"Viel Öl und viel Liebe"

„Für mich ist das Drucken ein Handwerk. Weil es so etwas aber nur noch selten gibt, hat es vielleicht auch etwas mit Kunst zu tun“, sagt Rio Roither, Inhaber der Grafischen Manufaktur.
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  • „Für mich ist das Drucken ein Handwerk. Weil es so etwas aber nur noch selten gibt, hat es vielleicht auch etwas mit Kunst zu tun“, sagt Rio Roither, Inhaber der Grafischen Manufaktur.
  • Foto: Michael Holzer
  • hochgeladen von Nina Meißl

Es riecht nach Druckerschwärze, nach Öl und nach Papier. Inmitten lärmender Maschinen steht Rio Roither und hält ein Blatt ins Licht. „Kein Bogen geht ohne Kontrolle hinaus“, sagt Roither, und schaltet die Andruckpresse aus, die aus den 50er-Jahren stammt. „Ein Museum wollte sie wegwerfen. Ich habe sie in 400 Stunden komplett zerlegt, repariert, lackiert und wieder zusammengebaut.“

Liebe zum Handwerk

Roither ist ein Mensch, der seinen Beruf liebt. Wenn er nicht im Schichtbetrieb in einer großen Druckerei arbeitet, findet man ihn in seiner Werkstatt, der „Grafischen Manufaktur“ im Herzen der Tabakfabrik: „Hier verbringe ich meine gesamte Freizeit. Da braucht man eine genügsame Frau. Ich hatte Glück, denn meine unterstützt mich, wo es geht.“ Roithers Traum war es schon immer, eine eigene kleine Druckerei zu besitzen. Dabei ist er eher zufällig zum Druckerhandwerk gekommen: „Eigentlich habe ich eine Doppellehre als Maurer und Zimmerer begonnen. Da musste ich jeden Tag von 5 bis 19 Uhr arbeiten. Nach zwei Monaten habe ich damit aufgehört. Durch Beziehungen konnte ich in einer Druckerei schnuppern und das war es dann.“ In der Lehre arbeitete er nur mit modernen Offset-Druckern, doch Roither wollte mehr: „Die alten Maschinen haben mich schon immer fasziniert. Beim Handwerk geht mir das Herz auf.“ Für 13 Jahre ging der gebürtige Hausruckviertler daher nach Berlin, wo er bei einem alten Buchdrucker in die Lehre ging. „Dort konnte ich von den alten Meistern lernen“, so Roither.

Lebenslang lernen

Als es wieder zurück nach Oberösterreich ging, verkaufte Roither alle Möbel und füllte den Umzugs-Lkw stattdessen mit Druckermaschinen und Zubehör an. „Viele andere Maschinen habe ich seither in Museen, im Internet oder in Druckereien gefunden. Viele sind total kaputt, weil die meisten keine Zeit mehr haben, sich um die Maschinen zu kümmern. Meist brauchen sie aber nur viel Öl und viel Liebe – dann halten sie ewig.“ Seit 25 Jahren perfektioniert der gelernte Drucktechniker nun sein Handwerk: „Man lernt nie aus. Jedes Papier verhält sich anders, fast wie ein Lebewesen. Das Einzige, was zählt, ist die Berufserfahrung.“ Derzeit macht Roither eine „Lehre“ bei einem 70-jährigen ehemaligen Mitarbeiter des Museums Steyrermühl, von dem er das Schriftsetzen lernt.

Hoch angesehen

Der größte Traum des Druckers ist es, die Gutenberg-Bibel zu kopieren. Diese war das erste Buch, das mit den beweglichen Blei-Lettern gedruckt wurde, die Gutenberg erfunden hat und zeichnet sich durch aufwendiges Design und Perfektion im Druck aus. „Damals waren Drucker beinahe gleichgestellt mit Fürsten. Sie waren hoch angesehen, da sie lesen und schreiben konnten.“ Heutzutage gibt es vor allem im Offset-Druck Dumpingpreise. Immer mehr besinnen sich jedoch auf die Traditionen. „Altes Design, die Haptik, das dicke Papier – das wird immer populärer. Viele wollen kein Massenprodukt mehr, sondern sich von der Masse abheben“, weiß Roither.

Selbst Hand anlegen

Die größte Faszination für den Profi ist „das Produkt, das am Ende herauskommt“. Diese Faszination möchte Roither gerne mit anderen teilen. Daher können sich Interessierte in der Grafischen Manufaktur gegen einen Unkostenbeitrag selbst an der Druckerpresse versuchen. Zudem sind zwei weitere Standorte in Planung: „Hier in der Werkstatt möchte ich Workshops anbieten. Zusätzlich will ich Anfang nächs-ten Jahres eine kleine Hausdruckerei in der Tabakfabrik einrichten. In Planung ist auch eine Handschöpferei. In Linz gibt es so viele Grafiker, Künstler, Kunststudenten und damit ein großes Potenzial. Ich möchte gerne allen Interessierten den Zugang zum alten Handwerk ermöglichen.“

ZUR SACHE:

Das Hauptaugenmerk der Grafischen Manufaktur liegt auf der Druckveredelung, etwa durch Heißfolienprägung. Gedruckt werden können etwa Einladungen, Visitenkarten oder ganze Bücher. Die Werkstatt befindet sich im Kraftwerks-Gebäude inmitten der Tabakfabrik. Infos: www.grafischemanufaktur.at

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