Linza G'schichten
Nachbarinnen helfen beim "Ankommen"

Montaha Alharon unterstützt Nesrin Ahmad beim Ankommen in Linz.
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  • Montaha Alharon unterstützt Nesrin Ahmad beim Ankommen in Linz.
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Nesrin Ahmad versucht, sich in Linz ein neues Leben aufzubauen. Ihre "Nachbarin" hilft dabei.

LINZ. Nesrin Ahmad macht sich Sorgen. Die junge Kurdin stammt aus Qamischli, einer Stadt etwa so groß wie Linz, im Nordosten Syriens an der Grenze zur Türkei. Seit einer Woche ist dort Kriegsgebiet. Der türkische Angriff hat die Kurden gezwungen, die syrische Armee von Diktator Baschar al-Assad zu Hilfe zu rufen. Gerade als Ahmad Besuch von zwei Linzer Politikerinnen und der StadtRundschau bekommt, marschieren die mit Assad verbündeten Russen in ihrer Heimatstadt ein. Sie hat Angst um ihren Bruder, der nach wie vor mit seiner Familie dort lebt. Das ist Syrien: Von einem Tag auf den anderen hat sich die Lage vor Ort dramatisch verändert.


Das Projekt "Nachbarinnen"

Bei ihrem Gespräch mit den Stadträtinnen Regina Fechter und Eva Schobesberger geht es um vergleichsweise kleine Probleme. Zumal der Anlass erfreulich ist. Ahmad berichtet über das Projekt "Nachbarinnen" von migrare, dem Zentrum für MigrantInnen OÖ. Nachbarinnen sind eigens ausgebildete Frauen, die anderen Frauen mit Migrationsbiografie helfen, ihnen alle relevanten Informationen über das Leben in Linz vermitteln und sie bei alltäglichen Wegen und Aufgaben begleiten, zum Beispiel bei Ausbildung, Jobsuche, Arztbesuchen oder Behördengängen.


Viele Herausforderungen

Neben Ahmad sitzt ihre "Nachbarin", Montaha Alharon, die seit drei Jahren im Projekt beschäftigt ist. Es war kein Zufall, dass sich die beiden gefunden haben. Während eines Termins bei der migrare-Beratungsstelle nahm Ahmad einen Folder des Projektes Nachbarinnen in die Hand. Als sie versuchte, den Text zu übersetzen, fiel ihr Blick auf den arabisch klingenden Namen. Via Facebook nahm sie Kontakt auf und fragte, ob Alharon ihr bei der Arztsuche helfen könnte – nur eine der vielen Herausforderungen, wenn man neu ist und die Sprache noch nicht spricht.


Mühsame Flucht aus Syrien

Zu diesem Zeitpunkt war die junge Kurdin erst drei Monate in Österreich. Ihr Mann, der in einer Pizzeria in Enns arbeitet, hat sie zu sich geholt. Davor war sie drei Jahre in Deutschland. Die Sprache lernen war in dieser Zeit kaum möglich, denn sie musste sich rund um die Uhr um ihre Mutter kümmern, die bei der mühsamen Flucht einen Schlaganfall erlitten hatte. Ihre Deutschkenntnisse hat sie aus Fernsehen und Internet. Trotzdem hätte sie beinahe die Prüfung auf B1-Niveau geschafft, lediglich vier Punkte haben ihr gefehlt.


Traumberuf Apothekerin

Bestanden hatte sie in Deutschland die theoretische Führerscheinprüfung und das beschäftigt sie gerade am meisten. Zur praktischen Prüfung ist es nämlich nicht mehr gekommen. Den theoretischen Prüfungserfolg anerkennen zu lassen, ist eine Herausforderung, bei der die Nachbarin hilft. Ausbildung und Arbeit sind die anderen Themen. Ahmad hat in Syrien Kunst und Psychologie studiert, aber aufgrund der Flucht nicht abgeschlossen. Sie würde gerne in einer Apotheke arbeiten. Am Kühlschrank kleben Lernkarten mit anatomischen Begriffen, denn sie besucht seit einer Woche einen Aufbau-Deutschkurs bei maiz.


Eine ungewisse Zukunft

In Linz fühlt sich Ahmad wohl. "Alle Leute in Linz sind sehr nett", sagt sie. Neben ihrer Ausbildung möchte sie bald Gitarre spielen lernen. Schön wäre auch eine größere Wohnung, derzeit lebt das junge Paar auf 40 Quadratmetern. Doch die Zukunft bleibt ungewiss. Denn ob sie in Österreich bleiben kann, weiß Ahmad nicht. Ihr Aufenthaltsstatus ist kompliziert. In einem halben Jahr muss ihre Aufenthaltsgenehmigung verlängert werden.

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