Breite Ablehnung
Rechtsextreme stürmen in leeres Foyer des Pastoralamtes

Keine Abnehmer für ihre Flugblätter fanden die Identitären im Pastoralamt der Diözese Linz.
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  • Keine Abnehmer für ihre Flugblätter fanden die Identitären im Pastoralamt der Diözese Linz.
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Gestern stürmten vermummte Rechtsextremisten den Eingangsbereich des Pastoralamtes in Linz. Sie wollten damit gegen einen Gedenkort für Ertrunkene protestieren. Landes- und Stadtpolitiker solidarisieren sich mit der Kirche. Auch der Linzer FPÖ-Chef Markus Hein geht auf Distanz zu der Aktion. Ob die fehlende Abgrenzung der Bundes-FPÖ unter Kickl zu den Identitären Auswirkungen auf Koalitionsbildungen in Land und Stadt hat, ist aber unklar.

LINZ. Nur der Portier war Zeuge: Am 23. September um etwa 15 Uhr stürmten bis zu 15 Männer das Foyer des Pastoralamtes der Diözese Linz in der Kapuzinerstraße. Ob die "Identitären" ihre Identität schützen wollten oder es mit den Hygiene-Regeln in Corona-Zeiten besonders genau nahmen, ist nicht bekannt. Jedenfalls trugen alle Masken mit dem oberösterreichischen Landeswappen. Mangels Abnehmer konnten sie ihre mitgebrachten Flugblätter aber nur in die Luft werfen. Nach wenigen Minuten war der rechte Fototermin auch schon wieder vorbei. Der Portier hatte derweil den Hausmeister kontaktiert und der wiederum die Polizei. Beim Eintreffen der Exekutive hatten sich die Identitären aber schon aus dem Staub gemacht.

Gedenkort für Ertrunkene

Auf den Flugblättern kritisieren die Rechtsextremen ein Projekt der Diözese Linz. Gemeinsam mit anderen Glaubensgemeinschaften, der Linz AG sowie den Gemeinden Linz, Leonding und Traun soll einen Gedenkort auf dem Stadtfriedhof St. Martin errichtet werden, der an die rund 22.000 Menschen erinnern soll, die seit 2014 auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken sind. Grund genug für die Identitären, sich zu empören und die Toten im Mittelmeer mit Kriminalitätsopfern in Österreich aufzurechnen.

Bischof verurteilt "aggressives Auftreten"

Im Flugblatt wird auch ein Mitarbeiter der Diözese namentlich genannt und angegriffen. Bischof Manfred Scheuer weist die Aktion "auf das Schärfste zurück" und denkt nicht daran, das Projekt infrage zu stellen.

"Ich unterstützte nachdrücklich die Errichtung des Mahnmals, als ein Zeichen des Respekts und der Achtung der Würde eines jeden Menschen, insbesondere jener, die auf der Flucht umgekommen sind", so Scheuer.

Stelzer: "Widerlich und schockierend"

"Unglaublich, widerlich und schockierend" findet Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) die Aktion und will sich "hinter und schützend vor die Kirche" stellen. Solidaritätsbekundungen kommen auch von SPÖ-Landesrätin Birgit Gerstorfer. Sie verweist zudem auf die gefährliche Steigerung rechtsextremer Straftaten im ersten Halbjahr 2021 in Oberösterreich. "Die SPÖ hat dazu bereits vor Jahren einen 11 Punkte-Aktionsplan vorgelegt, der jedoch von ÖVP und FPÖ immer wieder abgelehnt wurde", so Gerstorfer.

Luger: "Früchte der Flüchtlings- und Religionshetze"

Für Bürgermeister Klaus Luger zeigt der Angriff, wie "fortgeschritten die Gewaltbereitschaft in gewissen Kreisen ist".

"Wenn Rechtsextreme jetzt auch vor christlichen Einrichtungen nicht mehr Halt machen, sind das die Früchte, die wir durch die Flüchtlings- und Religionshetze bestimmter Parteien in den letzten Jahre ernten", so Luger.

Es sei die Verantwortung der Politik, diesem Klima der Hetze und Gewalt entschieden entgegenzutreten, so Luger.

Hein: "Halte nichts von Aktionismus"

Auf vorsichtige Distanz geht der Linzer FPÖ-Obmann, Vizebürgermeister Markus Hein. "Ich halte von Aktionismus prinzipiell nichts. Ganz egal, von welcher politischer Seite er ausgeht", so Hein. Die Errichtung eines Gedenkorts wäre aus seiner Sicht direkt am Ort des Geschehens, also dem Mittelmeer, sinnvoller. "Was es außerdem braucht, sind wirksame Maßnahmen, die weitere Tote durch das Schlepperwesen verhindern", so Hein. Angesprochen auf die Aussagen des FPÖ-Bundesparteivorsitzenden Herbert Kickl zu den Identitären, verweist Hein auf die "eindeutige Beschlusslage der FPÖ Oberösterreich". Seit einem Parteibeschluss im Februar 2018 darf kein Mitglied der FPÖ Oberösterreich Mitglied bei den Identitären sein bzw. dort aktiv sein. Kickl hatte die Identitären im Juni jedoch als "interessantes und unterstützenswertes Projekt" bezeichnet.

Baier: "FPÖ soll sich klar abgrenzen"

Die FPÖ in die Pflicht nehmen will Vizebürgermeister Bernhard Baier (ÖVP). Er zeigt sich "zutiefst erschüttert" und fordert von der Linzer FPÖ eine "klare Abgrenzung zu den Identitären". Diese Aktion mache deutlich, wenn man hier nur halbherzig Stellung beziehe. Zu möglichen Auswirkungen des Kickl-Kurses auf etwaige Koalition nach der Landtagswahl wollten sich weder Stelzer noch Baier äußern.

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