Weniger Gehalt schreckt Väter ab

Etwa ein Drittel der österreichischen Männer in Väterkarenz nutzt derzeit das einkommensabhängige Modell. Foto: detailblick/Fotolia
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LINZ (jog). Nur knapp 18 Prozent nutzen die Chance. Sie werden zwar heute nicht mehr belächelt, aber Männer, die in Österreich in Karenz gehen, sind dennoch deutlich in der Minderheit. Dabei hat die intensivere Zeit mit den Kindern viele Vorteile: "Vor meiner Karenz hatte ich wenig Bezug zu meinen Jungs. Meistens kam ich so spät von der Arbeit nach Hause, dass sie schon längst im Bett waren." Norbert Langeder hat sich vor zwei Jahren für eine Väterkarenz entschieden und zwei Monate intensiv mit seinen beiden Zwillingssöhnen verbracht. "Ich dachte, dass ich dann Zeit habe, meine Musikdatenbank zu ordnen, aber es kam dann doch ganz anders. Man ist permanent beschäftigt, nicht nur mit den Kindern, sondern auch im Haushalt. Trotzdem kann ich wirklich jedem Jungvater empfehlen, sich diese Auszeit zu nehmen", so der Unternehmenssprecher.

Vorbild Island
Er hat sich für das aktuell beliebteste einkommensabhängige Modell mit zwei Monaten Karenz entschieden. Dabei werden bis zur Vollendung des 12. Lebensmonats des Kindes 80 Prozent der Letzteinkünfte ausgezahlt. Maximal erhält man bei dieser Variante 66 Euro täglich, das sind rund 2000 Euro monatlich. Die Karenzmodelle in Europa sind sehr unterschiedlich. Skandinavischen Länder sind weiterhin Vorbilder: Ein Teil der Karenz ist hier strikt für Väter reserviert. So stehen etwa in Island neun Monate gut bezahlte Karenz zur Verfügung, wovon drei den Vätern vorbehalten sind.

Exoten am Spielplatz
"Sobald das Kind nicht mehr gestillt wird, kann der Vater die Betreuung übernehmen. Um eine intensive Beziehung mit dem Kind aufzubauen, ist exklusive Zeit mit dem Papa ganz wichtig. So machen sie eine Differenz-Erfahrung, nämlich, dass es unterschiedliche Reaktionsweisen gibt", sagt der Linzer Sozialarbeiter und Männerberater Markus Kraxberger. Als er vor 15 Jahren selbst das erste Mal in Väterkarenz ging, zählte er zu den absoluten Ausnahmen in seinem Umfeld. Das hat sich inzwischen geändert: "Die Möglichkeit zur Väterkarenz hängt natürlich sehr stark vom Arbeitgeber und dessen Unternehmenskultur ab. Ich kenne allerdings Beispiele von Männern in traditionellen handwerklichen Berufen, wo die Kollegen sehr skeptisch reagiert haben", so Kraxberger. Für viele Väter seien Einbußen beim Lohn ein wesentlicher Grund, nicht in Väterkarenz zu gehen. "Viele Männer stürzen sich auch nach einer Karenz wieder voll in die Arbeit, weil dann das klassische Rollenbild des Versorgers sehr stark durchkommt", so Kraxberger. Zudem entsteht die Angst, dass in der Karenz der Kontakt zum Unternehmen abreißt und dadurch ein Wiedereinstieg in die Arbeitswelt erschwert wird.

Linzer Papamonat
"Viele Unternehmen organisieren Kurse und Weiterbildungen, damit die Väter Kontakt zur Firma halten können", so der Männerberater. Seit 2011 bietet die Stadt Linz ein eigenes Modell für den Papamonat für Väter im öffentlichen Dienst. Im Gegensatz zum Land, wo die Väter die gesamte Dauer der Vaterschaftsfrühkarenz gegen Entfall der Bezüge in Anspruch nehmen können, erhalten Mitarbeiter der Stadt Linz im Papamonat eine zusätzliche Woche bezahlten Sonderurlaub. Seit 2011 haben 47 Männer im Magistrat den Papamonat genützt, für heuer sind bereits drei weitere angemeldet.

Infoabend für Väter
Im Familienzentrum Pichling findet am 26. Jänner ab 19 Uhr ein kostenloser Informationsabend für werdende und junge Väter mit Markus Kraxberger statt. Infos und Anmeldung unter: 0732/320071 oder familienzentrum.pichling@mag.linz.at

Autor:

Johannes Grüner aus Urfahr-Umgebung

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