Menschen im Gespräch
Widerständige Comics von Thomas Fatzinek

"Der letzte Weg" ist eine Geschichte von Thomas Fatzinek über den Widerstand im Ghetto von Białystok.
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  • "Der letzte Weg" ist eine Geschichte von Thomas Fatzinek über den Widerstand im Ghetto von Białystok.
  • Foto: Bahoe Books
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Comiczeichner Thomas Fatzinek über seine Jugend in Linz, das Thema Widerstand in seinen Geschichten und ein überraschend frühes Karriereende.

LINZ. Der Linzer Thomas Fatzinek ist Wachmann in Wien. Bis vor Kurzem war er Comiczeichner. Ab 13. März sind seine Bilder beim Next Comic-Festival im StifterHaus zu sehen. Seit 2016 veröffentlichte er fünf Comicbände.

Sie sind in Linz aufgewachsen. An was erinnern Sie sich besonders gerne?
In meiner Jugend bin ich viel mit "übel beleumundeten Jugendlichen" abgehangen, den Hippies, Punks und so weiter. Da gab es ein paar Leute, die ich wirklich mochte. Ansonsten habe ich keine besonders positiven Erinnerungen an die Stadt.

Warum das?
Als Kind fällt einem ja vieles auf, woran man sich in späteren Jahren gewohnt hat und vermutlich ist es auch keine Linzer Spezialität, aber der Mangel an Fantasie und Empathie, der unter der freundlichen Fassade immer wieder durchschien, machte mir Angst. Na, die Leute waren in Salzburg oder Graz vermutlich nicht viel anders, und was damals verstohlen geflüstert wurde wird mittlerweile von ranghöchsten Politikern ohne Scham in die Welt posaunt.


"Superheldencomics sind langweilig"

Welche Comics haben Sie als Kind gelesen?
In der Volksschule "Bessy" und andere Westerncomics. In der Hauptschule dachte ich dann, dass es an der Zeit ist "erwachsenere" Sachen zu lesen und habe Superheldencomics versucht. Die haben mich aber so gelangweilt und langweilen mich noch heute, dass ich dann jahrelang jede Lust an Bildgeschichten verlor, bis ich mit circa 18 Jahren die U-Comix entdeckte.

Wie sind Sie dann zum Comic-Zeichnen gekommen?
Das war ein langer Weg. Irgendwann Ende der 1980er Jahre habe ich beschlossen, Comiczeichner zu werden, was aber gar nicht so leicht ist, wenn man nicht zeichnen kann. Ich habe dann jahrelang versucht, es mir beizubringen, erst als Autodidakt, nach dem Umzug nach Wien an der künstlerischen Volkshochschule. Von 2000 bis 2004 studierte ich an der Wiener Kunstschule Druckgrafik. Die Jahre danach waren ein einziger Kampf mit dem Arbeitsmarktservice. Letztes Jahr habe ich eingesehen, dass ich einfach nicht gut genug bin, weshalb ich auch kein Comiczeichner mehr bin, sondern Mitarbeiter in einer Wachfirma.

Sie haben aufgehört?
Ja.

Gab es künstlerische Vorbilder?
Nein. Es gibt Zeichner und Bücher, die ich bewundere, aber ich wollte immer "mein Ding" machen.

Was kann ein Comic, was andere Literaturformen nicht können?
"Durch den leichteren Zugang können mit diesem Medium auch Personen mit einem Thema bekannt gemacht und interessiert werden, die sonst kein Buch dazu lesen würden"... dachte ich. Zumindest für meine Bücher kann ich das nicht bestätigen, soweit ich meine Leser kennengelernt habe, sind das Menschen, die wissen, wovon ich in meinen Büchern erzähle, in der Regel Antifaschisten.


"Ich wollte die Wahrheit wissen"

Ihre Geschichten handeln vor allem von Widerstandskämpfern im Zweiten Weltkrieg. Warum?
Es gab nie einen Schnitt mit dem Nationalsozialismus. Es gab eine Befreiung durch die Alliierten, die von den Leuten aber als Besatzung und verlorener Krieg wahrgenommen wurde und ab 9. Mai 1945 hieß es: "Jetzt sollte man diese alten Geschichten aber langsam ruhen lassen". Dieses Schweigen empfand ich als Kind als unerträglich laut. Ich wollte die Wahrheit hinter all den Anspielungen und vielsagenden Blicken wissen.

Wie wichtig ist die historische Recherche für Ihre Arbeit?
Sie ist das Wichtigste daran.

Wie lange zeichnen Sie an einem Comicbuch?
Das ist schwer zu sagen, vom Beginn der Recherche bis zum letzten Strich vergingen im Schnitt drei Jahre, aber da gab es immer viele Zeiten in denen "die Welt da draußen" so fordernd war, dass ich nicht arbeiten konnte.

Hier geht's zur Webseite des Künstlers.

Autor:

Christian Diabl aus Linz

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