15.10.2014, 09:50 Uhr

Auf Friedensmission im Westjordanland

Der Linzer Pensionist Johann Zucali macht Grenzerfahrungen zwischen verhärteten Fronten.

LINZ (jog). "Ich bin nicht hier weil ich Frieden bringen kann oder weil ich in Spezialist in Gewaltlosigkeit bin. Persönlich geht es mir darum, zu lernen, in einer Situation, in der ich mit Gewalt, Unterdrückung und Hoffnungslosigkeit konfrontiert bin, Ruhe zu bewahren." Der Linzer Johann Zucali ist seit Anfang August auf Friedensmission im Westjordanland. Er ist Teil des "Ökumenischen Begleitprogramms in Palästina und Israel" (EAPPI) und unterstützt gewaltfreie Bemühungen der Bevölkerung für einen gerechten Frieden in den von Israel besetzten Gebieten. "Meine Aufgabe ist es, Leute zu begleiten und ihre Menschenrechte zu überwachen und gegebenenfalls Verstöße zu melden", sagt Zucali. Der 62-jährige Pensionist wohnt mit mehreren internationalen EAPPI-Kollegen in einem Haus in Yatta, einer größeren Stadt 30 Kilometer südlich von Hebron. Von dort aus reisen Zucali und seine Kollegen in Dörfer und spärlich bewohnte Gebiete. Für die Bevölkerung ist das Leben in den vom Militär verwalteten Gebieten trostlos. "Es ist für diese Menschen so gut wie unmöglich, legal etwas zu errichten. So kommt es, dass ganze Dörfer aus illegalen Gebäuden bestehen. Das erklärt auch, warum die Menschen in diesen primitiven Behausungen wohnen." Errichtete Gebäude wie Schulen, Brunnen oder sogar einfach Zäune könnten jederzeit von den israelischen Behörden abgerissen werden.

Es gilt das Militärrecht
Rund um das Gebiet Susya, in dem Johann Zucali die meiste Zeit im Einsatz ist, stehen verarmte Schafhirten und Olivenbauern israelischen Siedlern im Schutz des Militärs gegenüber, die das Land ebenfalls für sich beanspruchen. Etwa 70 Prozent des Westjordanlandes unterstehen dem israelischen Militärrecht. "Es ist natürlich schwierig, neutral zu bleiben, wenn man tagtägliche Schikanen mitbekommt", sagt Zucali. Er versuche sich aber auch in die Israelis hineinzuversetzen. "Der Wunsch nach einer Heimat ist natürlich enorm ausgeprägt. Ich kann mir auch vorstellen, dass die isrealischen Siedler entsprechenden Schöpfergeist verspüren, wenn sie karges Wüstenland in fruchtbares Wohngebiet verwandeln können." Viele Israelis bieten Palästinenser auch den notwendigen Schutz und begleiten sie in kritische Zonen. Die Organisation "Rabbis for Human Rights" etwa geben ihnen juristische Unterstützung, während "breaking the silence"auf menschenverachtende Praktiken des Militärs hinweist. Zucali sammelt nicht nur Eindrücke von Armut und Unterdrückung, sondern auch freundschaftliche Gespräche und besondere Erfahrungen sind Teil seiner Reise. "Es ist wunderbar, wie hier Vergangenheit und Gegenwart spürbar werden. Wir übernachteten einmal in einer Steinhöhle, wie vor vielen Jahrhunderten, jedoch mit glattem, sauberen Betonboden, elektrischem Licht und Fernseher mit Sendungen in Englisch."

Johann Zucali hält seine Erfahrungen und Begegnungen auch auf einem Blog fest. Nachzulesen auf: http://eappi.zucali.at
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