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Von der Favela in die Oper

Künstler mit sozialer Ader – Kinder und Opernstars treten zusammen vor imposanter Kulisse in Rio de Janeiro auf.
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  • Künstler mit sozialer Ader – Kinder und Opernstars treten zusammen vor imposanter Kulisse in Rio de Janeiro auf.
  • Foto: Grandes Vozes
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Ein Linzer bringt mit seinem Sozialprojekt in Brasilien Kinder mit den Weltstars der Oper zusammen.

LINZ/RIO DE JANEIRO. Von der Stahlstadt zum Zuckerhut – vor zwölf Jahren verließ Stefan Ganglberger Linz Richtung Südamerika. Zunächst war der gelernte Bauingenieur dort für seinen Arbeitgeber Siemens VAI unterwegs und baute das Stahlwerk von Thyssen Krupp in Rio de Janeiro mit auf. Land und Leute hatten es dem 39-Jährigen schnell angetan und so blieb er und machte sich vor Ort selbständig.

Ein Herz für Kinder in den Favelas

Doch Ganglbergers Herz schlägt auch für die Musik und für die Kinder in den Armenvierteln der Stadt. Daher rief er mit seinem Freund und Geschäftspartner Ilias Tzempetonidis ein musikalisches Sozialprojekt ins Leben, dass die Stars der Opernwelt mit jungen Musikern und Schülern in Rio zusammenbringt. Als Casting-Direktor an der Pariser Oper ist Tzempetonidis mit den Größen der Szene bestens vernetzt. Eine Woche verbringen die Sänger am Theatro Municipal do Rio de Janeiro und lernen dabei junge brasilianische Talente sowie Schulkinder aus den Favelas kennen.

Vier international bekannte Sänger stellten sich 2019 im Municipal-Theater in den Dienst der guten Sache. Dabei kommen jeweils fünf ausgewählte Gesangstalente in den Genuss professioneller und kostenloser Gesangsstunden. "Gemeinsam mit den Künstlern arbeiten sie an ihrem Gesang und Repertoire, und das völlig kostenfrei", erzählt Ganglberger.

An den schönsten Plätzen Rios

Die Opernsänger gehen bei ihrem Besuch auch direkt in die Schulen in den sozialen Brennpunkten der Millionenstadt Rio. "Vom Staat her gibt es wenig Unterstützung. Die rechtspopulistische Regierung will die Kultur eher abdrehen", sagt Ganglberger. Gesangs- und Musikunterricht seien daher stark vom Engagement der Lehrer abhängig. Die Kürzungen wirken sich auch auf das Opernhaus aus. 2018 fiel am Municipal-Theater die ganze Saison aus. Bei "Great Voices in Rio" studieren die Künstler mit den Kindern an der Schule vier bis fünf Lieder ein. Das Ergebnis führen sie dann gemeinsam an öffentlichen und bekannten Plätzen wie etwa an der monumentalen Christusstatue auf.

"Oft erster Besuch im Opernhaus"

500 Schulkinder lädt man dann auch mit ihren Eltern zur Vorstellung im berühmten Opernhaus ein. Sie werden dazu mit Bussen aus ihren Wohnvierteln zur Oper gebracht – oft wäre für die Familien selbst ein Busticket zu teuer. Karten kosten schnell einmal bis zu 55 Euro. Zum Vergleich: das monatliche Durchschnittseinkommen in Rio liegt bei rund 250 Euro. "Für die Schüler ist es oft der erste Besuch in einem Musikhaus. Es ist ein beeindruckendes Erlebnis für die Kinder zu hören, dass eine einzelne Stimme ein ganzes Opernhaus ausfüllt", sagt Ganglberger. Die Weltstars der Oper sind teilweise erstmals in Südamerika zu hören. Sie kommen wegen der Verbindung mit dem Sozialaspekt und davon profitiert auch das Opernhaus. Bisher stemmte Ganglberger das Projekt finanziell großteils alleine. Für 2020 laufen die Verhandlungen mit zwei großen Sponsoren recht gut. Ganglberger zeigt sich zuversichtlich und will sein Projekt auf weitere Städte und Länder in Südamerika ausweiten.

Autor:

Andreas Baumgartner aus Linz

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