HBLA-Schülerin beim Prix Ars Electronica ausgezeichnet

Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer (r.) gratulierte Lisa Buttinger zur Goldenen Nica in der Kategorie "u19 – create your world".
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  • Stadträtin Doris Lang-Mayerhofer (r.) gratulierte Lisa Buttinger zur Goldenen Nica in der Kategorie "u19 – create your world".
  • Foto: AEC/Martin Hieslmair
  • hochgeladen von Nina Meißl

Die weltbesten Medienkünstler haben ihre Arbeiten wieder beim Prix Ars Electronica eingereicht. Die Jury hatte die Qual der Wahl: 3.677 Projekte aus 106 Ländern galt es zu begutachten. Die meisten Einreichungen gab es in der Kategorie Computer Animation/Film/VFX mit 1.157, gefolgt von Hybrid Art (1.063), Digital Musics (792) und der österreichweit ausgeschriebenen Kategorie u19 – create your world (665). Unter den Preisträgern, die aus der Demokratischen Republik Kongo, aus Kanada, Irland und Slowenien befindet sich auch eine Oberösterreicherin: Lisa Buttinger stammt aus Schalchen (Braunau) und besucht die HBLA für künstlerische Gestaltung in Linz. Sie gewann die "Goldene Nica" in der Kategorie "u19".

Sichtbare, unsichtbare Kunst

Buttinger nahm mit "nonvisual art" am Prix Ars Electronica teil. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit Polarisationsfiltern. Daraus entstand ein Bild, das gleichzeitig sichtbar und unsichtbar ist. Naturwissenschaft wird bei Buttingers Projekt zum bildnerischen Werkzeug. Das Bild besteht aus einem LED-Panel, Zellophanfolie und in Klebstoff festgesetzten Luftbläschen. Erst durch einen Polarisationsfilter betrachtet, wird das zunächst unsichtbare Licht in sichtbare Farben zerlegt und zu einem Bild geformt. Die Jury lobte, dass Buttinger "ein neues Medium entwickelt hat, eine neue Materialität, die Künstler anwenden können, um Bilder umzusetzen".

Hybrid aus Mensch und Hund

"Computerkunst dreht sich heute nicht mehr um den Computer als Werkzeug, sondern behandelt wichtige Themen der Zeit", sagt Christine Schöpf, Kuratorin des Prix Ars Electronica Animation Festivals. So geht die "Goldene Nica" in der Kategorie Hybrid Art heuer an die slowenische Künstlerin Maja Smrekar. Sie widmete eine gesamte Werkreihe der Frage nach dem Wesen und der Rolle des Menschen, im Speziellen jener der Frau. "Smrekars Arbeiten könnten radikaler gar nicht sein, sind aber auch eine notwendige biopolitische Auseinandersetzung mit unserer Zeit", sagt Gerfried Stocker, künstlerischer Geschäftsführer des Ars Electronica Centers.

Beim Publikum werden Smrekars Arbeiten jedenfalls für Diskussionen sorgen. So schuf sie etwa einen Duftstoff aus dem Gewebshormon und Neurotransmitter Serotonin von ihr selbst und ihrem Hund, der die chemische Essenz der Beziehung zwischen Menschen und Hund symbolisieren soll. In einem anderen Projekt unterzog sich die Künstlerin einer milchtreibenden Diät und teilte ihre Muttermilch mit Hunden und Wölfen. Nebeneffekt dieses Prozesses war die Produktion des Hormons Oxytocin, das eine wichtige Rolle hinsichtlich des zwischenmenschlichen Vertrauens und der Empathie zwischen Mutter und Kind spielt. Beim Projekt "ARTE_mis" wiederum wurde eine Eizelle der Künstlerin mit dem Sperma ihres Hundes künstlich befruchtet. Ergebnis ist eine hybride Zelle, der ein dystopisches Szenario innewohnt, die aber gleichzeitig eine neue Spezies schaffen könnte, deren Überlebenschancen auf der Erde besser sind als unsere – nicht zuletzt, weil dieses Mischwesen seine Umwelt vielleicht humaner behandeln würde, als wir das tun. "Diese Projekte irritieren und stoßen vor den Kopf, sprechen aber wichtige ethisch-moralische Dimensionen und Machtansprüche an. Genau hier wollen wir Kunst sehen", so Stocker.

Außergewöhnliches Buch-Projekt

In der Kategorie "Digital Musics & Sound Art" ging die "Goldene Nica" an das Projekt "Not Your World Music: Noise in South East Asia". Cedrik Fermont und Dimitri della Faille schufen eines der ganz wenigen Werke über Noise und Sound Art, über elektroakustische, experimentelle und Industrial-Musik der Vergangenheit und Gegenwart im ostasiatischen Raum. Das Buch enthält politische, historische und soziologische Aufsätze, Interviews mit Künstlern, eine umfangreiche Bibliografie und eine Discografie.

Halb Spiel, halb Kunstwerk

Mit "Everything" von David OReilly wurde in der Kategorie "Computer Animation/Film/VFX" eine Natursimulation ausgezeichnet, die halb Spiel und halb Kunstwerk ist. Per Tastendruck verwandeln sich die Spieler vom Einzeller in einen Marienkäfer, Heißluftballon oder eine ganze Galaxie. "Everything" ermöglicht ein Hin- und Hergleiten zwischen Mikro- und Makrokosmos und ein Betrachten des ganzen Universums aus der Sicht Tausender Subjekte und Objekte. Unwillkürlich stellen sich während des Spielens auch Gedanken rund um das eigene Dasein ein. Zudem lassen sich auch die Gedanken vieler Objekte im Spiel lesen, die vom Philosophischen bis zum Absurden reichen. "Everything" ist für PC, Mac, Linux und die PS4 erhältlich.

Überreicht werden die Goldenen Nicas im Rahmen der traditionellen Ars Electronica Gala am 8. September im Brucknerhaus. Neben den vier Hauptpreisen gab es auch noch acht Anerkennungspreisträger. Ein Großteil der ausgezeichneten Projekte wird beim Ars Electronica Festival in Linz zu sehen sein.

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