Story der Woche
Linz, die sehr spät gekommene Stadt

Straßenszene aus Linz, Ecke Landstraße/Mozartstraße im Jahr 1935, rechts das alte Kolosseum-Kino.
3Bilder
  • Straßenszene aus Linz, Ecke Landstraße/Mozartstraße im Jahr 1935, rechts das alte Kolosseum-Kino.
  • Foto: Stadtmuseum Nordico
  • hochgeladen von Christian Diabl

Aus der unbedeutenden Kleinstadt ist im 20. Jahrhundert eine Industrie- und Kulturstadt geworden.

LINZ. Wenn heuer "100 Jahre Oberösterreich" gefeiert wird, lohnt auch ein Blick auf die bewegte Geschichte von Linz. Kaum eine Stadt hat sich im letzten Jahrhundert so oft neu erfunden oder behauptet das zumindest von sich. Aus der Kleinstadt der Monarchie wurde die "Patenstadt des Führers", aus der "Stahlstadt" der Nachkriegszeit die Kulturstadt. Nicht immer decken sich Fremd- und Eigensicht, aber die Begriffe verdeutlichen die Umbrüche, die Linz im 20. Jahrhundert gewollt und ungewollt erfasst haben. Diese haben immer auch das Selbstverständnis der Linzer verändert.


Linz war lange auf der Suche

Linz ist eine "sehr spät gekommene Stadt", wie es Bürgermeister Klaus Luger im Gespräch mit der StadtRundschau formuliert. Anders als Graz, Innsbruck oder Salzburg, die auf eine lange Geschichte zurückblicken, war Linz lange auf der Suche. Vor 100 Jahren noch eine weitgehend unbedeutende Kleinstadt, veränderte der Größenwahn Adolf Hitlers Linz plötzlich und nachhaltig. Die Einwohnerzahl hatte sich mehr als verdoppelt und Linz war ohne eigenes Zutun Industrie- und Arbeiterstadt geworden. Leitbetriebe wie die Vöest, die Chemie oder die Schiffswerft wurden zu Eckpfeilern eines neuen Selbstverständnisses. Linz war zwar etwas schmutzig, aber produktiv. Die Wirtschaft brummte und die Stadt konnte bei der Infrastruktur aufholen. 1952 wurde das Stadion eröffnet, 1966 die erste Hochschule, die spätere Johannes Kepler Universität. 1974 kamen das Brucknerhaus, die Sporthalle und die Ostumfahrung mit der dritten Donaubrücke dazu.

Wandel zur Kulturstadt

Alles lief für die Linzer, bis die Krise der verstaatlichten Industrie in den 80er-Jahren das gewonnene Selbstbewusstsein erneut erschüttert hat. Die Industrie blieb zwar erhalten, aber vielen Linzern reichte das nicht mehr. Der dann erfolgte Wandel zur Kulturstadt war erst mal kein politisches Projekt. Schon seit den 70er-Jahren hatte sich eine lebendige und widerspenstige Kunst- und Kulturszene entwickelt, die Politik zog mit großen Projekten wie dem Posthof, dem Ars Electronica Center, dem Lentos Kunstmuseum und zuletzt mit dem Musiktheater nach. Linz wurde offener und moderner, auch die relativ konsequente Aufarbeitung der NS-Vergangenheit ist in diesem Kontext zu sehen. Heute steht Linz mit der Digitalisierung vor einer neuen Herausforderung und wieder soll ein neues Image helfen. Linz will zur Kreativ- und Innovationsstadt werden. Als Flaggschiff dafür dient mit der Tabakfabrik ausgerechnet ein altes Industriedenkmal. Man darf gespannt sein.

Autor:

Christian Diabl aus Linz

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

8 folgen diesem Profil

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!

Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.