Weihnachten, das Fest der Schulden?

Was macht Weihnachten aus? Sind es die großen und teuren Geschenke oder die gemeinsam verbrachte Zeit?
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Alle Jahre wieder steigen die Umsätze im Weihnachtsgeschäft. Die Österreicher werden 2017 um vier Prozent mehr als im Vorjahr ausgeben. Davon geht das Österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO aus. "Jeder fünfte ausgegebene Euro im Dezember ist dem Weihnachts-Shopping zuzurechnen", so WIFO-Experte Jürgen Bierbaumer-Polly. Zeitversetzt zum Jubel über das Umsatzplus, wenden sich ab Februar mehr Menschen an die Schuldnerberatung OÖ auf der Linzer Spittelwiese. Etwa 3.000 Beratungen von Privatpersonen werden jährlich durchgeführt. Im Schnitt haben die Klienten einen Schuldenrucksack von 70.000 Euro zu schultern.

Jetzt kaufen, später zahlen

Eine „Schuldenfalle Weihnachten“ kann durch genaue Zahlen nicht belegt werden. Doch gerade zur Weihnachtszeit gäbe es eine Tendenz dazu, trotz finanzieller Nöte den Anschein von Normalität wahren zu wollen. So viel lässt sich aus den Beratungsgesprächen heraushören, so Thomas Berghuber, Geschäftsführer der Schuldnerberatung OÖ. Die Verwandtschaft erwartet Geschenke und man selbst möchte nicht als Spielverderber dastehen. "Wer Schulden anhäuft, ist meist sowieso gut darin, Dinge zu verdrängen", erklärt der Linzer Schuldenexperte. In Österreich gelten etwa zehn Prozent der Menschen als überschuldungsgefährdet. Meist ist das Weihnachts-Shopping nur das Tüpfelchen auf dem i. Konsumausgaben bringen zusätzlich zu Kreditraten, Mahnspesen oder Inkasso-Gebühren das Fass zum Überlaufen. „Können Rechnungen nicht mehr bezahlt werden, steigen Schulden in Einzelfällen auf das Fünf- bis Zehnfache an“, so Berghuber weiter.
Oft liege die Ursache von Überschuldung in einer zu geringen Finanzkompetenz. Weniger zahlungskräftige Kundschaft wird von Versandhäusern oder dem Elektrohandel mit speziellen Angeboten gelockt. Berghuber nennt das Beispiel kreditfreier Ratenzahlungen: Das Geschäftsmodell wird mit überteuerten Kreditangeboten von Banken gegenfinanziert, die den neu gewonnenen Kunden alsbald per Post ins Haus flattern, so der Experte.

Ausgaben genau planen

Für die Weihnachtszeit empfiehlt der Experte die Festlegung eines Weihnachtsbudgets. Dabei sollten Ausgaben für Geschenke, Essen oder den Urlaub mit berücksichtigt werden. Im Einkaufstrubel macht es Sinn, eher auf Barzahlung statt Bankomatkarte zu setzen. Wer nur so viel Geld ins Geschäft mitnimmt, wie er ausgeben möchte, vermeidet Spontankäufe. Ein Kontoüberzug kann mit bis zu zwölf Prozent an Minuszinsen zu Buche schlagen. Generell ist es empfehlenswert, sich eine Übersicht über Einnahmen und Ausgaben mittels eines Haushaltplans zu verschaffen. Ein Haushaltsbuch mit entsprechender Anleitung kann kostenfrei bei der Schuldnerberatung OÖ bestellt werden. Neben der Schuldenberatung wird vor Ort eine vorbeugende Budgetberatung angeboten.

Kreativ Schenken

Schenken muss nicht kaufen heißen. Trotz kleinen Budgets können Freunde und Familie reich beschenkt werden. Kreative Geschenkideen sind oft persönlicher als Spielkonsolen, Handys oder Parfüms.

• Teilen Sie Ihr Wissen: Verschenken Sie Gutscheine für Reparaturen im Haushalt oder bringen Sie Bekannten und Verwandten Smartphone, Digitalkamera oder das Internet näher.
• Verschenken Sie Zeit: Planen Sie eine gemeinsame Wanderung oder Radtour für das nächste Jahr, veranstalten Sie einen gemeinsamen Kochabend in Ihrer Wohnung oder laden Sie zu einer Lesung aus Ihrem Lieblingsbuch ein.
• Aus Alt mach Neu: Im Internet finden sich witzige Upcycling-Ideen. Basteln Sie Schmuck aus Kaffeekapseln, stellen Sie Ihre eigenen Fotokerzen her oder nähen Sie Taschen aus Ihren alten Jeans.

Beratungsstellen

Schuldnerberatung OÖ, Spittelwiese 3, 4020 Linz, Tel. 0732/77 55 11, linz@schuldnerberatung.at; http://www.ooe.schuldnerberatung.at/
Schuldnerhilfe OÖ, Stockhofstraße 9, 4020 Linz, 0732/777734, linz@schuldner-hilfe.at; http://www.schuldner-hilfe.at

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