Bilanz Schuldnerberatung
1.060 neue Privatkonkursverfahren in OÖ

v.l.: Thomas Berghuber von der Schuldnerberatung OÖ, Landesrätin Birgit Gerstorfer und Ferdinand Herndler von der Schuldnerhilfe OÖ.
  • v.l.: Thomas Berghuber von der Schuldnerberatung OÖ, Landesrätin Birgit Gerstorfer und Ferdinand Herndler von der Schuldnerhilfe OÖ.
  • Foto: Land OÖ/Stinglmayr
  • hochgeladen von Lisa-Maria Langhofer

OÖ. Die beiden Einrichtungen Schuldnerhilfe OÖ und Schuldnerberatung OÖ haben zusammen knapp 14.000 persönliche Beratungsgespräche im Jahr 2018 durchgeführt. Etwa 1.600 Privatkonkurse wurden durchgeführt oder nachbetreut, ein Anteil von 1.060 Verfahren wurde neu beantragt.

Bei rund einem Drittel der Erstberatungen handelt es sich um Familien, gleich danach folgen mit 33 Prozent alleinstehende Personen. Zu den häufigsten Gründen für die Überschuldung zählen Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Einkommensverschlechterung mit 25 Prozent, gefolgt von mangelnder Budgetplanung und einem gestörten Konsumverhalten mit zusammen 23 Prozent.

"Ein großer Teil der Klienten hat keinen Überblick über die eigenen Einnahmen und Ausgaben", sagt Ferdinand Herndler von der Schuldnerhilfe OÖ. "Das Produktangebot ist heute so groß wie nie, was aber nicht nur Vorteile bringt. Durch Angebote wie Ratenzahlungen wird man dazu verlockt, Dinge zu kaufen, die man sich eigentlich nicht leisten kann."

Den 20-prozentigen Zuwachs an Privatkonkursanmeldungen sieht Thomas Berghuber als positives Zeichen der Privatkonkursreform vom November 2017. Davor seien viele Menschen vom Privatkonkurs ausgeschlossen gewesen.

"Ohne den vor der Reform benötigten Mindestsatz von zehn Prozent können jetzt auch Hoch-Verschuldete und jene mit wenig Einkommen eine Entschuldung angehen", sagt Berghuber.


Zinsspirale sorgt für Schuldenexplosion

Altersmäßig nehmen die 31- bis 40-Jährigen mit mehr als einem Viertel den größten Teil bei den Neuzugängen in der Schuldnerberatung ein. Ein Drittel entfällt auf die unter 30-Jährigen und ein Fünftel der neuen Klienten ist zwischen 41 und 50 Jahre alt. Die Durchschnittsverschuldung der Klienten lag bei rund 70.000 Euro. Um eine drohende Armut und deren Folgen zu vermeiden, fordern die Berater zum einen die Erhöhung des Existenzminimums auf 1.200 Euro. Bisher lag diese bei 1.238 Euro, was aber laut den Experten nicht der Realität entspricht, da diese oft viel weniger zur Verfügung hätten.

"Ein weiterer Grund für die teils immens hohen Schulden ist die Zinsspirale. Durch Zinsen und Inkassokosten explodieren die Schulden, obwohl die Menschen Raten zahlen", sagt Herndler.

Deshalb fordern er und Berghuber eine gesetzliche Obergrenze für die Verrechnung von Zinsen und Kosten. Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer betont die Wichtigkeit von Finanzbildung bereits im jungen Alter und verweist etwa auf den 2007 entwickelten OÖ Finanzführerschein. Dieser soll den Jugendlichen einen vernünftigen Umgang mit Geld und Finanzen vermitteln.

"Die Nachfrage ist nach wie vor stark. Meist sind die 3.000 angebotenen Plätze schon am Anfang des Schuljahres vergeben", sagt Gerstorfer.

Der Finanzführerschein scheint Wirkung zu zeigen: Seit der Einführung sei der Anteil der neuen Klienten im Alter bis 25 Jahre von 20,5 Prozent im Jahr 2008 auf 16,2 Prozent im Jahr 2018 gesunken.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen