19.10.2016, 11:04 Uhr

20 Jahre "Kupfermuckn": Episoden von der Straße

Für Helmut ist das Team rund um die "Kupfermuckn" wie eine zweite Familie. Foto: Zauner

Die Straßenzeitung "Kupfermuckn" ist für viele Linzer Obdachlose Strohhalm und Familie zugleich.

LINZ (jog). "Die Kupfermuckn ist wie eine Familie für mich. Wir schreiben Geschichten aus unserem Alltag und können aufarbeiten, was wir erlebt haben", sagt Helmut. Er ist Verkäufer und Redakteur der "Kupfermuckn". Die Linzer Straßenzeitung feiert heuer ihr 20-jähriges Bestehen. Helmut ist einer von rund 250 Männern und Frauen, die das gelb-schwarze Blatt mit Wiedererkennungswert auf der Straße unter die Leute bringen. "Seit der Gründung treffen sich die Redaktionsmitglieder jeden Mittwoch um 13 Uhr zur Redaktionssitzung. Im Kreis von 15 bis 20 Teilnehmern werden Interviews, Exkursionen und Workshops geplant", sagt Heinz Zauner, Geschäftsführer der ARGE für Obdachlose. Immer wieder dient einigen Mitarbeitern die "Kupfermuckn" als Sprungbrett zurück in ein normales Leben. "Ich war zwei Jahre lang ein U-Boot. Niemand aus meinem Umfeld hat gewusst, dass ich auf der Straße lebe. Geschlafen hab' ich in Parks oder bei Freunden im Putzkammerl", so Helmut. Inzwischen hat er wieder eine eigene Wohnung.

Gratwanderung

Wie schnell man in der Obdachlosigkeit landen kann, macht er an einem bekannten Beispiel fest: "In der LASK-Meistermannschaft von 1965 hat der Portugiese Chico gespielt, ein super Kicker. Nach seiner Karriere ist er verarmt und hat im B37 gewohnt, im Eisenhand hab ich ihm dann ab und zu ein Vierterl gezahlt." Das B37 ist eine von mehreren Notschlafstellen in Linz, hier können Obdachlose wohnen, werden versorgt und bekommen ärztliche Hilfe. "Voraussetzung ist, dass man nicht angetrunken oder auf Drogen ist. Außerdem sind hier keine Haustiere erlaubt. Wir hatten nämlich mal jemanden, der seinen Skorpion mitgenommen hat", sagt Claudia. Sie, Helmut und Urgestein Bertl texten nicht nur, sie sind auch Stadtführer der "Gratwanderung durch das obdachlose Linz". So machen sie sich regelmäßig mit Schulklassen auf den Weg durch die Stadt und geben Einblicke in Stationen und Anlaufstellen für Obdachlose. Bertl: "Da ich das schon jahrelang mache, grüßen mich oft Leute auf der Straße, die einmal dabei waren."
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