Dachverband
Selbsthilfegruppen wollen als "systemrelevant" anerkannt werden

Obmann Oskar Meggeneder wünscht sich von der Politik mehr Unterstützung für den Dachverband Selbsthilfe OÖ.
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  • Obmann Oskar Meggeneder wünscht sich von der Politik mehr Unterstützung für den Dachverband Selbsthilfe OÖ.
  • Foto: Dachverband Selbsthilfe
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Selbsthilfegruppen leiden besonders unter den Kontakteinschränkungen der Corona-Zeit. Um ihre Treffen zu ermöglichen, wollen sie als "systemrelevant" eingestuft werden. Auch abseits von Corona wünscht sich der Dachverband mehr Unterstützung von der Politik.

LINZ. Seit mehr als einem Jahr zwingt uns die Corona-Krise, Abstand voneinander zu halten. Persönliche Kontakte sind, je nach Lage, entweder eingeschränkt oder gänzlich untersagt. Manche trifft das besonders, wie etwa die vielen Menschen, die sich in medizinischen und psychosozialen Selbsthilfegruppen organisieren. Oft geht es dabei um seltene Krankheiten oder Schicksale, die man nicht alleine Schultern möchte. Fast immer spielen persönliche Zusammenkünfte dafür eine zentrale Rolle. Diese Kontakte kann das Internet nicht so einfach ersetzen, weshalb es nicht alle Gruppen geschafft haben, ihre Aktivitäten während der beiden Lockdowns aufrechtzuerhalten.

Einstufung als "systemrelevant"

Zwar dürfen sich Selbsthilfegruppen seit dem 17. März wieder treffen, ein möglicher nächster Lockdown könnte das aber schnell wieder ändern. Der Dachverband Selbsthilfe OÖ fordert deshalb, die Gruppentreffen als "systemrelevant" einzustufen, damit sie auch unter "Lockdown-Bedingungen" stattfinden können. Ein gesundheitliches Risiko sieht er nicht. "Das sind Menschen, die sehr eigenverantwortlich mit ihrer Gesundheit umgehen, da werden alle notwendigen Beschränkungen eingehalten", argumentiert Obmann Oskar Meggeneder. Von Stadt und Land kommen durchaus positive Signale. 

Unterstützung aus Linz

Für den Linzer Gesundheitsstadtrat Michael Raml (FPÖ) sind Selbsthilfegruppen "absolut systemrelevant", weshalb er die Forderung des Dachverbandes "selbstverständlich" unterstützt. Die Gesundheitskrise bestehe längst nicht mehr nur aus Covid-19, so Raml, die Folgen für die psychische Gesundheit der Menschen seien bereits dramatisch. Auch Gesundheitsreferentin LH-Stellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) findet das Anliegen "verständlich und nachvollziehbar". Die Zuständigkeit dies möglich zu machen, liege jedoch auf Bundesebene, sagt sie auf Anfrage der StadtRundschau. Demnach ist der neue Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein am Zug.

Anonymität in Gefahr

Doch auch ohne Lockdown gibt es eine Reihe von Problemen, auf die der Dachverband aufmerksam macht. Abstandsregeln und Maskenpflicht sind in den allermeisten Selbsthilfegruppen eine Selbstverständlichkeit. Bei anderen Anforderungen wird es schon schwieriger. Laut Covid-Verordnung sind die Gruppen verpflichtet, von jedem Treffen Teilnehmerlisten anzulegen, um im Fall des Falles eine Nachverfolgung der Kontakte zu ermöglichen. Was bei manchen Gruppen gar kein Problem darstellt, stellt andere vor große Herausforderungen. Es liegt in der Natur der Sache, dass für manche Gruppen und Teilnehmer Anonymität ein hohes Gut ist, wie man das etwa von den Anonymen Alkoholikern kennt. Zumindest in den Räumlichkeiten des Dachverbands in Linz, wo sich rund zwölf Gruppen regelmäßig treffen, hat man dafür eine pragmatische Lösung gefunden. Im Büro werden einzelne Kontaktformulare ausgegeben, die wie bei einer Wahl in ein Kuvert gesteckt und in eine Box geworfen werden. Die Kuverts werden während der vorgeschriebenen Frist aufbewahrt und nur im Bedarfsfall geöffnet.

