19.10.2017, 00:00 Uhr

Frankfurter Buchmesse: Das Comeback einer literarischen Weltmacht

Die Frankfurter Buchmesse ist das weltgrößte Event der Publishing-Welt. (Foto: Peter Hirth)

Frankreich ist heuer Gastland bei international bedeutenden Messe. Wir haben Experten gefragt, welche französischen Bücher man derzeit lesen muss.

"Es gibt sie noch, die großen Franzosen", sagt Sabine Weissensteiner von der Buchhandlung Fürstelberger. Jahrzehntelang galt Frankreich als literarische Weltmacht – bis es irgendwann eine Sendepause einlegte. Plötzlich präsentierte sich der deutschsprachige Raum immer stärker, die Franzosen hatten den Anschluss verloren. Doch nun erlebt die französische Literatur ein Comeback. Dem zollt auch die Frankfurter Buchmesse Tribut, die Frankreich heuer zum Gastland auserkoren hat. Französische Autoren und Verlage präsentieren auf der großen Messe das Beste, was ihr Land zu bieten hat. "Viele Bücherfreunde verfolgen genau, was auf der Messe präsentiert wird. Vor allem für das Gastland herrscht reges Interesse", sagt Doris Horner, stellvertretende Filialleiterin bei Thalia Linz. Die StadtRundschau hat die beiden Expertinnen um Lese-Tipps gebeten.

#1: Klein, aber fein

Buch: "No & ich"
Autorin: Delphine De Vigan
Verlag: Knaur
Das sagt Sabine Weissensteiner: Die Gestaltung der Bücher wird heutzutage immer schöner, auch um sich vom Ebook abzuheben. Dieses bereits bekannte Werk wurde neu aufgelegt, in Leinen gebunden und in einer Größe, die in jede Handtasche passt. Das passt perfekt, denn das Buch handelt davon, wie man die Welt verbessern und wie das Leben schöner werden kann.

#2: Ein Klassiker für jeden
Buch: "Bonjour Tristesse"
Autorin: Francoise Sagan
Verlag: Ullstein
Das sagt Sabine Weissensteiner: Ein altes Buch, neu erschienen. Die Geschichte ist tragisch und erzählt von einer Idylle, die auseinanderbricht. Jugend, Sex und Liebe sind große Themen. Das Buch kann man mit 16 genauso lesen wie mit 99 Jahren.

#3: Lust aufs Leben
Buch: "Die Taxifahrerin, die das Glück brachte"
Autor: Baptiste Beaulieu
Verlag: Fischer
Das sagt Sabine Weissensteiner: Das Buch ist eine Kampfansage gegen den Trübsinn. Der Autor erzählt von einem jungen Arzt, der entschlossen ist, sich umzubringen, der jedoch nicht mit seiner Taxifahrerin gerechnet hat. Das Buch strotzt nur so vor Witz und Zuversicht und hinterlässt einen nach dem Lesen ganz glücklich.

#4: Französischer Lifestyle

Buch: "Savoir-vivre. Leben wie eine Französin"
Autorin: Murielle Rousseau
Verlag: Insel
Das sagt Sabine Weissensteiner: Wer schon immer wissen wollte, wie es sich als französische Frau lebt, sollte dieses Buch lesen. Ein köstlich-buntes Sammelsurium, von Academie francais bis Zut (Mist). Wunderschöne kleine Zeichnungen hat die bekannte französische Illustratorin Isabel Pin ("Die Geschichte vom kleinen Loch") beigesteuert.

#5: Krimi trifft Kulinarik
Buch: "Brunos Kochbuch. Rezepte und Geschichten aus dem Périgord"
Autor: Martin Walker
Verlag: Diogenes
Das sagt Doris Horner: Martin Walker war einer der ersten, der den Hype rund um französische Krimis gestartet hat. Seine Geschichten rund um Bruno, Chef de Police, erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Hauptfigur hegt auch eine große Leidenschaft fürs Kochen. Highlight für viele Fans und beliebtes Geschenk ist daher Brunos Kochbuch.

