Linza G'schichten
Edmund Aigner: Postler, Hausmann, Bürgermeister

Edmund Aigner an seinem Arbeitsplatz, er war von 1962 bis zu seinem Tod 1968 Linzer Bürgermeister.
5Bilder
  • Edmund Aigner an seinem Arbeitsplatz, er war von 1962 bis zu seinem Tod 1968 Linzer Bürgermeister.
  • Foto: Archiv der Stadt Linz
  • hochgeladen von Christian Diabl

Kaum Prestigeprojekte, aber viel Aufbauarbeit prägten die Ära von Bürgermeister Edmund Aigner von 1962 bis 1968. Anlässlich der Bürgermeisterwahlen im Herbst porträtiert die StadtRundschau bis dahin die Linzer Stadtoberhäupter der zweiten Republik.

LINZ. Kaum eine Generation hat die wechselvolle österreichische Geschichte so intensiv erlebt wie jene, die um 1900 geboren ist. So wie der Gaspoltshofner SPÖ-Politiker Edmund Aigner, der dem legendären Ernst Koref 1962 als Linzer Bürgermeister nachgefolgt ist.

Vom Postler zum Politiker

Eigentlich wollte Aigner, wie sein Vater Lehrer werden. Als dieser jedoch früh starb, musste er seine Ausbildung aus finanziellen Gründen abbrechen und trat 1917 in den Post- und Telegraphendienst ein. Schon 1920 wurde er Landessekretär der "Freien Postgewerkschaft" und SPÖ-Mitglied. Ab 1927 war Aigner Linzer Gemeinderat, ab 1932 auch Landtagsabgeordneter. Beide politische Funktionen endeten abrupt am 12. Februar 1934 mit dem Verbot der Sozialdemokratie durch das Dollfuß-Regime. Da sich Aigner den Revolutionären Sozialisten im Untergrund anschloss, wurde er auch als Postbeamter zwangspensioniert und in der Folge Hausmann. Er kochte und ging auf den Markt, während seine Frau Hermine, mit der er seit 1930 verheiratet war, als Angestellte in einer Rechtsanwaltskanzlei, für das Familieneinkommen sorgte. Da er sich weiter politisch engagierte, wurde er immer wieder verhaftet und saß just im Rathaus ein, in das er später als Bürgermeister einziehen sollte.

Wehrmacht und Kriegsgefangenschaft

Nach der Machtergreifung der Nazis wurde Aigner als Postbeamter reaktiviert und 1941 in die Wehrmacht eingezogen, wo er Dienst in verschiedenen Fernsprechvermittlungsstellen versah, ehe er in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Die Russen entließen ihn wegen Arbeitsunfähigkeit aber bereits im Juli 1945 und er kehrte "dermaßen abgemagert, dass ihn selbst engste Freunde kaum wiedererkannten" nach Linz zurück. Aigner erholte sich und nahm seine politische Tätigkeit wieder auf. Im November 1945 wurde er Nationalratsabgeordneter, der im Finanz- und Budgetausschuss viel Erfahrung sammeln konnte. 1962 folgte er Ernst Koref als Linzer Bürgermeister nach.

Prestigeprojekte gab es in der Ära Aigner kaum, eine Ausnahme war die Eröffnung der Linzer Hochschule.
  • Prestigeprojekte gab es in der Ära Aigner kaum, eine Ausnahme war die Eröffnung der Linzer Hochschule.
  • Foto: Archiv der Stadt Linz
  • hochgeladen von Christian Diabl

Florierende Wirtschaft

Seine Regierungszeit stand ganz im Zeichen des Wirtschaftswunders. Gut gefüllte Stadtkassen ermöglichten dringende Investitionen in das stark gewachsene Linz, vor allem in Schulen, Kindergärten, den Wohnbau und die Verkehrsinfrastruktur. Auch heute selbstverständliche Leistungen wie Wasserversorgung, Kanalisation und Gasleitungen mussten saniert oder erweitert werden. Dieser kontinuierliche Ausbau der Grundversorgung kennzeichnet die Ära Aigner, Prestigeprojekte gab es hingegen wenige. Zumindest die Linzer Hochschule, die heutige Johannes Kepler Universität, konnte er 1966 eröffnen. Auch der Bau des Brucknerhauses wurde vorangetrieben, wenngleich der Grundsatzbeschluss noch unter Koref erfolgte und Aigner die Fertigstellung nicht mehr erlebte. Kein Großprojekt, aber dafür umso wichtiger war der Neubau der 1938 zerstörten Synagoge, die im April 1968 mit einem Festakt eingeweiht werden konnte.

Aigner wurde unter großer Anteilnahme der Linzer Bevölkerung verabschiedet.
  • Aigner wurde unter großer Anteilnahme der Linzer Bevölkerung verabschiedet.
  • Foto: Archiv der Stadt Linz
  • hochgeladen von Christian Diabl

Unerwarteter Tod

Es war einer der letzten wichtigen Ereignisse seiner Amtszeit, denn Aigner starb völlig unerwartet am 3. Mai 1968 an den Folgen eines schweren Herzinfarktes – am Höhepunkt seiner politischen Karriere. Ein halbes Jahr zuvor hatte Aigner bei seiner ersten Gemeinderatswahl als Bürgermeister ein sattes Plus von fast sieben Prozent eingefahren und für seine SPÖ die souveräne absolute Mehrheit geholt. Zur Trauerfeier strömten am 9. Mai viele Linzerinnen und Linzer auf den Hauptplatz. Auch zahlreiche Würdenträger aus Stadt, Land und Bund erwiesen Aigner die letzte Ehre. Die Trauerrede hielt sein enger politischer Weggefährte und Nachfolger Theodor Grill. Der konfessionslose Aigner wurde auf dem Urnenfriedhof bestattet. Seine Frau Hermine überlebte ihn um fast drei Jahrzehnte.

Mehr Informationen über die Geschichte der Linzer Stadtpolitik finden Sie in der aktuellen Publikation des Archivs der Stadt Linz.

Walter Schuster und Cornelia Daurer (Hrsg.)
Die Gemeindevertretung der Stadt Linz von 1968 bis heute
Historisches Jahrbuch der Stadt Linz 2019/20,
ISBN 978-3-900388-64-5, 523 Seiten, 35 Euro

Fünf Jahrzehnte und sechs Bürgermeister
Anzeige
Die LINZ AG ist weit über die Grenzen Österreichs hinaus ein Vorbild, wenn es um Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit, Kundenorientierung und Innovationskraft geht.
Video 3

Zukunft leben mit der LINZ AG

Die LINZ AG sorgt mit ihren umfassenden Dienstleistungen dafür, dass die Lebensqualität in Linz und Umgebung konstant auf höchstem Niveau liegt – und dass das auch in Zukunft so bleibt. Über 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei der LINZ AG 365 Tage im Jahr im Einsatz, damit es in der oberösterreichischen Landeshauptstadt und 116 Umlandgemeinden an nichts fehlt. Das Unternehmen sichert die Grundversorgung der Menschen in der Region und stellt wesentliche Infrastruktur für den Alltag...

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!




Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen