01.06.2017, 00:00 Uhr

Geplantes Wettbüro neben Psychosozialem Zentrum sorgt für Ärger

Direkt neben der Eingangstür des psychosozialen Zentrums Exit-sozial soll ein Wettbüro öffnen. (Foto: Exit-sozial)

Suchtberater warnen vor Konsequenzen für Menschen, die in einer seelischen Krise Hilfe suchen.

Es klingt eigentlich unmöglich: In Urfahr soll ein Wettbüro eröffnen – direkt neben der Eingangstür des psychosozialen Zentrums Exit-sozial. Dort finden Suchtgefährdete und Menschen in psychischen Krisen Hilfe. "Dass Hilfsangebote angstfreie erreichbar sind, ist für die Wirksamkeit ganz entscheidend", sagt Regina Nening-Dougan, fachliche Geschäftsführerin von Exit-sozial. Ein Wettlokal würde das derzeitige, vertrauenswürdige Umfeld jedoch beeinträchtigen: "Für unsere Klienten ist das eine ganz wesentliche und unnötige zusätzliche Belastung. Bei Menschen, die sich in einer seelischen Krise befinden, ist eine erhöhte Beeinflussbarkeit Teil der Symptomatik", so Nening-Dougan.

"An Unsensibilität nicht zu übertreffen"

Derzeit wird die sozialpsychiatrische Ambulanz etwa 8.000 Mal pro Jahr aufgesucht. Angeboten werden therapeutische Gespräche und Therapiegruppen, sowie vier Krisenzimmer für akute Notfälle. Die Experten befürchten, dass "gerade jene Personen, die eine psychiatrische Betreuung am dringendsten brauchen, den Weg zu uns nicht mehr gehen können". Als "an Unsensibilität nicht zu übertreffen" bezeichnet daher auch SPÖ-Gemeinderat Stefan Giegler die Pläne, genau hier ein Wettbüro zu eröffnen.

Geschickter Verfahrenstrick

Der Betreiber, der einen ersten Antrag für das gewerberechtliche Verfahren bereits zurückgezogen hat, soll nun versuchen, durch einen geschickten juristischen Schachzug seinen Plan doch noch zu verwirklichen. Beantragt wurde dieses Mal nämlich kein Wettunternehmen, sondern ein Gastgewerbebetrieb. "Der Betreiber sagt, es handelt sich um eine kleine Gaststätte mit Getränke- und Kaffeeautomaten, in dem auf 300 Quadratmetern auch Bildschirme aufgestellt sein werden. So wird es für uns schwieriger, die Pläne zu verhindern", sagt Gottfried Roithinger, Sprecher von Exit-sozial. Beim Land OÖ, das für die Genehmigung von Spielapparaten und Wettbüros zuständig ist, sei derzeit jedenfalls noch kein entsprechender Antrag eingelangt. Man warte auf die positive Betriebsanlagengenehmigung der Stadt Linz, heißt es aus dem Büro des zuständigen Landesrates Elmar Podgorschek. "Werden alle Vorgaben nach Gewerberecht erfüllt, haben wir keine Möglichkeit, das Lokal zu verhindern", sagt Giegler. Der Gemeinderat hat daher im April eine Resolution beschlossen, mit der das Land dazu aufgefordert wird, Standortgemeinden von Glücksspiellokalen zumindest Parteienstellung im Bewilligungsverfahren einzuräumen.

Schutzzone

Die Gegner des geplanten Wettbüros werden jedenfalls alle Möglichkeiten nutzen, um das Wettlokal zu verhindern. Die Bewohner haben Unterschriften gesammelt und den Magistrat aufgefordert, die Bewilligung nicht zu erteilen. Exit-sozial hat bereits Briefe an das Land Oberösterreich verfasst und auch bei der "OÖ Wohnbau", dem Vermieter und Hausbesitzer, wurden die Bedenken deponiert. "In anderen Bundesländern gibt es vor Schulen und Krankenanstalten Hundert-Meter-Schutzzonen, in der ein Wettlokal grundsätzlich nicht möglich ist, zum Schutz von Jugendlichen und Suchtgefährdeten", hofft Christian Cakl, kaufmännischer Geschäftsführer von Exit-sozial auf ein Eingreifen der Verantwortlichen.
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