#6: Dramatische Ereignisse
Buch: "Im Herzen der Gewalt"
Autor: Édouard Louis
Verlag: Fischer
Das sagt Doris Horner: Édouard Louis erzählt in seinem autobiografischen Roman von einer dramatischen Nacht, die sein Leben für immer verändert hat. Kindheit, Begehren, Migration und Rassismus sind die großen Themen des Buchs, mit denen Louis unsichtbare Formen der Gewalt sichtbar macht.

#7: Comic-Nation Frankreich
Buch: Asterix in Italien
Autor: Jean-Yves Ferri
Zeichner: Didier Conrad
Das sagt Doris Horner: Comics sind ein heuer ein großes Thema auf der Buchmesse. Es gibt sogar einen eigenen Comic-Pavillon. Dort wird auch der neue Asterix-Band vorgestellt. Er trägt den Titel "Asterix in Italien" und es geht um ein Pferderennen zwischen verschiedenen Völkern der antiken Welt, das Julius Cäsar ausrichten lässt. Frankreich präsentiert in seinem Pavillon hingegen Arbeiten von jungen und teilweise noch unbekannten Comickünstlern.

#8: Herzerwärmend schön

Buch: "Die Eleganz des Igels"
Autorin: Muriel Barbery
Verlag: dtv
Das sagt Sabine Weissensteiner: Typisch französisch und unheimlich lebensklug. Das Buch ist mittlerweile zum Klassiker geworden, der auch erfolgreich verfilmt wurde. Oft verglichen mit "Harold & Maude", ist es jedoch fast noch besser. Jede unserer Buchhändlerinnen hat sich sofort verliebt in diese schöne Geschichte.

#9: Erfolgreiche Krimireihe
Buch: "Bretonisches Leuchten"
Autor: Jean-Luc Bannalec
Verlag: KiWi
Das sagt Sabine Weissensteiner: Französische Krimis boomen seit zwei, drei Jahren. "Bretonisches Leuchten" ist bereits der sechste Band von Jean-Luc Bannalec. Das besondere an der Reihe: Trotz spannender Kriminalfälle löst das Buch auch eine Urlaubsstimmung aus und man möchte sofort dorthin reisen, wo das Buch spielt. Und das kann man auch, denn die Lieblingsorte von Kommissar Dupin gibt es wirklich. Ganz hinten im Buch erfährt man auch, wo sie zu finden sind.

#10: "Männerbuch"
Buch: "Die Kostbarkeit des flüchtigen Lebens"
Autor: Philippe Claudel
Verlag: Thiele Verlag
Das sagt Sabine Weissensteiner: Niemand schreibt so gut über die wichtigen Fragen und die Vergänglichkeit des Lebens wie Philippe Claudel. Sein neues Werk handelt von zwei Freunden, von denen einer an Krebs erkrankt und stirbt. Trotzdem ist das Buch lebensbejahend und hat ein wunderbar glückliches Ende.

#11: Psychogramm einer Kindesmörderin

Buch: "Dann schlaf auch du"
Autorin: Leïla Slimani
Verlag: Luchterhand
Das sagt Doris Horner: Für "Dann schlaf auch du" erhielt Leïla Slimani den wichtigsten französischen Literaturpreis. Die Autorin entwirft darin das Psychogramm einer Kindesmörderin. Der Roman beginnt mit dem Alptraum aller Eltern und sucht dann nach Gründen für das Unbegreifliche.

#12: Verlorenes Paradies

Buch: "Kleines Land"
Autor: Gaël Faye
Verlag: Piper
Das sagt Doris Horner: Gaël Faye wurde in Burundi geboren, seine Familie floh während des Bürgerkriegs jedoch nach Frankreich. Dort ist er bereits als Rapper bekannt. In "Kleines Land" erzählt er von einem verlorenen Paradies und dem Verlust der Kindheit in einer Sprache, die an seine Rap-Texte erinnert: mal rau, direkt und unverblümt, mal feinsinnig und fantasievoll, jedoch immer ausdrucksstark.
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