07.10.2014, 14:59 Uhr

Sozialverein B7 feierte Jubiläum

(Foto: B7 Arbeit und Leben)
Gemeinsam mit Spitzenpolitikern und kirchlichen Würdenträgern beging der oberösterreichweit tätige Sozialverein B7 Arbeit und Leben bei einem Festakt im Neuen Rathaus seinen 30. Geburtstag. Ungetrübte Freude kam dabei jedoch nicht auf: die hohe Arbeitslosigkeit und die laufenden Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt bereiten auch den B7-Beratern Kopfzerbrechen. "Dreißig Jahre nach unserer Gründung als kirchliche Arbeitsloseninitiative sind Einrichtungen wie unsere leider notwendiger als je zuvor", brachte es B7-Geschäftsführer Helmut Bayer auf den Punkt, "denn die Arbeitslosigkeit hat einen traurigen Höchststand erreicht."

Prominente Gratulanten

Als Gratulanten stellten sich unter anderem Landeshauptmann Josef Pühringer, Soziallandesrätin Gertraud Jahn, der Linzer Bürgermeister Klaus Luger und AMS-OÖ-Landesgeschäftsführerin Birgit Gerstorfer ein. So wie Altbischof Maximilian Aichern, einst quasi Taufpate von B7 Arbeit und Leben, und ehemalige Obleuten des Vereins kamen sie in Gesprächen zur Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik zu Wort.

Enttäuschte Hoffnungen

Zu bereden gibt es in der Tat genug, wie Nikolaus Dimmel vom Institut für Sozialmanagement an der Universität Salzburg in seinem Festvortrag zur Arbeitswelt und zum Arbeitsmarkt in Österreich angesichts des Strukturwandels der Weltwirtschaftskrise aufzeigte. "In den letzten 30 Jahren ist weder die Phantasie menschenleerer Fabriken noch die Entlastung des arbeitenden Menschen durch Robotik und Automatisierung eingetreten", beschreibt Dimmel. Im Gegenteil zeige sich, dass neue technologische Verfahren die Arbeitslast und den Stress nicht reduzieren würden, sondern bloß verlagern.

Der Druck steigt

Steigende psychische Belastungen sind die Folge. "Seelische Beschwerden verursachen in Österreich inzwischen mehr als 2,4 Millionen Krankenstandstage pro Jahr", bestätigt Helmut Bayer von B7 Arbeit und Leben. Zum Druck auf die Arbeitnehmer trägt auch die vermehrte Instabilität am Arbeitsmarkt bei. Dimmel: "Jedes zweite Beschäftigungsverhältnis endet binnen Jahresfrist." Großen Handlungsbedarf sieht Bayer insbesondere bei der Existenzsicherung von Arbeitslosen. 38 Prozent der Menschen ohne Job seien heute trotz Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe armutsgefährdet. "Österreich hat hier leider eine der niedrigsten Einkommensersatzraten in der EU", bestätigt Dimmel. Durch die Arbeitsmarktpolitik der letzten Jahre ist auf dem Arbeitsmarkt ein Niedriglohnsegment entstanden. "Hier schützt Lohnarbeit nicht mehr vor Armut, sondern führt direkt in sie hinein", wie Bayer betont: "Arbeitsplätze und armutsfeste Arbeitslosenunterstützungen sind für den sozialen Frieden, Gerechtigkeit und wirtschaftlichen Wohlstand notwendig. Das ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält."

Der Festakt endete mit den Worten der Obfrau Anna Wall-Strasser: Der Verein B7 und seine Mitarbeiter und ehrenamtlichen Vereinsverantwortlichen möchten und werden sich weiterhin dafür engagieren, dass Gesellschaft und Arbeitswelt sich weiterentwickeln. Gute Arbeit für alle bedeutet ganz sicher eine andere Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Und ich möchte noch ein Wort des Herrn Bischof Ludwig Schwarz aufgreifen und wiederholen: Jeder Mensch hat Wert und Würde, unabhängig von Arbeit und Leistung. Dies gilt es in unserer Gesellschaft immer wieder einzubringen und abzusichern.

Alle Fotos: B7
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