15.01.2018, 08:21 Uhr

Der Europäische Luchs (Lynx lynx) und sein Leben zu Jahresbeginn

© Josef Limberger
Zu Beginn des Jahres sind die heranwachsenden Jungtiere fast so groß wie ihre Mutter. Sie unternehmen jetzt erste kleinere Ausflüge ohne der Kätzin und versuchen eigene Beute zu schlagen.

Wenn sich die Luchsmutter im Frühjahr erneut mit einem Männchen paart, löst sich der Familienverband, der aus der Luchsin und ihren zirka zehn Monate alten Jungtieren besteht, auf. Die Halbwüchsigen müssen das mütterliche Wohngebiet verlassen und sich ein eigenes Revier suchen. Die Abwanderung ist für die Jungen eine risikoreiche Zeit, denn sie müssen unbekanntes Gebiet durchqueren und gefährliche Straßen oder waldfreie Flächen überwinden. Da sie noch sehr unerfahrene Jäger sind, leiden sie oft an Hunger und können dadurch so schwach und krank werden, dass sie sterben. Nur zirka die Hälfte der Jungen überleben das erste Lebensjahr. Todesursachen sind Verhungern, Krankheiten sowie Unfälle auf der Straße, Schiene oder beim Beutemachen.

Verwaiste Luchse haben eine geringe Überlebenschance

Stößt der Luchsin etwas zu, so sind die Jungen auf sich alleine gestellt. Auf der Suche nach leichter Beute, können verwaiste Jungluchse bei Häusern oder Bauernhöfen auftauchen und mitunter auch recht vertraut wirken. Ihr Interesse gilt meist Hühnern, Enten, Gänsen oder Kaninchen. Verwaiste Jungluchse, welche immer wieder gefunden werden, sollen nach Möglichkeit gefangen und über den Winter gepflegt werden. Dies muss aber auf jeden Fall von Experten, wie etwa jenen des Nationalparks Bayerischer Wald, durchgeführt werden, da die Tiere auf keinen Fall auf den Menschen geprägt werden dürfen.

Vereinzelt schaffen es verwaiste Jungluchse auch aus eigener Kraft über den Winter zu kommen. Vor allem wenn sie die kritische Zeit bis zum Erlernen der „Großwildjagd“ auf Rehe mit genügend Kleinbeutetieren (Mäuse, Nager, Geflügel und Hasen) überbrücken können. In der Regel wird ein verwaister Jungluchs aber auf der Strecke bleiben, wie zirka 50 Prozent aller Jungluchse eines Jahres.

Der Naturschutzbund Oberösterreich, die Abteilung Naturschutz des Amtes der Oberösterreichischen Landesregierung und weitere Kooperationspartner wollen im Rahmen des Projektes „Pro Luchs“ dem Luchs in allen geeigneten Lebensräumen in Österreich eine Heimat bieten und setzen sich für eine überlebensfähige Luchspopulation ein. Damit dies erreicht werden kann, ist eine Akzeptanz durch den Menschen notwendig.
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