Räume nicht zugänglich

Schwierig ist auch die Frage der Zuständigkeit. Viele Gruppen haben keine Leitung, also auch niemanden, der verantwortlich ist, dass die Regeln eingehalten werden. Vor allem aber fehlen die gewohnte Räumlichkeiten für die Treffen. Wirts- und Kaffeehäuser sind seit Monaten geschlossen und auch die Krankenhäuser fallen weg, da dort immer noch strenge Zugangsbeschränkungen gelten. Unklar ist auch, wie groß die Räume sein müssten, damit Treffen überhaupt Corona-konform stattfinden können. Es sind diese Fragen, die den Dachverband als Interessenvertretung der Selbsthilfegruppen gerade besonders beschäftigen. 

2017 wurde Oskar Meggeneder mit dem Goldenen Verdienstkreuz des Landes OÖ ausgezeichnet.
  • 2017 wurde Oskar Meggeneder mit dem Goldenen Verdienstkreuz des Landes OÖ ausgezeichnet.
  • Foto: Land OÖ
  • hochgeladen von Christian Diabl

Lobby für Selbsthilfegruppen

Doch auch abseits der Corona-Krise haben Obmann Meggeneder und seine Mitstreiter alle Hände voll zu tun. Seit mehr als 30 Jahren setzt sich der Verband für die Interessen der Selbsthilfegruppen ein. Ihre Zahl ist von gerade einmal 22 auf rund 400 gestiegen. Sie betreiben nicht nur politische Lobbyarbeit, sondern unterstützen die Gruppen mit Rat und Tat – besonders in der schwierigen Gründungsphase. Der Dachverband hilft mit Werbematerial, bei der Organisation von Gruppenräumen und organisiert Schulungen. "Die meisten sind ja Laien und haben wenig Erfahrung, wie man eine Gruppe führt", so Meggeneder.

Förderungen stagnieren seit 20 Jahren

Der ideellen Unterstützung kann sich der Dachverband für seine Arbeit sicher sein. Wenn es konkret ums Geld geht, sieht die Sache aber schon anders aus. Mit den aktuellen Förderungen kann sich der Verband lediglich eine Angestellte leisten. Zudem sind die Mittel von Stadt Linz und Land OÖ seit 20 Jahren nicht mehr erhöht worden, was aufgrund der Inflation nichts anderes als eine jährliche Kürzung bedeutet. "Wir würden uns zumindest wünschen, dass die Förderung an die Inflation angepasst wird", so Meggeneder. Auch ein längerfristiger Vertrag wäre im Interesse des Verbandes, der jedes Jahr erneut um die Mittel ansuchen muss – ein "Unsicherheitsfaktor", den man gerne loswerden würde.

Bedeutend für Gesundheitssystem

Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) unterstützt den Verband mit Sachleistungen, wie die kostenlosen Büroräumlichkeiten. "Wir hoffen, dass die Unterstützung weiter so bleibt", so Meggeneder. Gesundheitspolitisch ist die Bedeutung der Selbsthilfegruppen jedenfalls nicht hoch genug einzuschätzen. "Das sind Dinge, die das Standardgesundheitssystem so nicht bieten kann", sagt etwa der JKU-Gesundheitsökonom Gerald Pruckner. Bleibt zu hoffen, dass die Corona-Pandemie nicht zu einer Schwächung dieses wichtigen Players führt.

Schwerpunkt Selbsthilfegruppen & Corona:

Long Covid: Der lange Kampf um Anerkennung
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