Linzer SteuerberaterInnen
Wie sie im Jahr 2020 noch Steuern sparen können

Marie Christine Lumper (l.) und Ernestine Lumper-Wiesinger von der Kanzlei Lumper-Wiesinger Gegensteuern GmbH.
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  • Marie Christine Lumper (l.) und Ernestine Lumper-Wiesinger von der Kanzlei Lumper-Wiesinger Gegensteuern GmbH.
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Bei den Beihilfen und Sonderregelungen im Corona-Jahr 2020 verlieren ArbeitnehmerInnen und DienstgeberInnen schon einmal den Überblick. Die Linzer SteuerberaterInnen Marie Christine Lumper und Peter Draxler wissen Bescheid, was im Dezember noch zu erledigen ist.

LINZ. Im Corona-Jahr 2020 gab es bislang „für Unternehmen eine Reihe von Begünstigungen“, sagt Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Peter Draxler von PwC Oberösterreich. So können Dienstgeber Mitarbeitern, die wegen der Covid-19-Krise erschwerten Arbeitsbedingungen ausgesetzt waren, dafür einen steuer- und sozialversicherungsfreien 3.000-Euro-Bonus gewähren. „Ob die Prämien in Anspruch genommen werden, liegt freilich im Ermessen des Dienstnehmers“, so Draxler. Die steuerfreie Zahlung ist nur noch bis zum 31. Dezember 2020 möglich.

Fixkostenzuschuss III kommt

Um wirtschaftliche Folgen des November-Lockdowns abzufedern, ersetzt der Bund bei Einzelhandelsunternehmen bis zu 60 Prozent, bei anderen direkt betroffenen Unternehmen 80 Prozent des Umsatzes des vergleichbaren Vorjahreszeitraums. Diese Regelung gilt für den Betrachtungszeitraum 3. November bis 6. Dezember. „Anträge für auch im Dezember geschlossene Betriebe – etwa in der Gastronomie – können seit 16. Dezember gestellt werden. Im kommenden Jahr soll dann der Fixkostenzuschuss III (FKZ III, Anm.) den bisherigen Umsatzersatz ablösen“, so Draxler. Anträge für den FKZ I können noch bis Ende August 2021 eingebracht werden.

Fragen wegen Quarantäne-Kostenersatz

An die Kanzlei Lumper-Wiesinger Gegensteuern GmbH wenden sich derzeit viele Unternehmer mit Fragen nach dem Quarantäne-Kostenersatz. Dieser „ist binnen drei Monaten nach Ende der Quarantäne zu beantragen“, so Steuerberaterin Marie Christine Lumper. Dienstgeber müssen das Entgelt für unter Quarantäne gestellte Dienstnehmer weiterbezahlen, haben aber gesetzlichen Anspruch auf Kostenersatz. Wichtig dabei: Der Inhalt und die Verkündung eines telefonischen Bescheides sind von der Gesundheitsbehörde zu beurkunden und dem Betroffenen zuzustellen. Die Quarantäne endet automatisch, wenn die Gesundheitsbehörde nicht innerhalb von 48 Stunden einen schriftlichen Bescheid über die Quarantäne (Absonderung) erlässt.

Homeoffice noch Vereinbarungssache

Ein weiteres großes Thema auf Arbeitgeberseite ist das Thema Homeoffice. „Aktuell gibt es keine klaren gesetzlichen Regelungen“, so Lumper. „Arbeitsministerium und Sozialpartner arbeiten derzeit daran, einen gesetzlichen Rahmen auf Basis von Best-Practice-Regelungen zu schaffen.“ Erste Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen werden für März 2021 erwartet. Bis dahin bleibt Homeoffice Vereinbarungssache zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Arbeitsmittel wie Laptop, Bildschirm oder die Webcam sind vom Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen. Steuerlich abzugsfähig sind – für Steuerpflichtige, die den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer aufweisen (etwa Teleworker oder Freiberufler, die ihre Tätigkeit ausschließlich zu Hause verrichten) – anteilige Kosten für Miete, Betriebskosten, Einrichtungsgegenstände, Finanzierungskosten sowie Absetzung für Abnutzung bei Eigentumswohnungen oder Eigenheimen. Voraussetzung für die steuerliche Abzugsfähigkeit dieser Kosten ist weiters, dass der zum Arbeitszimmer bestimmte Raum tatsächlich (nahezu) ausschließlich beruflich genutzt wird.

