Verkehrssicherheit
Todesfalle toter Winkel – Linz diskutiert über Abbiegeassistenten

Lkw verursachen 14 Prozent der Verkehrstoten.
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Nach einem tödlichem Unfall im toten Winkel in Wien soll die Stadt Linz mit gutem Beispiel vorangehen und ihre Lkw mit Abbiegeassistenten nachrüsten, fordern die Grünen. Die Herausforderungen sind aber noch gravierender.

LINZ. Seit ein neunjähriger Bub in Wien auf einem Zebrastreifen von einem rechts abbiegenden Lkw überrollt und getötet wurde, ist die Diskussion um die Gefahren des Lkw-Verkehrs neu entbrannt. Der Grund: Durch den toten Winkel haben Lkw-Fahrer oft keine Chance, Fußgänger oder Radfahrer zu sehen. Elektronische Abbiegeassistenten würden sie automatisch warnen und das Problem somit lösen. Mehr als 68.000 Menschen fordern bereits in einer Online-Petition verpflichtende Assistenzsysteme, darunter auch viele Linzer. Nun hat die Diskussion auch die Linzer Stadtpolitik erreicht. Auch in Linz komme es immer wieder zu schweren Unfällen, sagt der grüne Verkehrssprecher Klaus Grininger. Als Erster fordert er von der Stadt, den eigenen Lkw-Fuhrpark mit Abbiegeassistenten nachzurüsten.

„Die technischen Möglichkeiten sind längst vorhanden und sofort umsetzbar. Es gibt also keinen Grund länger zu warten: Städtische Lkw gehören sofort mit zusätzlichen Sicherheitssystemen nachgerüstet“, so Grininger.

Wie es etwa Wien und Klagenfurt schon angekündigt haben, solle auch Linz mit gutem Beispiel vorangehen. 

Lkw sind tödliche Unfallgegner

Die Forderung nach verpflichtenden Abbiegeassistenten wird auch vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) unterstützt. Lkw sind laut VCÖ-Analyse ein tödlicher Unfallgegner. Ihr Anteil an tödlichen Verkehrsunfällen sei rund drei Mal so hoch wie an Verkehrsunfällen insgesamt. "Umso wichtiger ist es, dass in Österreich die Lkw verpflichtet nachgerüstet werden und andererseits auf EU-Ebene die derzeit diskutierten Sicherheitsvorgaben für neue Lkw viel früher als geplant kommen", sagt VCÖ-Experte Markus Gansterer.

WKO: Branche ist uneins

Anders als für die Wiener Wirtschaftskammer (WKO), die "akuten Handlungsbedarf" sieht, macht eine Nachrüstung der Flotte für WKOÖ-Fachgruppen-Obmann Franz Danninger keinen Sinn, "weil das nie zu 100 Prozent umsetzbar ist". Bei vielen älteren Fahrzeugen sei dies zudem gar nicht möglich. Danninger kann sich verpflichtende Abbiegeassistenten lediglich ab 2020 oder 2021 und auch nur bei Neufahrzeugen vorstellen.

Unsere Städte sind nicht kindgerecht

Diese sind laut VCÖ aber nur ein Teil der Lösung. Vor allem Kinder leiden unter einer auf Autos abgestimmte Stadtplanung. „Unser Verkehrssystem nimmt auf Kinder viel zu wenig Rücksicht. Und das spiegelt sich leider auch in der Unfallstatistik wider“, sagt VCÖ-Sprecher Christian Gratzer. Jedes vierte Kind, das Opfer eines Verkehrsunfalls wurde, war demnach zu Fuß unterwegs, jedes fünfte mit dem Rad. Probleme bereiten etwa zu hohes Tempo, zu schmale Gehwege, unübersichtliche Kreuzungen und fehlende Radwege.

+++ Kommentar +++ 

Vermeidbarer Tod im toten Winkel

Es gibt nichts Schlimmeres für Eltern, als ein Kind zu verlieren. Auch für Lkw-Fahrer muss es ein Horror sein, bei jedem Rechtsabbiegen darauf hoffen zu müssen, niemanden niederzufahren. Abbiegeassistenten lösen das Problem. Sie warnen die Fahrer automatisch vor Fußgängern oder Radfahrern im toten Winkel und retten dadurch Leben. Verzichtet man darauf, alte Lkw nachzurüsten, kann man sich ausrechnen, wie viele Leben dieser Sparsinn noch kosten wird. Wenn es freiwillig nicht geht, muss die Politik handeln. Nachrüstungen müssen verpflichtend werden, die Unternehmer sollten dabei finanziell unterstützt und Lkw ohne Assistent die Einfahrt in die Innenstadt verwehrt werden. Um glaubwürdig zu sein, sollte die Stadt Linz mit gutem Beispiel vorangehen und ihre 20 schweren Lkw so rasch als möglich nachrüsten.

Lkw verursachen 14 Prozent der Verkehrstoten.
Klaus Grininger fordert eine Nachrüstung der städtischen Lkw-Flotte mit Abbiegeassistenten.
Autor:

Christian Diabl aus Linz

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