Menschen im Gespräch
Was macht ein Begegnungsraum in Zeiten des Social Distancing?

Markus Pühringer ist einer von vier hauptamtlichen Mitarbeitern im Urbi@Orbi.
  • Markus Pühringer ist einer von vier hauptamtlichen Mitarbeitern im Urbi@Orbi.
  • Foto: DiözeseLinzAppenzeller
  • hochgeladen von Christian Diabl

Die Corona-Pandemie hat den Begegnungsraum Urbi@Orbi ins Internet gezwungen. Wir wollten von Markus Pühringer wissen, wie das läuft.

LINZ. Das Urbi@Orbi ist ein offener Begegnungsort der Diözese Linz in der Bethlehemstraße 1a. Aufgrund der derzeit geltenden Corona-Maßnahmen ist der Präsenzbetrieb allerdings geschlossen.

Was macht ein Ort der Begegnung, wenn man Begegnungen möglichst vermeiden soll?
Das ist natürlich eine große Herausforderung. Wir haben am 11. März unseren Präsenzbetrieb geschlossen und schon eine Woche später mit regelmäßigen Online-Cafés begonnen. Das ist sehr positiv angenommen worden. Gerade im ersten Lockdown war der Gesprächsbedarf sehr groß. Wir haben damit auch neue Menschen angesprochen, sogar welche aus Deutschland, Kärnten oder Wien. Freilich haben viele Menschen diesen "Umzug" nicht mitgemacht. Das liegt an den technischen Hürden, aber auch einer gewissen Müdigkeit. Mit diesen Menschen bleiben wir so gut es geht in telefonischem Kontakt.

Was sind die größten Herausforderungen beim virtuellen Begegnen?
Wir haben sehr rasch gelernt, dass diese Form der Kommunikation auch ihre Regeln braucht und eine gute Moderation. Mit der Zeit zeigt sich aber, dass die virtuellen Treffen nicht alles ersetzen können. Man sieht immer nur einen kleinen Ausschnitt der anderen Menschen. Man kann ihnen nicht die Hand geben. Man kann nicht einfach mit jemanden vorher oder nachher plaudern. Man kann einander nicht wirklich in die Augen sehen. Das macht es schon etwas mühsam. Dennoch sind wir überzeugt, dass wir ein sehr wertvolles Medium geschaffen haben, in dem vor allem Menschen, die sonst sehr viel Zeit alleine verbringen, mit anderen Menschen in Austausch kommen. Unseren Präsenzbetrieb öffnen wir, wenn es die gesetzlichen Regelungen erlauben.


"Die Menschen sind nicht bloß Opfer"

Wie geht es den Leuten, die zu Ihnen kommen?
Zu uns kommen sehr viele ältere Menschen, die oft alleine sind, die große Angst vor der Erkrankung haben oder die finanzielle Nöte plagen. Andere fragen sich, warum Gott so etwas zulassen kann. Ich glaube, wir sind alle in diesen Zeiten sehr gefordert. Die Menschen entwickeln aber auch Strategien, sind nicht bloß Opfer der Umstände: Viele gehen wieder mehr spazieren, meditieren oder betreiben Sport. Man gönnt sich etwas Gutes, pflegt bewusster die Kontakte zu guten Freunden.

Was sind die auffälligsten Veränderungen, die Sie im Laufe des letzten Ausnahme-Jahres bei euren Gesprächspartnern festgestellt habt?
Vor einem Jahr war das alles noch sehr neu, beängstigend oder auch aufregend. Mittlerweile haben viele Menschen in dieser Situation ihre Routinen gefunden. Es macht sich aber sehr deutlich eine Müdigkeit breit, so viel vor dem Computer zu sitzen oder immer wieder jemanden anzurufen. Man sehnt sich nach dem Kaffeehaus, einem Restaurantbesuch oder einem Konzert. Viele würden einfach gerne zwanglos wieder andere Menschen treffen wollen. Es zeigt sich, dass der Mensch ein Beziehungswesen ist.


"Wir möchten die Gemeinschaft am Leben erhalten"

Wird dieses virtuelle Angebot nach Corona bestehen bleiben?
Ja, das haben wir jedenfalls vor. Wir möchten auch die Gemeinschaft, die sich virtuell gefunden hat, gerne am Leben erhalten. Zudem überlegen wir auch hybride Formen, also Veranstaltungsformate, wo man sowohl in Präsenz als auch übers Internet dabei sein kann.

Was bieten Sie sonst noch?
Wir bieten auch unsere sonstigen Angebote virtuell an: eine Dankbar-Leben-Gruppe, die "Märchenstunde", ein wöchentliches Bibelgespräch. Vor unserer Einrichtung in der Bethlehemstraße gibts immer wieder mal "URBI to go“, kleine Geschenke kombiniert mit unserem Programm und einem Impuls zum Nachdenken. In den letzten Wochen haben wir auch einige Außenaktionen auf der Landstraße gemacht.

Die Angebote kann man gerne auch auf urbiorbi.at nachlesen.


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