Bei Werbungskosten auf Privatanteil achten

„Seit dem Jahr 2020 beträgt die Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter 800 Euro und ab dem Jahr 2021 sind es dann Beträge bis zu 1.000 Euro, die sofort abgeschrieben werden können“, erklärt Lumper. Bei neu angeschafften Arbeitsmitteln wie einem Computer sei auch stets auf den Privatanteil zu achten. Die Finanzverwaltung nehme ohne entsprechenden Nachweis hier 40 Prozent an. „Werbungskosten und Betriebsausgaben bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnern müssen bis zum 31. Dezember 2020 bezahlt werden, damit sie heuer noch von der Steuer abgesetzt werden können. Denken Sie insbesondere an Aus- und Fortbildungskosten für Seminare, Kurse oder Schulungen samt damit verbundener Reisekosten und Verpflegungsmehraufwand, Fachliteratur oder Akontozahlungen“, so Lumper. Mit der Veranlagung 2020 können außerdem letztmalig Topf-Sonderausgaben – wie etwa Kranken-, Unfall- und Lebensversicherungen, Wohnraumschaffung und -sanierung – geltend gemacht werden.



Frist für Arbeitnehmerveranlagung 2015 endet

„Am 31.12.2020 endet die Frist für den Antrag auf Arbeitnehmerveranlagung 2015“, weist Lumper auf eine weitere wichtige Frist für Arbeitnehmer hin. 2015 war das letzte Kalenderjahr, in dem Sonderausgaben wie etwa die Kirchensteuer nicht automatisch an das Finanzamt übermittelt wurden. Arbeitnehmer können sich hier noch Geld vom Fiskus zurückholen.

Investitionsprämie vom Bund

Dienstgebern greift der Bund in Corona-Zeiten mit der Investitionsprämie unter die Arme. „Damit will der Bund einfach die Wirtschaft ankurbeln“, sagt Draxler. Die Prämie beträgt sieben Prozent der Neuinvestitionen. „Klimaschädliche Investitionen“ werden nicht subventioniert. Wird die Investition jedoch in Bereichen Digitalisierung, Ökologisierung oder Gesundheit/Life-Science getätigt, verdoppelt sich die Investitionsprämie sogar auf 14 Prozent.

"Persönliche Termine verringerten sich bei PwC Oberösterreich auf 10 bis 20 Prozent", sagt Steuerberater Peter Draxler von PwC Oberösterreich.
  • "Persönliche Termine verringerten sich bei PwC Oberösterreich auf 10 bis 20 Prozent", sagt Steuerberater Peter Draxler von PwC Oberösterreich.
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"Digitalisierung gelebter Alltag"

Stichwort Digitalisierung: Bei PwC Oberösterreich hat sich seit März „die Anzahl der persönlichen Termine auf zehn bis 20 Prozent verringert“, so Draxler, dessen Kunden vor allem mittlere und große Unternehmen sind. „Das wird sich zum Teil auch fortsetzen. Wir hatten auch schon vor Corona alle Kundendaten und Arbeitsabläufe digital in der Kanzlei, damit war der Umstieg überhaupt kein Problem.“ Ähnlich verlief es bei der Kanzlei Lumper-Wiesinger Gegensteuern: „Digitalisierung ist für uns kein Schlagwort, sondern gelebter Alltag. Wir freuen uns aber nach wie vor über Face-to-Face-Meetings mit unseren Klienten – das persönliche Beratungsgespräch erleichtert vor allem bei komplexen Beratungsfragen die Kommunikation – selbstverständlich unter Beachtung der notwendigen Vorsichtsmaßnahmen und Hygienevorschriften“, so Lumper.

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