Interview Tierheim Linz
"Tiere sollen zur Bereicherung des eigenen Lebens beitragen"

Tierheimreferentin Lydia Just mit ihrem Hund Bobby.
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  • Tierheimreferentin Lydia Just mit ihrem Hund Bobby.
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Tierheimreferentin Lydia Just berichtet über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen im Tierheim Linz.

LINZ. Lydia Just ist Referentin im Tierheim Linz und hat sich auf die Handhabung von wilden Katzen spezialisiert. Die StadtRundschau hat mit ihr über ihre Arbeit, ihre schönsten Erinnerungen und gefährliche Urlaubsmitbringsel gesprochen.

Was ist Ihre schönste Erinnerung aus dem Tierheim?
Lydia Just: Wir bekommen die Tiere meist in einem traurigen Zustand, in dem sie sich schon fast aufgegeben haben. Das Allerschönste für uns ist immer, wenn man sie dann so weit hat, dass sie wieder Lebensfreude bekommen und die neuen Besitzer mit so einer Liebe beschreiben, wie es den Tieren jetzt geht. Dann weiß man, wofür man das alles tut.

Ist Ihnen dabei eine Geschichte besonders zu Herzen gegangen?
Einmal kamen Leute vorbei, die erzählt haben: „Vor siebzehn Jahren haben wir uns bei Ihnen im Tierheim eine Katze geholt, als sie noch ein Baby war und jetzt lebt sie immer noch.“ Da denkt man sich: Dafür ist unser Tierheim da – um Tiere aufzunehmen, zu pflegen, zu behüten und dann an gute Plätze weiterzuvermitteln.

Wie lange arbeiten Sie schon im Tierheim Linz?
Ich bin seit 2003 im Tierheim angestellt und davor habe ich zehn Jahre bei einer Tierärztin gearbeitet.

Welche Leute kommen ins Tierheim, um sich ein Tier abzuholen?
Zu uns kommen Tierfreunde aus allen Schichten - vom Universitätsprofessor mit Tierschutzgedanken bis hin zum Arbeiter. Doch nicht alle bekommen auch wirklich ein Tier.

Hat das einen bestimmten Grund?
Ein Tier muss zum Besitzer passen. Wir können einen Hund, der schlechte Erfahrungen mit Kindern gemacht hat, nicht an eine Familie mit kleinen Kindern vermitteln. Das wäre zu riskant. Die Leute wollen meist, dass man ihnen einen unkomplizierten Hund vermittelt, der keine Macken hat, erst vier Monate alt und schon rein ist. Groß sollte er auch nicht werden. Das ist halt meist ein Wunschtraum.

Wie kontrollieren Sie, ob jemand ein Tier bekommt?
Man muss mit trickreichen Fragen die Wahrheit herausfinden. Das beste Beispiel war einmal eine junge Familie mit einem zehnjährigen Kind. Auf die Frage: „Darf der Hund bei Ihnen ins Haus?“ sagte der Vater: „Ja, natürlich.“ Und der kleine Bub darauf: „Wirklich Papa, darf der Hund zu uns rein?“ Solche Leute haben Pech gehabt.

Nehmen Sie auch vorübergehend Tiere auf, ähnlich wie in einer Tierpension?
Nein, im Tierheim ist kein Platz für Urlaubstiere. Aber Interessierte bekommen eine Liste von Tierpensionen. Falls sich jemand ein Tier aus dem Tierheim findet, raten wir den Leuten immer, erst einmal auf Urlaub zu fahren und danach noch einmal zu kommen, um sich das Tier abzuholen.

Was war das exotischste Tier, das bisher abgegeben wurde?
Wir bekommen viele ungewöhnliche Tiere, von Fledermäusen über Chamäleons und Papageien bis hin zu Hängebauchschweinen, Ziegen oder Weißbauchigeln. Aber besonders außergewöhnlich war einmal ein Skorpion, der aus Kroatien im Koffer mitgefahren ist.

Welche Tiere werden besonders oft abgegeben?
Mit Hunden ist das Tierheim immer voll. Das Problem ist oft, dass sich Leute günstige Hunde – darunter auch Kampfhunde – aus dem Ausland nehmen, die sie von einem Parkplatz übernommen haben. Wenn der Hund dann unrein ist oder knurrt, wird er abgegeben.

Wie schaffen Sie es, so viele Tiere zu versorgen und sich mit ihnen zu beschäftigen?

An den Vormittagen sind zwei Tierpflegerinnen bei den Hunden, eine Tierpflegerin in der Katzenquarantäne und eine im Katzenhaus. Außerdem hilft ein Tierpfleger zusätzlich dort aus, wo er gebraucht wird. Die Hunde dürfen jede Stunde ins Freigehege und bei der Gelegenheit beschäftigen sich die Tierpfleger mit den Hunden. Die Katzen im Katzenhaus bekommen am Nachmittag Streichel- und Spieleinheiten von den möglichen neuen Besitzern.

Wie lange bleiben Tiere im Durchschnitt im Tierheim, bevor sie an einen neuen Besitzer vermittelt werden können?
Nette Hunde und Katzen bleiben oft nur einige Wochen. Sind Hunde oder Katzen nicht so nett, bleiben sie dagegen oft monatelang und gefährliche Hunde sogar jahrelang. Katzen können alt sein und nurmehr ein Ohr haben – so lange sie lieb und zutraulich sind, werden sie schnell abgeholt. Jüngere Katzen vergeben wir nur zu zweit in eine Wohnung, wobei der Balkon oder mindestens ein Fenster vergittert sein muss. Sogar ältere Nagetiere haben gute Chancen adoptiert zu werden, da ein Tier nicht alleine gehalten werden darf. Wenn ein Partnertier verstirbt, wird meist ein gleichaltriges, etwa siebenjähriges Meerschweinchen dazu vergesellschaftet.

Zur Sache

Derzeit warten im Tierheim in der Mostnystraße 239 Tiere auf ein neues, liebevolles Zuhause. Die StadtRundschau stellt, in Kooperation mit dem Tierheim Linz, einmal pro Woche ein Vergabetier vor.

Autor:

Carina Köck aus Linz

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