Stadtbrache – Wildnis findet Stadt

© Josef Limberger

Stadtbrachen sind ungenutzte Flächen inmitten des Häusermeers, die der Natur und dem Menschen Freiräume sowie Tieren und Pflanzen ein Zuhause bieten. Der Naturschutzbund Oberösterreich widmet sich diesem wichtigen Lebensraum in der Stadt und plädiert für mehr städtische Grünflächen, die ohne Nutzung, Pflege, Düngung, Pestizide, Laubbläser und Bewässerung auskommen.

In der Landwirtschaft bezeichnet die Brache ein Feld, welches für eine gewisse Zeit nicht bepflanzt wird, um die Bodenfruchtbarkeit zu schonen, weiß die Biologin Mag. Heidi Kurz vom Naturschutzbund Oberösterreich. In unseren, vermeintlich bis auf den letzten Quadratzentimeter genutzten Städten sind Brachen Flächen, die vorübergehend oder auch auf Dauer nicht bebaut oder anderweitig genutzt und gepflegt werden, beispielsweise alte Gleis- oder Industrieanlagen sowie Baulücken. Die dort spontan aufkommenden, von niemandem gepflanzten oder gepflegten Pflanzen ziehen bald erste Tiere an und irgendwann kommen auch Bäume und Sträucher und schon ist sie entstanden, die kleine Wildnis mitten in der Stadt.

Solche kleinen Wildnisflächen in der Stadt zeigen eindrucksvoll, dass Natur nicht gehegt und gepflegt werden muss, um vielfältig zu sein. Durch ihre eigene Dynamik, ihre eigenen Regulationsmechanismen bringt die Natur stabile und interessante Stadtlandschaften hervor, die auch seltenen Arten Lebensraum bieten.

Nahrung in Hülle und Fülle

Bienen finden auf den Stadtbrachen den ganzen Sommer Nektar und Pollen, Falter gaukeln von Distel zu Distel, und das Große Heupferd zirpt. Je nach Nahrungsangebot und Nistmöglichkeiten nutzen auch Vögel wie der Distelfink die Wildnis mitten in der Stadt. Und wenn alte Dachstühle in der Nähe sind, jagen die dort lebenden Fledermäuse in der Dämmerung auf der Stadtbrache nach Insekten. Auch Füchse streifen bis in die Innenstädte, um zwischen dem wilden Grün auf Mäusejagd zu gehen, erklärt die Naturschutzbund Oberösterreich-Mitarbeiterin Mag. Heidi Kurz. Selbst vom Aussterben bedrohte Tierarten wie die Wechselkröte sind gerade auf diese Flächen angewiesen.

Stadtbrachen bieten Städtern die Möglichkeit, Natur in der Stadt unreglementiert zu erleben. Gerade in engen Wohnvierteln mit wenig Grünflächen sollten Stadtbrachen deshalb für die Allgemeinheit zugänglich gemacht und erhalten werden. Auch wegen ihrer kühlenden Wirkung ist Natur in der Stadt wichtig. Die Pflanzen binden Staub und unter ihnen kann sich Grundwasser neu bilden. Im Vergleich zu Parkanlagen, Friedhöfen oder Kleingartenanlagen schneiden Stadtbrachen in dieser Hinsicht besonders gut ab.
Auch für die Vernetzung von Lebensräumen innerhalb des bebauten Gebiets spielen Stadtbrachen eine wichtige Rolle.

Während gepflegte Parkanlagen als selbstverständlicher Teil der Stadt wahrgenommen werden, gelten Stadtbrachen oft als „Vorratsflächen“ für weitere Bauvorhaben. Dabei sind sie es, die die eigentliche Stadtnatur repräsentieren. Deshalb sollten im Rahmen der Stadtplanung auch Brachflächen mitberücksichtigt und auch eingeplant werden, so der Naturschutzbund Oberösterreich.

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