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Von der Bruderlade zur Krankenkasse

Sitz des Verbandes der Krankenkassen OÖ von 1917 bis 1932.
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  • Sitz des Verbandes der Krankenkassen OÖ von 1917 bis 1932.
  • Foto: OÖGKK
  • hochgeladen von Christian Diabl

Die Wurzeln der modernen Krankenversicherung gehen bis zu den "Bruderladen" der Bergleute zurück. Eine kleine Zeitreise.

LINZ. Österreich im Jahr 1869: Der Habsburgermonarchie ging es schlecht. Verlorene Kriege und Machtverlust zwangen zu inneren Reformen, die 1867 im Ausgleich mit Ungarn gipfelten. Doch auch abseits davon wurde Geschichte geschrieben, die besonders für die "kleinen Leute" große Auswirkungen hatte: Auf Grundlage des 1867 ebenfalls beschlossenen Vereinsgesetzes gründete sich – mit Erlaubnis des kaiserlichen Statthalters – der Linzer Arbeiterbildungsverein. Vereinszweck war die Unterstützung seiner Mitglieder bei Krankheit. Im Todesfall sollte überdies ein Beitrag zur "Besorgung eines Leichenbegängnisses" geleistet werden. Anfang 1869 beschloss der Verein die Errichtung einer Krankenkasse – ein Meilenstein, der als Gründungstag der Krankenversicherung in Oberösterreich gilt. 1874 wurde daraus die eigenständige "OÖ Arbeiter-Kranken-Kasse", Vorläufer der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse (OÖGKK). Am Anfang wurde nur Krankengeld ausbezahlt. Denn das größte Problem der Arbeiter war das verlorene Einkommen im Krankheitsfall. 1877 erfolgte der nächste Schritt: Eine freiwillige Versicherung bot unentgeltlich ärztliche Behandlung und den Bezug von Medikamenten an. Auch die ersten Krankenscheine wurden für die damals bereits 590 Mitglieder ausgestellt.

Vorläufer Bruderlade

Man kann sich heute kaum vorstellen, was ein Leben ohne Absicherung im Krankheitsfall bedeutet hat. Schon eine kleine Verletzung konnte ganze Familien ins Elend stürzen. Dessen war man sich schon zur Zeit Josephs II bewusst, doch erst nach dem Revolutionsjahr 1848 beschloss man erste Maßnahmen zum Arbeitsschutz. Besonders das Berggesetz 1854 gilt als wichtiger Meilenstein. Bergwerksbesitzer wurden verpflichtet für die Errichtung sogenannter "Bruderladen" zu sorgen. Jeder Bergarbeiter zahlte einen kleinen Teil seines Lohnes in eine Art Handkasse. Sollte ein Kumpel verunglücken, würde diese Kasse für ihn und seine Familie sorgen. Verwaltet wurde das Geld von den Bergleuten selbst.

Soziale Sicherheit

Der Durchbruch gelang mit den Sozialgesetzen der 1880er Jahre. Unfall- und Krankenversicherung wurden für gewerbliche und industrielle Arbeiter und Angestellte verpflichtend, nur Landwirte waren ausgenommen. Die Selbstverwaltung wurde eingeführt. Damit waren die Weichen für ein modernes System der sozialen Sicherheit in Österreich gestellt. In der Folge entstanden zahlreiche Kassen, von Bezirks- bis zu Genossenschaftskrankenkassen. Nach dem Ersten Weltkrieg strebte man die Vereinheitlichung an, weshalb es 1919 zu einer ersten Kassenfusionswelle kam. Der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 bedeutete das vorläufige Ende der Selbstverwaltung und eine Organisation nach deutschem Muster. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Selbstverwaltung wiedereingeführt. Heute hat die OÖGKK rund 1,3 Millionen Versicherte. Die 150 Jahre alte Eigenständigkeit ist aber bald Geschichte, denn die OÖGKK wird mit 1. Jänner 2020 in der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) aufgehen.

Sitz des Verbandes der Krankenkassen OÖ von 1917 bis 1932.
Blick in die Geschichte der Krankenkasse: Das Foto zeigt die Ordination des Zahnambulatoriums Linz im Jahre 1920.

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