LINZA G'SCHICHTN
Wirtin mit großem Herz

Juliane Ratzenböck und Ehemann Michael stehen seit sechs Jahren in "Julia’s Wohnzimmer" gemeinsam hinter der Ausschank.
  • Juliane Ratzenböck und Ehemann Michael stehen seit sechs Jahren in "Julia’s Wohnzimmer" gemeinsam hinter der Ausschank.
  • hochgeladen von Andreas Baumgartner

Seit 14 Jahren fühlt sich eine bunte Mischung von Gästen in Juliane Ratzenböcks "Wohnzimmer" wohl.

LINZ. Ein unscheinbares Lokal versteckt sich direkt im Wohngebiet an der Ecke Linke Brückenstraße und Finkstraße. Doch der erste Eindruck könnte täuschen. Wer “Julia’s Wohnzimmer” zum erstem Mal betritt, dem kann es passieren, dass einem der Getränkewunsch bereits von den Lippen abgelesen wird. Wirtin Juliane Ratzenböck ist seit mittlerweile 40 Jahren in der “Gastro” und hat daher eine gewisse Menschenkenntnis für ihre Kunden entwickelt – “dennoch, man lernt nie aus”, sagt sie im Nachsatz.

Mit dem Lift ins Wohnzimmer

Vor 14 Jahren hat Julia sich gegenüber der Straßenbahnhaltestelle ihren Traum vom eigenen Lokal erfüllt. Personalmangel in der Gastronomie kennt sie nicht: Viele Jahre betrieb sie das Lokal größtenteils alleine, seit sechs Jahren führt sie dies mit ihrem Ehemann Michael. “Ein Wirtshaus zum Essen, Trinken, Probleme-Wälzen. Ich bin hier zugleich Krankenschwester und Psychologin”, erzählt sie aus ihrem Berufsalltag. "Hier kennt jeder jeden und natürlich gehen einem viele Geschichten sehr nah." Man merkt schnell, der Name “Wohnzimmer” ist mehr als passend: Manche Stammgäste haben hier sogar ihre Zweitschlüssel hinterlegt. Auch Julia und ihr Mann wohnen direkt im Haus und fahren mit dem Lift in die Arbeit.

”Gäste schaffen Ambiente”

Eine bunte Mischung findet sich hier regelmäßig ein. “Banker, Punker, Philosophen, Arbeiter und Pensionisten”, sagt Julia. “Es sind die Gäste, die das Lokal ausmachen, die auch das Ambiente schaffen und diese Vielfalt schafft den Wohlfühlfaktor im Wohnzimmer.” Auch Journalist Martin Wassermair kehrt hier immer wieder gerne ein. Das "Wohnzimmer" bezeichnet er als einen “Treffpunkt der Generationen”. Im “Checkpoint Julie”, wie Julia ihr Lokal selbst liebevoll nennt, heißt das, dass sich die Stammgäste auch einbringen und kreativ mitgestalten.
Julia beschloss, ab Mai letzten Jahres das Lokal rauchfrei zu führen. Schlussendlich akzeptierten auch die qualmenden Stammgäste die Umstellung, was nicht selbstverständlich ist: “Kaum ein Gast ist wegen dem Rauchverbot nicht mehr gekommen. Wir haben sogar welche dazugewonnen”, erzählt Julia mit gewissem Stolz. Für die Wirtin ein aussagekräftiger Treuebeweis. Geraucht wird derzeit in einem im Gastgarten aufgebauten Pavillon, in dem sich auch eine Heizung und ein Radio befinden. Weil es so gemütlich ist, sitzen dort mittlerweile auch Nichtraucher draußen.

"Leben und leben lassen"

An den Ruhestand verschwendet Julia nach wie vor keinen Gedanken. Wenn sie über ihr Lokal philosophiert, kommen ihr Sätze wie “Leben und leben lassen” oder von der “Leichtigkeit des Seins” über die Lippen.
Das Geheimnis sei, ständig am Ball zu bleiben, sich neu zu erfinden. Bei den kreativen Einfällen steht ihr Gatte Michael stets zur Seite. Man müsse es eben gerne machen, sonst hält man nicht so lange in diesem Beruf durch, aber das sei in jedem Dienstleistungsberuf so, meint Julia. Immerhin könne sie sich ihre Kundschaft selbst aussuchen. In einem Pflegeberuf etwa sei das nicht so einfach wie an der Ausschank.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen