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"Kinder seid ihr alle da?"

Christa Koinigs ist Herz und Seele des Linzer Puppentheaters.
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  • Christa Koinigs ist Herz und Seele des Linzer Puppentheaters.
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Christa Koinig ist Herz und Seele des Linzer Puppentheaters und bringt seit 50 Jahren Kinder zum Lachen.

LINZ. Auftritt von Spekulato – die Kinder flippen aus. Sie bewerfen den grantigen Zauberer mit allem, was sie kriegen können, um zu verhindern, dass er wieder etwas anstellt. Glücklicherweise war das vor allem Gras, denn die Wiese des Spielplatzes, bei dessen Eröffnung das Puppentheater auftrat, war gerade frisch gemäht worden. Die Puppenspieler konnten sich nicht wehren und waren von oben bis unten voller Gras.


Seppy ist ihr Liebling

Eine von ihnen war Christa Koinig, Gründerin und bis heute Leiterin des Linzer Puppentheaters. Wenn man mit ihr spricht, merkt man sofort die Leidenschaft, mit der sie für ihr Puppentheater brennt. Da ist es wenig verwunderlich, dass man sie auch heute noch bei jeder Vorstellung hinter der Bühne findet. Zwar verbindet sie mit dem Kasperl beinahe ihr ganzes Leben, trotzdem ist der Seppy ihr Liebling. "Weil er so herzig und auch ein frecher Lauser ist", sagt sie. Außerdem war Seppy die erste Figur, die sie selber gebaut hat. Das "y" ist kein Tippfehler. "Der Seppy will das so, er will modern sein", sagt sie.


Schicksalhafte Begegnung

Ihre erste Begegnung mit dem Kasperl ist etwa 65 Jahre her. Christa Koinig war damals zehn und am Sonntagvormittag nicht etwa in der Kirche, sondern im Kino in der Neuen Heimat. Sie war sofort fasziniert und hat beschlossen: "Wenn ich einmal groß bin, dann möchte ich selber spielen." Mit Mitte 20 war es dann so weit: Zum dritten Geburtstag ihrer Tochter trat der Kasperl zum ersten Mal im Wohnzimmer auf. Bald darauf folgten ein Puppenbaukurs im Arbeiterheim und die erste öffentliche Vorstellung. "Am Anfang haben wir sehr viel improvisiert, mit der Zeit ist es aber immer professioneller geworden", erinnert sich Koinig.


Der "Seppy" ist Christa Koinigs absoluter Liebling, denn das war die erste Puppenfigur, die sie selbst gebaut hat.
  • Der "Seppy" ist Christa Koinigs absoluter Liebling, denn das war die erste Puppenfigur, die sie selbst gebaut hat.
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Das Kasperl-Prinzip

Das Grundprinzip eines guten Kasperlstückes hat sich jedoch nie verändert. "Es muss in erster Linie Spaß machen", sagt Koinig, "positiv sein, lustig, spannend und ein gutes, logisches Ende haben. Die Kinder müssen sich darin wiederfinden." Ein Stück ohne Kasperl ist zwar undenkbar, doch er und Seppy sind längst nicht mehr allein. An die 200 Puppen zählt das Ensemble, vom Seeräuber, allen möglichen Tieren bis zu Eigenkreationen, wie dem Schwindelkobold Krawuzel, dem Drachen Basti oder dem Teddybär Wulliwu.


Auch ernste Kasperl-Themen

Letzterer zeigt, wie auch ernstere Themen behandelt werden, wenn auch fein dosiert. Wulliwu ist im Gegensatz zu den anderen Teddys gestrickt und selbst gemacht. Weil er nicht so hübsch aussieht, lachen sie über ihn, trotzdem entwickelt er ein starkes Selbstbewusstsein. Wulliwu gibt es sogar als Kinderbuch – eines ihrer vielen Projekte neben dem Kasperltheater.


Kinderklangwolke gegründet

Wie nur wenig andere, hat Christa Koinig die Entwicklung der Kinderkultur in Linz geprägt. 1992 ist das Puppentheater in das neue Kinderkulturzentrum Kuddelmuddel gezogen, das sie bis 2009 geleitet hat. 1998 hat sie die Kinderklangwolke ins Leben gerufen und diese jahrelang konzipiert. Sie organisierte im Kuddelmuddel zahlreiche Ausstellungen für Kinder und weitere Großprojekte und hat jahrelang die Ohrenbären-Sendungen im ORF OÖ gemacht.


Das Puppentheater ist ein Familienunternehmen, Christa Koinig (Bildmitte) mit Tochter Bettina (rechts) und Enkelin Ramona.
  • Das Puppentheater ist ein Familienunternehmen, Christa Koinig (Bildmitte) mit Tochter Bettina (rechts) und Enkelin Ramona.
  • Foto: BRS/Diabl
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Kasperl ist Familienprojekt

Vor dem Kuddelmuddel war Koinig Direktionssekretärin in der SBL, denn leben konnte sie vom Kasperl nie. "Wir haben wirklich ganz magere Zeiten erlebt", sagt sie. Das Erfolgsgeheimnis ist neben Durchhaltevermögen die Familie, denn die Begeisterung für den Kasperl ist auf Tochter Bettina und Enkeltochter Ramona übergegangen. Gemeinsam "schupfen" sie den Laden. "Ich bin so glückselig, dass die Töchter das machen", sagt Koinig. Am 18. Dezember wurde sie 75 und nicht nur Kasperl verneigt sich.

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