Schokolade für die Amis

Wirtschaftskammer OÖ-Direktor Christian Hofer, Präsident Rudolf Trauner und Hermann Pühringer, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik und Außenhandel vor der Federal Reserve Bank in Chicago.
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  • Wirtschaftskammer OÖ-Direktor Christian Hofer, Präsident Rudolf Trauner und Hermann Pühringer, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik und Außenhandel vor der Federal Reserve Bank in Chicago.
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AUS CHICAGO & WASHINGTON. Süßes oder Saures - die Halloween-Frage stellt sich für den Mutterkonzern des Diskonters Hofer nicht, wenn es um den US-amerikanischen Markt geht. Die Hofer-Schokoladefabrik in Sattledt liefert jährlich ein paar tausend Tonnen Schokolade für 1200 US-Filialen von Aldi Süd. Aber nicht nur Süßes aus Oberösterreich ist in den Vereinigten Staaten gefragt: "85 oberösterreichische Firmen sind mit 123 Niederlassungen in den USA vertreten - das who is who der oberösterreichischen Wirtschaft ist hier", berichtet der oberösterreichische Wirtschaftskammer-Präsident Rudolf Trauner im Rahmen der Reise einer 21-köpfigen Wirtschaftsdelegation in die USA.

Lenzing-Fasern für Superbowl-Kunstrasen und Kampfanzüge der US-Armee

So liefert etwa die Lenzing AG hochwertige Zellulosefasern in die Vereinigten Staaten: Aus denen wurde nicht nur 2011 der Kunstrasen für das größte Sportereignis der Welt, die Superbowl in Texas, gemacht, sondern auch der hitzebeständige Kampfanzug der US-Armee. Zum oberösterreichischen "who is who" in den USA gehört auch die voestalpine. Sie errichtet derzeit um 50 Millionen Euro einen Produktionsstandort im Bundesstaat Georgia, 60 Kilometer von der Stadt Atlanta entfernt. Ab Mitte 2013 sollen dort 220 Mitarbeiter Teile für die Autoindustrie herstellen. Ebenfalls im Automobilbereich tätig: Die Trauner Anger High Performance Machining: Sie lieferte Maschinen für das größte US-Getriebewerk nahe der Auto-Metropole Detroit. Oder die Miba, die mit insgesamt 470 Mitarbeitern in den USA seit zehn Jahren Teile für die Auto-, Eisenbahn-, Flugzeug- und Baumaschinen-Industrie herstellt. Ähnlich stark vertreten sind auch der Feuerwehrausstatter Rosenbauer mit 500 US-Mitarbeitern, Eisenbahn-Spezialist Plasser & Theurer (200 Mitarbeiter in den USA) oder Fronius. Der Hersteller von Batterieladesystemen, Schweißtechnik und Solarelektronik, will bis 2016 ebenfalls 500 Mitarbeiter in den USA beschäftigen und ist derzeit gerade dabei, nahe von Chicago ein neues Werk für Solarelektronik zu errichten. Vor zehn Jahren war Fronius mit nur sechs Mitarbeitern in den USA, heute ist der US-Standort das größte Investment außerhalb Österreichs. Insgesamt haben österreichische Firmen rund fünf Millarden Euro in den USA investiert, 20 Prozent davon gehen auf das Konto oberösterreichischer Unternehmen. "Betriebe, die ins Ausland gehen, wachsen auch zuhause und schaffen Arbeitsplätze", betont der oö. Wirtschaftskammer-Präsident Trauner.

