Gabriela Moser
"Denen werde ich die Suppe versalzen"

Die grüne Aufdeckerin Gabi Moser starb am 12. März 2019 im Alter von 64 Jahren in Linz.

Nach dem Grasser-Urteil erinnern viele an die 2019 verstorbene grüne Aufdeckerin Gabriela Moser, eine Linzerin, ohne die es diesen Prozess womöglich gar nicht gegeben hätte. Wir haben mit ihrem Witwer Rolf Moser darüber gesprochen.

LINZ. Es dürfte einer der schwersten Momente in Gabriela Mosers politischer Karriere gewesen sein: Am 9. Februar 2015 musste sie im Anschluss an die ZiB2 einen 25-sekündigen Widerruf verlesen. Geklagt hatte ein gewisser Karl-Heinz Grasser, den Moser einen "Schutzpatron der Steuersünder" genannt hat und rechtskräftig verurteilt wurde, diese Behauptung zu widerrufen. "Das hat sie ziemlich geärgert", erinnert sich ihr Witwer Rolf Moser im Gespräch mit der StadtRundschau. Auch, weil sie die Sache nicht mehr richtigstellen konnte.


"Sie wäre zufrieden"

Der vergangene Freitag wiederum hätte einer ihrer schönsten Momente sein können, wäre sie nicht im März 2019 verstorben. Denn an diesem 4. Dezember wurde Grasser in der Buwog-Causa – nicht rechtskräftig – zu acht Jahren Haft verurteilt. Ein Urteil, das viel mit der Aufdeckerin Gabriela Moser zu tun hat, mit ihrem Sinn für Gerechtigkeit und vor allem ihrer Hartnäckigkeit. Mehr als 30 parlamentarische Anfragen hatte die grüne Abgeordnete dazu eingebracht. 2009 hatte ihre Sachverhaltsdarstellung wegen Korruptionsverdacht die Ermittlungen überhaupt erst ins Rollen gebracht, die nun zu dem Urteil geführt haben. "Ich glaube, sie wäre zufrieden gewesen", sagt deshalb auch ihr Witwer. Wobei sie damit nicht unbedingt gerechnet hat. "Es war für sie ganz klar, dass er das gemacht hat, aber das war aus ihrer Sicht schwierig zu beweisen", sagt Moser.


Druck ja, aber keine Drohungen

Neben ihrer Hartnäckigkeit hatte Gabriela Moser einen Vorteil: Sie konnte als Politikerin immer gut mit Menschen reden, auch wenn sie einer anderen Fraktion angehörten. "Dadurch hat sie viel erfahren, auch von Beamten in Ministerien", sagt ihr Witwer. Leicht war die Arbeit als Aufdeckerin aber nicht. So war die Klage Grassers nicht die einzige juristische Auseinandersetzung zwischen ihr und dem Ex-Finanzminister. Und auch nicht der einzige Versuch Druck auszuüben. Immer wieder wollten Anwälte einer Gegenseite "nur mit ihr reden". Richtige Drohungen hat es jedoch nicht gegeben.


Fälle, die sie empört haben

Der Buwog-Skandal war sicher ihr größer Erfolg, aber nicht der einzige Skandal, in den sie sich als Aufdeckerin verbissen hat. Politisiert hatte Gabriela Moser einst aber der Umweltschutz. Von 1985 bis 1991 setzte sich die AHS-Lehrerin als Linzer Gemeinderätin für sauberere Luft in der Stahlstadt ein. Ab 1994 war sie mit zwei Jahren Unterbrechung bis 2017 im Nationalrat. Erst als Verkehrssprecherin, dann als Bau- und Wohnsprecherin im grünen Parlamentsklub, war sie immer wieder mit Vorgängen konfrontiert, die ihr seltsam erschienen sind. Und oft wurden daraus Fälle, die sie sehr empört haben, wie etwa die Vergabe der Mobilfunk-Lizenzen, der Skylink-Skandal, Ungereimtheiten bei der ÖBB oder dem Wiener Stadterweiterungsfonds. "Sie hat sich als Politikerin dem Land verpflichtet gefühlt", sagt Rolf Moser. Da habe sie es einfach nicht hinnehmen können, dass es Leute gibt, die ihre Position schamlos ausnützen. "Denen werde ich die Suppe versalzen", war ihr Motto. Auf die Buwog-Affäre ist sie durch Zufall gestoßen. "Sie hat sich gewundert, was da los ist, hat nachgegraben und dann ist immer mehr daraus geworden", erinnert sich Rolf Moser.  

Ein Abschied mit Kränkung

Die Grünen sind bis heute stolz auf ihre Aufdeckerin und erinnerten zuletzt auch am Tag des Grasser-Urteils an sie. Das Ende ihrer politischen Laufbahn war trotzdem nicht harmonisch. Bei der Erstellung der Landesliste für die Nationalratswahl 2017 landete Moser nur auf dem dritten Platz. "Sie hat das nach außen nicht so gezeigt, aber das war schon eine ziemliche Kränkung", erinnert sich ihr Witwer. Sie habe damals das Gefühl gehabt, dass ihre Arbeit nicht anerkannt wurde. Mit der Performance der türkis-grünen Bundesregierung hätte Moser übrigens eher keine Freude gehabt: "Das ist alles Show und hat wenig Substanz. So etwas hat sie gehasst."

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