszewski/Fotolia
  • hochgeladen von Johannes Grüner

LINZ (jog). Experten von pro mente schlagen kurz vor Ferienbeginn Alarm: Die schulfreie Zeit birgt für Kinder und Jugendliche die Gefahr, einer Internetsucht zu verfallen. "Das Internet ist heute ein absolut sinnvoller täglicher Begleiter, aber das Konsumverhalten bei Kindern und Jugendlichen artet oftmals aus. Es kommt vor, dass Jugendliche sehr aggressiv reagieren, wenn man das Handy, den Laptop oder das Tablet wegnimmt. Eltern berichten uns oft von verwüsteten Kinderzimmern, das sind dann tatsächlich Entzugserscheinungen. Umso wichtiger ist es, dass Kinder vielfältige Interessen ausleben, egal ob Sport, Lesen, oder Freunde treffen. Problematisch wird es dann, wenn es nur noch das Internet gibt und das jeden Tag", sagt Psychiatrie-Primar Kurosch Yazdi vom Neuromed Campus. Völliger Rückzug, Leistungsabfall in der Schule oder zu wenig Schlaf und minimale Kommunikation mit dem sozialen Umfeld sind Signale, die auf eine ernsthafte Sucht hindeuten. "Manche Jugendliche spielen 20 Stunden durch, die haben keine Zeit, dass sie zum gemeinsamen Mittagstisch kommen, sondern man muss ihnen die Mahlzeit ins Zimmer bringen", so Yazdi.

Spielsucht-Ambulanz

Die Formen von Internetsucht sind bei Mädchen und Burschen verschieden. Während Online-Spiele wie "World of Warcraft" männlich dominiert sind, ist die Abhängigkeit von Social Media-Plattformen eher Mädchen zuzuschreiben. Kindern und Jugendlichen mit Internetsucht wird in der Spielsucht-Ambulanz von pro mente im Neuromed Campus Linz seit sieben Jahren nicht nur Internet-Abstinenz, sondern Medienkompetenz vermittelt. Im Herbst startet eine neue Gruppe für Betroffene. Auch Eltern erhalten Hilfe, sie können sich etwa in eigenen Gruppen austauschen. "Viele Eltern schämen sich und machen sich Vorwürfe, dass sie in der Erziehung versagt haben. Sie lernen eine sinnvolle Kommunikation mit dem Kind aufzubauen und Vereinbarungen auszuarbeiten", so Maria Mittermaier, Psychotherapeutin in der Suchtgiftambulanz.

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