USA sind drittwichtigster Exportmarkt

Der Grund für das starke heimische Engagement in den Vereinigten Staaten: Die USA sind nach Deutschland und dem momentan schwächelnden Italien schon bisher der drittwichtigste Exportmarkt für Österreich. Und während für Österreich heuer allgemein ein Exportwachstum von 2,1 Prozent vorhergesagt wird, sollen die Exporte in die USA um 13 Prozent zulegen - nach einem Plus von 29 Prozent im Vorjahr auf knapp 6,4 Milliarden Euro.
Das Export-Bundesland Oberösterreich liefert wie gewohnt den mit Abstand größten Beitrag dazu. "Rund 25 Prozent der gesamtösterreichischen Exporte entfallen auf Oberösterreich, alleine 7500 Exporteure sind in Oberösterreich angesiedelt", so Trauner. Denen will die Wirtschaftskammer OÖ Überseemärkte wie
die USA noch schmackhafter machen - wegen der hohen Wachstumsraten. Während Österreichs Wirtschaft heuer nur um knapp ein Prozent zulegen soll, dürften etwa asiatische Märkte wie China um acht Prozent wachsen. Das Ziel von Trauner, WKOÖ-Direktor Christian Hofer und dem Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik und Außenhandel, Hermann Pühringer, ist es deshalb, den Übersee-Exportanteil der oberösterreichischen Betriebe von derzeit 18,1 auf 25 Prozent zu erhöhen. Denn: Rund 80 Prozent des Weltwirtschaftswachstums finden derzeit außerhalb Europas statt. "Und an dem Wachstum der vielen aufstrebenden Staaten müssen wir teilhaben", so Hofer. "Die österreichischen AußenwirtschaftsCenter beobachten dazu die Märkte und Chancen vor Ort ganz genau, was im Inland die Planung für zukünftige Aktivitäten für Unternehmen maßgeblich erleichtert."
Einer der Vertreter vor Ort ist der österreichische Wirtschaftsdelegierte in den USA, Christian Kesberg. Er sieht in fünf Bereichen besonders große Chancen für österreichische und speziell oberösterreichische Unternehmen, um erfolgreich am US-Markt aktiv zu werden: "Erneuerbare Energie, Spezial-Software und maßgeschneiderte IT-Lösungen, Medizintechnik und Gesundheits-IT, Grünes Bauen sowie der Transport- und Infrastruktur-Bereich." Laut WKOÖ-Präsident Trauner "genau jene Bereiche, die Stärkenfelder der oberösterreichischen Unternehmen sind."

Gute Stimmung bei US-Konsumenten

Und auch wenn für die USA heuer trotz des tiefen Einbruchs in den vergangenen Jahren nur zwei Prozent Wachstum vorausgesagt werden, sieht der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Chicago, Franz Rössler, ebenfalls große Chancen für heimische Unternehmen: "Die Konsumenten sind wieder in den Geschäften, die Stimmung ist gut, der Nachholbedarf ist groß - etwa bei den Autos. Und in den USA geschehen ja zwei Drittel der Wirtschaftsleistung durch den Konsum im Inland."
Ähnlich positiv gestimmt ist man am US-Standort der voestalpine-Tochter Böhler-Uddeholm, nahe Chicago: Die voestalpine macht mit 2000 Mitarbeitern in Nordamerika rund eine ihrer zwölf Milliarden Euro Umsatz. 2013 sollte ein gutes Jahr werden, weil einerseits das Durchschnittsalter der in Amerika laufenden Autos bei elf Jahren liegt und deshalb der Neuwagen-Verkauf boomt. Andererseits wollen die USA den Durchschnittsverbrauch der Autos bis 2025 auf 4,2 Liter senken. Eine riesige Herausforderung angesichts der spritsaufenden Technik-Dinosaurier, die derzeit auf den Straßen unterwegs sind. Und eine große Chance für die voestalpine, die mit ihren hochfesten Spezialstählen dazu beiträgt, die Autos deutlich leichter und damit sparsamer zu machen.

Großes Interesse der USA am österreichischen Lehrlingssystem

Aber nicht nur die österreichischen Waren und Dienstleistungen sind für die US-Amerikaner interessant: Der Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften sorgt dafür, dass auch das österreichische Lehrlingssystem in den Blickpunkt der USA gerückt ist. Laut dem Wirtschaftsdelegierten Rössler gibt es bereits Unternehmen in den USA, die sich zusammenschließen, um nach österreichischem Vorbild auszubilden. Denn: "Es gibt zwar viele tolle Unis, aber es fehlen die HTL-Absolventen und Lehrlinge hier, es gibt nur viele ungelernte Arbeiter."


Zur Sache:

Weitere oberösterreichische Unternehmen in den USA:
Andritz, Bernecker + Rainer, Erema, FACC, Haidlmair, Lenzing AG, Palfinger, Pöttinger, Sunlumo, TGW, Wacker Neuson.
Die größten österreichischen Einzelexporteure in die USA sind Red Bull, BMW Steyr dank der Dieselmotoren, GM Powertrain, Magna, Baxter und die voestalpine.

Die USA in Zahlen:

314,3 Millionen Einwohner, 15,6 Billionen Dollar Brutto-Inlands-Produkt, 8,2 % Arbeitslosenrate.


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